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Der Israelit · 1901-10-17 · Heft 82 (17.10.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 82 (17.10.1901)
Date
1901-10-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1781 „Der echte, rechte Jude geräth nie in Verzweiflung und haßt keinen Menschen." „Unmöglich! Dann wären doch die Juden Engel." „Der wahrhaft fromme Jude steht ungleich höher als die Engel." Der Ausdruck maßlosen Staunens in dem Angesichte des jungen Mädchens entging nicht dem scharfen Blick der alten Dame: „Sie sehen mich voll Verwunderung an und denken jetzt, die alte Judenfrau leidet doch an Größenwahn." „Gnädige Frau!" „Nein, nein, vielleicht haben Sie das nicht gedacht, aber meine Ausdrucksweise hat Sie srappirt, darum will ich mich deutlicher ausdrücken. Nicht nur der wahrhaft fromme Jude, sondern jeder wahrhaft gute Mensch steht höher als die Engel, denn den Engeln fehlt nicht nur die Lust, sondern auch die Fähigkeit zu sündigen; die Menschen jedoch, auch die besten, haben nicht nur die Fähigkeit, sondern häufig auch die Neigung, gegen Gottes Gebot zu handeln, und indem sie diese Neigung überwinden, erheben sie sich über die Sphäre der Engel." „Demnach betrachten Sie die Lust zur Sünde als einen Vorzug des Menschen?" „Ganz gewiß." Jsabella schüttelte den Kopf. „Seltsam, seltsam! — Da haben wir doch ganz andere Anschauungen. — Ich habe freilich über dergleichen noch selten nachgedacht, oder besser gesagt, noch nie. Nur als Kind in der Religionsstunde haben rvir Verschiedenes auswendig lernen müssen — aber gedacht hat wohl keine meiner Mitschülerinnen etlvas dabei. Aber es leuchtet mir ein, was Sie da gesagt haben. — Wissen Sie, was ich inöchte? — Daß Sie sich einmal mit meinem Vetter Alfred unterhalten möchten. Was der für Augen machen würde!"- „Zu einer Unterhaltung zwischen dem antisemitisch gesinnten Herrn von Nauhenstein und mir dürfte es schwerlich kommen." „Wer weiß? Ich habe Juanita im Verdacht, daß sie mich verklagen will, sowohl bei meinem Onkel, als auch bei meinem Vetter. Da wäre es gar nicht so unmöglich, daß mein Herr Vetter eines schönen Tages bei mir erscheint, um mir die Leviten zu lesen." „Weil Sie mich besucht haben? — Wenn Sie das fürchten, sollten Sie nicht kommen." „Ich fürchte es aber nicht, es wird mir im Gegentheil ganz angenehm sein, mich einmal gründlich mit ihm auseinander zu setzen." „Nein, das darf ich nicht zugeben, so angenehm mir auch Ihre Gesellschaft ist." „Das war ein liebes Wort von Ihnen," jubelte Jsabella, „ist es denn wirklich wahr? Ist Ihnen meine Gesellschaft angenehm?" „Ganz wirklich wahr," versicherte Frau Müller lächelnd, „Sie haben eine gewisse, herzgewinnende Art —" „Dafür muß ich Sie umarmen," rief Jsabella aufspringend, „Sie erlauben es doch —" und ohne die Erlaubniß abzuwarten, schlang sie den Arm um die Schultern der alten Dame und drückte sie an sich. (Fortsetzung folgt.) Fttd. Allerlei In einer größeren Galizischen Gemeinde hatte es sich der Vorstand zur Aufgabe gemacht, reformatorisch vorzugehcn und benutzte die gute Gelegenheit, als der Rabbiner, ein bedeutender Mann und hervorragender Gelehrter, nach Wien verreist war, um daselbst seine Pflicht als Reichsrathsabgeordneter zu erfüllen. Der Vorstand befaßte sich zunächst mit angeblich unwesentlichen Dingen, bei denen er keinen Widerspruch seitens der Gemeinde glaubte erwarten zu können, stieß aber dennoch sogleich auf energische Abweisung, die zu einem Tumult ausartete, als der Vorstand auf seinem Vorhaben beharrte. Die Presse brachte lange Berichte hierüber und bald wurde der Rabbiner von seinen Reichsrathskollegen über diese Angelegenheit interpellirt: „Aber ich bitt' Sie, Herr Rabbiner, was ist das in Ihrer Gemeinde für ein Lärm, es soll sich doch angeblich lim ganz unwesentliche Dinge handeln?" Der Rabbiner, welcher selbstverständlich den Standpunkt der Opponenten theilte, konnte und wollte sich mit den nichtjüdischen Herren über interne jüdische Angelegenheiten nicht unterhalten, und erzählte ihnen folgende Geschichte: „Ein vornehmer Herr, Besitzer vieler Kostbarkeiten und Schätze, hatte sich ein Schloß gebaut, ausgestattet mit der seinem Stande angemessenen Pracht — und Sicherbeitsanlagen zur Verwahrung seiner Schätze. Eines Nackts schlichen sich Leute heran, die mit größter Vorsicht daran gingen, sich der Kostbarkeiten zu bemächtigen. Der Hausherr indessen hörte das Geräusch und schnell entschlossen setzte er die verschiedenen Allarmsignale in Bewegung. Nicht lange währte es, da liefen die Polizei, die Feuerwehr und natürlich das gesammte Harrspcrsonal zusammen. Es gab einen argen Lärm und schnell waren die Schätzesucher gepackt. Diese aber sagten- „Wir sind ganz ruhige Leute, um Niemand zr stören, haben wir ilns sogar die Stiefel ausgezogen, diese," auf die Hausleute zeigend, „sind die Lärmmacher." Die Reichsräthe verstanden den Rabbiner, und dieser, in seine Gemeinde zurückkehrend, fand weder Reformen noch die Lust dazu mehr vor. In einer kleinen, weitab von der Residenz belegenen Sw.dt, wurde einstmal der Besuch des Königs angemeldet. Die Stadtväter traten zusammen, zu berathen, wie man den König am feierlichsten empfangen könne und beschlossen, da es doch unschicklich sei, den König anzuschreien, so solle zunächst das übliche „Hurrah" von

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