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Der Israelit · 1901-10-17 · Heft 82 (17.10.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 82 (17.10.1901)
Date
1901-10-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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42. Jahrgang. ,, 'M 8S. Ein r; , f\ Genlrak-Hrgan für das orthodore IudenLhum. Begründet von Dr. Trhmsnn in Httaini. Donnerstag, den 17. Oktober 5662 (1S61). Leitend er Artikel <£\ ttundvlui lgssorinen. Chemische Wandlungen nennt die Naturwissenschaft jene Borgänge, mit denen sie eine Verbindung von Stoffen oder ihre Zersetzung bezeichnen will. Sie vollziehen sich theilweise von selbst, und theilweise ruft die Kunst willkürlich solche Prozesse hervor, um da durch auf ein bestimmtes Ziel hinzuleiten. Auch in der Menschenwelt vollziehen sich fortwährend ähnliche Vorgänge, und schon die ersten Blätter unserer Thora wissen davon zu berichten. Gar bald büßte da» erste Menschengeschlecht so sehr seine Würde ein, vergaß in solch' hohem Grade seine hohe Ausgabe und Bestimmung, daß die Gottheit selbst sich darüber betrübte und beschloß vwc d-jnh dx nncx „ich will den Ntenschen auSlöschen von der Fläche des Erdbodens, die ganze Welt der Lebenwesen, denn ich bereue, daß ich sic geschaffen habe." Aus dieser trostlosen, dem Untergang bereiten Welt ragt als wohlge fällig nur Noach hervor. Mit dem AuStheilen von Lobspriichen ist die Thora selbst ihren größten Männern gegenüber sehr sparsam. Sie betrachtet eben den möglichst vollkommenen Men scheu nicht als Ideal-, sondern als Normalgestalt, und io saßt sie die Lebenssumme des 'Noach kurz zusammen in: „dieses sind die Erzeugnisse des Noach, Noach lvar ein frommer Mann, tadellos in seinen Zeiten, mit Gott wandelte Noach." Zu ihm selbst spricht Gott: „Dich allein habe ich vor mir gerecht gefunden in diesem Zeitalter." Unsere Midraschlehrer haben an der dreimaligen Wiederholung des Namens im ersten Satz Anstand genommen und fragen: ru lua^j? •: ne^tpa in» rn naS p'ccz carc .intp-c ".naoi mn 'oma ot’s nxi n: ,arxi pjaa ":a hkt anrr hxt rra pja rnn bx'^i ,w: rum ivr. ot irra pja nx*i aux .w ira Weßhalb ist dies? Weil er einer von den drei Männern ist, die drei Welten gesehen haben, Noach, Daniel und Job. Noach sah eine bewohnte Welt, sah sie zerstört und sah sie schließlich wieder in ihrer Fülle. Daniel sah den Tempel in seiner Herrlichkeit, in seiner Zerstörung und erlebte den Bau des zweiten Tempels. Job sah fein Haus erfüllt vom höchsten Segen, sah es vernichtet und hatte die Freude, es in noch herrlicherem Glanze wieder erstanden zu sehen. (Midr. tanchuma zur St.» Bliithezeit, Verwelken, Aufblühen zu neuem Leben, das ist der Werdegang im menschlichen Dasein. Wie er sich in der stofflichen Welt vollzieht, so tritt er auch in der Geschichte der Familie, wofür Job als Bei spiel dient, und im Staate, wie Daniel ihn geschaut, in die Erscheinung. Im Talinud ist ein Streit darüber, wann Job gelebt hat' die eine Meinung versetzt ihn in die Zeit Abrahams, eine andere in die Zeit der Richter, eine dritte in die Zeit der Könige, und eine letzte behauptet gar, Job habe niemals existirt, seine Lebensgeschichte wäre nur als Gleichniß aufzufassen, xb» rvn xb avx ,*rn tee xbx x*ia;. Mischen wir uns nicht in den Streit der Gelehrten, jede dieser Ansichten ist richtig. Wo gäbe es eine Zeit, in der nicht jede Familie ihren Dulder gehabt hätte? Auch in unseren Tagen mag mancher die Geschichte seiner Familie liberblicken. Märchenhaft kommen ihm die Gestalten vor, in deren Unigebung er seiner Kind heit Tage verlebt hat. Er kann es sich nicht erklären, daß die Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit seiner Alten in der tiefen Religiosität ihren Ursprung hatte und daß aus derselben Quelle auch die Ruhe und Ergebung, mit welcher sie die oft schweren Leiden und Bedrängnisse ertrugen, entsprang. Ein einziger Freudenstrabl ließ sie rasch alle Unbill vergessen und die Ruhe ihrer Feinde, welche den Waffenstillstand nur deß halb eintreten ließen, um neue Qualen zu ersinnen, wiegte sie in Sorglosigkeit. Was war ihnen der Ber-

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