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Der Israelit · 1901-10-14 · Heft 81 (14.10.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 81 (14.10.1901)
Date
1901-10-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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42. Jahrgang. M 81 Der Israettl. Ein Kentrak-Hrgan für das orthodoxe IudenLHum. Begründet von Dr. fe^mann in Main). Montag, Ven 14. Oktober 5662 (1901). leitender Artikel. Mmit Ntlli>»sl!>l»»»iii mit) viiiüeiilliuiii. iou Zacov Ept-raimsol-u. (Schlutz.) Wir haben im vorigen Kapitel die Ansicht zu vertreten gesucht, daß der Allgütige in seiner Weisheit, wie er in die Stosse dieser Well .Kräfte und Eigensei,asten gelegt hat, damit die Menschheit sie benutze, nlil sich auf eine immer höhere Kulturstufe zu bringen, so habe Er Israel ausersehen, um in es die Thora zu legen, damit es seine Mitmenschen auch in ethischer Beziehung und in Bezug auf die Erkenntniß des einzigen Schöpfers auf eine immer höhere Stufe bringe. Wenn aber Israel sich von seiner Lehre abgewendet hat, was ist es dann noch? Ein Stoff, der seine Kräfte entladen, eine Waffe, die ihre Munition verbraucht, ein Ding ohne Kraft und Saft, das nicht mehr den Namen Judenthum verdient; denn wie das verbrauchte Pulver nur noch aus Asche und wirkungslosen 'Atomen besteht, das Niemand mehr zur Sprengung benützen kann, so ein Judenthum ohne die jüdische Lehre. Gewisse Kreise, wie Nationaljuden und Zionisten, die sich mit Stolz Juden nennen, die sich indeß über die heiligen Gesetze der Juden hinwegsetzen, sind Leute, die mit sich selbst in fortwährendem Widerspruch leben. Was würde man von deutschen Staatsbürgern d"nken, die behaupten, daß sie stolz darauf seien, Deutsche zu heißen und Deutsche zu sein, die aber ihre Nationalangehörigkeit freiwillig aufgäben, nach Frankreich ziehen, die französische Sprache annehmen und im französischen Heere Dienste leisten würden? Die deutsche Nation würde gegen eine derartige Heuchelei auf das Heftigste protestiren. Aber die Juden haben nichts dagegen, wenn vom jüdischen Gesetz Abgefallene stets ihr Judenthum betonen und bei jeder Gelegenheit mit Dünkel auf ihre jüdische Abstammung Hinweisen. Sie suchen ihr Judenthum in gemeinsamen antropologischen, sozialen, psychologischen und anderen Nationaleigenschaften, die die Juden, wenn sie auch mit dem Glauben gebrochen, doch zu einem Volke vereinigen sollen. Aber wie verhält es sich mit diesen gemeinsamen Eigenschaften? Was die A n t r o p v l o g i e betrifft, so haben die größten Gelehrten nachgewiesen, daß Das jüdische Volk den verschiedenartigsten Rassen angehört und daß die ursprünglich reine semitische Rasse fast von allen anderen Völkerschaften Theile in sich ausgenommen haben. Dazu kommt, daß durch klimatische Einflüsse, abweichende Lebensweise und Ernährung in den verschiedenen Ländern und Erdtheilen, sich die Rassen der auf den ganzen Erdboden zerstreuten Genossen auch aus natürliche Weise verändert haben. Die soziale Gemeinsamkeit der Gesammtheit der Juden ist wohl auch nicht von Belang. Größere Gegensätze in sozialer Beziehung zwischen Israeliten einzelner Länder gibt es wohl kaum. Der Newyorker Kleinhändler, der süddeutsche Hofbankier, der Londoner Schneider und der russische Gutspächter, welche sozialen Berührungspunkte haben diese? Mit der Psychologie ist es wohl auch nicht anders, denn Niemand wird behaupten wollen, daß die Mehrzahl der auf der Erde lebenden Angehörigen des jüdischen Volkes ein gemeinsames seelisches Empfinden vereint. Das unbiblische moderne Hebräisch, dessen sich die russischen Zionisten bedienen, das hebräische Kauderwelsch, in dem die schlüpferischsien Romane und die Werke der Atheisten erscheinen, wird auf die Dauer kein Band bilden zwischen den Juden des Erdballs, nur die „heilige" Sprache wird ewig bestehen und nicht die, welche die Jugend von dem Einflüsse der Religion zu entziehen sucht. Wir sehen, daß uns nichts Gemeinsames übrig bleibt, das uns mit unseren Brüdern in Ost und West, in Nord und Süd vereint, als das Gesetz, uralt und ewig bindend.

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