Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 78-79 (8.10.1901)
- Date
- 1901-10-08
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1714 Gutachten, Resolutionen u. s. w. gelangte das Gremium in dieser Frage zu nachstehenden Grundsätzen: 1. Das Schlachten ohne vorausgehenden Betäubungsschlag ist ein im hohen Grade thierguälerischer Vorgang. 2. Als schmerzloseste und daher beste Schlachtungsmethode muß jene erklärt werden, welche in erster Linie durch einen Schlag auf den Kopf vollständige Bewußtlosigkeit und während deren Dauer in zweiter Linie durch Verblutung den Tod herbeiführt. 3. Bei Vornahme der Tödtung der zur menschlichen Nahrung dienenden Thiere hat in jedem Falle die Betäubung der eigentlichen Tödtung durch Blutentziehung vorauszugehen. Hierauf stützen sich die ziemlich umfangreichen Anträge des Magistrates, welche nunmehr dem Stadtrathe vorgelegt werden. Wie man sieht, wendet sich der Wiener Magistrat, nachdem er das Kleingewerbe gerettet hat und dem skandalösen Zustande in der Vertretung der Wiener kaufmännischen Gehilfen ein Ende gemacht hat, anderen wichtigen Dingen zu, nämlich der Rettung der Thiere. Das Ganze ist nichts als ein Vorstoß des Antisemitismus; daran wird das wissenschaftliche Mäntelchen, das man seinen Instinkten umhängt, nichts ändern. Glücklicherweise ist dafür gesorgt, daß die antisemitischen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Wie wir erfahren, hat der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde in einer am 25. v. Mts. vom Präsidium einberufenen außerordentlichen Sitzung sich mit dem in den Blättern erschienenen Communique der Rathhaus-Korrespondenz beschäftigt, und wird es seinen Bemühungen zweifellos gelingen, auch diesen Streich unserer Feinde zu pariren. Dänemark. Kopenhagen, Ende Sept. Unser wackerer Gemeindepräses, Bankdirektor G l ü ck st a d t, beabsichtigt, sämmtliche Armen-Stiftungen, Lehr- und Lern- Vereine, Clause und Bureaux der Gemeinde, in ein Haus zu vereinen. Er hat zu diesem Zweck drei große Grundstücke in einer sehr schönen, freien Gegend der Stadt angekauft. Natürlich kann dies nicht ohne bedeutende Kosten geschehen, doch ist der Plan überall mit großem Beifall begrüßt worden, und mehrere unserer Wohlthäter haben bereits große Summen beigesteuert. — Der Redakteur unseres Regierungsblattes, „Berlingeke Tidende", Herr kand. polit. I. Nathans o n , ist krankheitshalber gezwungen, seine Stellung als Redakteur aufzugeben und wird ihm in der ganzen Presse Lob und Anerkennung gezollt ob seiner Tüchtigkeit, seines feinen Taktgefühls in jeder Lage und seiner großen persönlichen Liebenswürdigkeit und außerordentlichen Arbeitskraft; auch waltet er als Repräsentant unserer Gemeinde dieses Amtes und wünschen wir Alle, daß er sich erholen und noch lange Jahre als solcher unter uns weilen möge. P. E. Amerika. Nctohork, Ende Sept. (Präsident R o osevelt über Rasse und Glaube.) Die „Deutsche Ist. Zeitung" theilt eine Rede mit, die Präsident Noosevelt bei der Eröffnung eines Neubaues des Montefiore Home für chronische Invaliden in Newyork, dessen Präsident Herr Jacob H. Schiff ist, im Juni d. I. gehalten hat. In derselben sagte Herr Noosevelt u. A. Folgendes: „Ich kam hierher, weniger um Ihnen einige Worte der Ermuthigung zu sagen, als um zum Ausdruck zu bringen, welche Verpflichtungen Ihnen gegenüber das Volk der Vereinigten Staaten hat, nicht wegen der That selbst, sondern wegen des Beispiels, welches dieselbe gibt. Sie haben den Kampf gegen den schlimmsten Feind, den wir haben, die Schwindsucht, begonnen. Ihre Ausrottung ist ein gewaltiges soziales Problem. Durch die Eröffnung der Anstalt am Gräberscbmückungs - Tage haben Sie dem amerikanischen Volke eine gute Lehre gegeben und eine andere dadurch, daß Sie allein die Mittel zu der Anstalt lieferten, die für alle ohne Unterschied offen ist. Wenn es eine Doktrin giebt, der sich die Männer in Amerika zuneigen sollten, so ist es die, zu der Sie sich bekennen. Keine Feindschaft auf Grund von Rasse oder Glauben. Wir haben hier Raum genug für die Arbeiter Aller, . Bischof und Rabbi, wenn diese Thaten verrichten wollen, wie die, welche wir heute hier sehen . . . Ja, es ist außerordentlich passend, daß die Feier einer guten That an diesem Tage stattfindet. Es ist nicht unvereinbar mit der höchsten bürgerlichen und sozialen Tugend, Andern zu dienen und Gutes zu thun. Es ist nicht unvereinbar damit, Eigenschaften zu zeigen, welche viele von Ihnen 1861 unter die Waffen riefen. Das Schlimmste, was pasiiren kann, ist ein ungerechter Krieg, denn darauf folgt fast immer ein ungerechter Friede." Dann pries Herr Noosevelt die Israeliten, weil sie auch Andersgläubigen Aufnahme in ihren Anstalten gewähren. „Wir haben jetzt im zwanzigsten Jahrhundert," fuhr Redner dann fort, „nicht nur industrielle Prosperität, sondern wir stehen auch verschiedenen wichtigen Problemen gegenüber, wie dem Verhältniß zwischen Arbeit und Kapital, dem Anhäufen von Reichthum etc. lind hier geben Sie ein herrliches Beispiel, wie der Reichthum verwendet werden kann, um die existirenden Zustände zu verbessern. Wir haben weder für Pessimisten, noch für Optimisten Raum, beide irren in ihren Anschauungen. Mit Ihren Wohlthätigkeitsanstalten haben Sie eine Pflicht gegen die Menschheit erfüllt. Die Rede fand großen Beifall. Dleu eingeyangenr Siichrr. (Besprechung Vorbehalten) Die Judenverfolgungen imzweiten sckwedisckvolnischen Kriege 1655—1659. Von Dr. LoutS Lewin, Rabbiner in Pinne. Joseph Jolowicz.- Posen 1901. Preis 0 SO M. Der Unterricht unserer Jugend. Ein Mahnwort an die deutsche Judenheit von M. Steinhardt. Magdeburg. Zweite Auflage. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1901.