Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 78-79 (8.10.1901)
- Date
- 1901-10-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1705 \ ' ' - Vernehmung der Hauptbelastungszeugin in der Strafsache gegen den Vorbeter und Kaufmann Rosenthal in Camin hinzugezogen worden ist, um ein Gutachten dahin abzugeben, ob diese Zeugin geistig normal oder blödsinnig ist. Der Herr Jrrenanstaltsdirektor zu Conradstein gab sein Gutachten dahin ab, daß die Zeugin geistig unzurechnungsfähig sei. Dieses Gutachten diente dann als Grundlage dafür, daß das ganze Verfahren gegen den Rosenthal eingestellt und derselbe aus der Untersuchungshaft entlassen wurdle. Derselbe Irrenanstalts- Direktor soll jetzt ein Gutachten über den Geisteszustand des Moritz Lewy abaeben. Wie dieses Gutachten lauten wird, daraus darf man sehr neugierig sein." Wie dasselbe Blatt mittheilt, ist wegen Beleidigung des Ersten Staatsanwalts Dr. Schweigger in Könitz gegen den Rechtsanwalt Sonnenfeld, der die Vertheidigung im Prozeß gegen Moritz Lewy führte, Anklage erhoben worden. Die Beleidigung wird in der am 20. Juni im „Humanitäisverein jüdischer Gewerbetreibender" vom Rechtsanwalt Sonnenfeld gehaltenen Rede über den „Fall Moritz Lewy" gefunden, in der Rechtsanwalt Sonnenfeld gegen den Ersten Staatsanwalt angeblich den Vorwurf erhoben hatte, illoyal gehandelt zu haben. Woher hat das antisemitische Blatt seine Kenntnitz der Anklage? Berlin, 4. Okt. (Austrag eines Vermach 1 n i ß st r e i t e s.) Vor IVo Jahren berichteten hiesige Zeitungen, daß der damals verstorbene Rentier Israel Keßler, dessen einziger Sohn geistesschwach ist, den größten Theil seines bedeutenden Vermögens der Synagogengemeinde Adaß Jisroel testamentarisch vermacht habe. Da die Geschwister des Verstorbenen zu erkennen gaben, daß sie in Folge bedrängter Verhältnisse eines Theiles dieser gewillt seien, diese Schenkung anzugreifen, so trat die Gemeinde mit ihnen in Unterhandlung und bewilligte ihnen aus freien Stücken einen ansehnlichen Theil des ihr zukommenden Vermächtnisses. Die beantragte königliche Genehmigung ist auf dieser Basis vor kurzem erfolgt, und hat der vom Verstorbenen mit dem Ehrenamte des Nachlaßrendanten betraute Kaufmann Nathan Wolfsohn die Auszahlung vorgenommen. Schrimm, 4. Okt. Die Bestätigung zur Wahl des Herrn Rabbiner Dr. Bamberger zum Distrikts- Rabbiner des Rabbinats Kissingen ist heute hier eingetroffen. O e st e r r e i ch. Wien, 4. Okt. (Zur D u e l l a s s ä r e.) Die Ablehnung der Herausforderung des Ritters v. O f e nh e i m an Bürgermeister Lueger durch diesen hat eine zweite Forderung zur Folge gehabt. Als nämlich in der Gemeinderathssitzung Lueger seine Gründe für die Duellverweigerung darlegte, bemerkte Vizebürgermeister Neumayer, Ofenheim sei schon als Jude nicht satisfaktionsfähig. Daraufhin forderten ihn die zwei Sekundanten Ofenheim's, und zwar ein Oberst und ein Oberstleutnant des neunten Dragonerregiments auf. Genugthuung mit der Waffe zu geben. Neumayer antwortete, er sei für solche Dummheiten zu alt. Neumayer ist hoher Sechziger und sehr schwächlich. Uebrigens ist Ofenheim kein Jude; schon sein Vater hatte sich taufen lasten. Salzburg, 3. Okt. Am Vorabend des Neujahrsfestes, unmittelbar vor dem Abendgottesdienste, beging die jüdische Gemeinde Salzburgs die Einweihungsfeier ihres ersten, eigenen Gotteshauses. Die Feier begann mit einem von Herrn Kantor Jakob Stefansky stimmungsvoll vorgetragenen „Ma-towu," worauf der Obmann des Tempelbaukomitees, Herr Prof. Gottlieb Winkler, -in in Salzburg hochangesehener Glaubensgenoste, der sich auch um die jüdische Gemeinde große Verdienste erworben hat, eine wohlgelungene Ansprache hielt, in der er die Verhältnisse der Gemeinde in der Gegenwart von verschiedenen Gesichtspunkten aus beleuchtete. Die Rede schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät; die eigentliche Weiherede hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. I. K r e n g e l. Er zog eine Parallele zwischen der Feier des Neujahrsfestes und der Einweihungsfeier eines Gotteshauses und zeigte, welche Vorsätze man fasten muß, um beiden Feiern gerecht zu werden. Die Rede, in der Gedankenreichthum mit schöner Form und lichtvoller Klarheit verbunden war, fand bei ven Zuhörern ungetheiltes Lob. Schweiz. Zürich, 3. Okt. (I s r a e l i t i s ch e Schulen.) Die „Israelitische Religionsgesellschaft" Hierselbst projektiert mit Beginn des nächsten Schuljahres die Schaffung einer eigenen Schule. Es geschieht dies namentlich aus dem Grunde, weil die Schulbehörden den Schulbesuch am Samstag obligatorisch erklärten. England. London. (Die Juden als Soldaten.) In der Fortsetzung seines Berichtes an den Kriegsminister hebt Marschall Roberts eine weitere Reihe von 'Namen derjenigen Soldaten und Civilisten hervor, welche sich in dem südafrikanischen Kriege in l)ervorragender Weise ausgezeichnet haben. Es befinden sich darunter nicht weniger als 21 Juden, welche bei der Infanterie, Cavallerie und Artillerie, so wie beim Train stehend, sich um die Sache Englands verdient gemacht haben. Auch von der Peomanry, sowie von den Cityfreiwilligen haben sich je zwei Juden verdient gemacht. Endlich wird auch eine junge Dame, Frl. S. Jewel, lobend erwähnt, welche sich in Kimberley als freiwillige Krankenpflegerin hervorragend verdient gemacht hat. Die alttestamentarischen Namen Abraham, Isaak und Jakob sowie Nathan und Ascher, welche in dem Bericht wiederholt Vorkommen, müssen den englischen Antisemiten einigermaßen zu denken geben. Daneben figuriren Namen, wie Schlesinger, Marx, Frank und Altmann, welche deutlich beweisen, daß die Wiege dieser englischen Patrioten nicht in England, # sondern in Deutschland oder vielmehr tn Polen gestanden hat.