Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1901)
- Date
- 1901-12-19
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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9333 Lehrer an denselben, waren beim FestgotteSdienst anwesend, der einen weihevollen Verlauf nahm. Für die zahlreich erschienen Amtskollegen waren Plätze reservirt. Wir bemerkten: Dr. Bamberger-Hanau,Cohn-Eschwege, Hirschfeld-Gießen, I. Horovitz - Frankfurt a. M., Kottek-Hamburg, E. Munk-Berlin, Nobel-Marburg, Prager-Caffel, Sander-Gießen, Schlesinger-Wiesbaden, Strauß-Frankfurt a. M., Wolf-Köln. Nachdem der Jubilar unter Musik und Gesang an seinen Platz geleitet und der rauschende Gesang der Psalmen verklungen war, betrat Herr Landrabb. Dr. Prager die Kanzel, um in Anlehnung an die Prophetenworte (Jesaj. 61, 16) o’öp yv^ *]wm n» -pcn w opx: nun »oy pK die dreifache Thätigkeit des Jubilars zu feiern, der in seinen Leistungen und Erfolgen von dem Schutze Gottes gedeckt, den Himmel gepflanzt, des Zeuge sei allen sichtbar das neugegründete Gotteshaus, die Erde gegründet, Menschenliebe und Sittlichkeit weithin gefördert, des Zeuge sei das schöne Schülerheim und neben seiner Friedensthätigkeit als Kämpfer für seine Glaubensgenossen bewährt habe, als es galt, Verleumdung und Bosheit entgegenzutreten. Namens der Gemeinde Marburg sprach dann Herr Rabbiner Dr. N. A. N o b e l in begeisterten, packenden Worten den Dank der Gemeinde ihrem Führer aus. Mit meisterhafter Kraft knüpfte er an die Mischna der Maßstäbe 'n 'v nno an. rit hjti ddpi' ^>rp’ bv n-nJc nnn dp jinarr rüvb ppynoi o'jzb paib bicc u sxoj xbp psi ,nxn3n ♦ Dann m« oy popöi d:3ji Mit strengem Maßstab habe die als Gerichtshof versammelte Gemeinde die 25jährige Thätigkeit ihres Priesters gemessen, und wie ihr Urtheil laute, das zeigen die Festestage, zu denen sie diese Tage gemacht hätten, sinn bv lym ‘ncs ksd: k^p D-piy vn Dia Din, weil sie keinen Makel und kein Hehl, sondern nur treue, gewissenhafte Pflichterfüllung in seinem heiligen Dienste gefunden hätten. Ein in klassischem Hebräisch gehaltenes Gebet folgte dieser Rede. Darauf bestieg der Jubilar die Kanzel, um in tiefbewegten Worten nochmals seinen Dank auszusprechen für die auch an heiliger Stätte ihm dargebrachte überreiche Liebe und Verehrung und zum Texte wählend den Schlußsatz der Chanukka-Haphtorah, welche auch den Text gebildet hatte bei seiner Antrittspredigt, gab er einen übersichtlichen Rückblick über die Entwickelung der Gemeinde und ihrer Institutionen im verflossenen Vierteljahrhundert, sie nach den drei Gruppen: Thora, Aboda und Gemilus Chasodim betrachend. Ein schöner Schlußgesang beendete die wunderbare Feier. Nach kurzer Pause begann in den Räumen des Kaffee Quentin das Festessen, das gleichfalls unter regster Betheiligung — es waren an 160 Gedecke — glänzenden Verlauf nahm; es ist nicht möglich, auch nur skizzenhaft die gedankenvollen Reden alle wiederzugeben. Nach dem Kaisertoast, den der Jubilar in zündenden Worten ausbrachte, wurde dieser von Herrn Geheimrath Cohen gefeiert. Nur das Eine sei aus dessen schönen Worten hervorgehoben: Er rühmte an dem Jubilar, daß er eine Pflicht, die schwer sei und vielseitig unterschätzt werde, mit dem vollen Maße seines weiten Blickes, seiner besonnenen Einsicht und feinfühligen Gewissenhaftigkeit allezeit und jedermann gegenüber, erfüllt habe: die Pflicht der Berathung. Welche Bedeutung dieser Pflicht von unseren Weisen beigelegt werde, beweise ja die Aufnahme des yi axv in die ’tt. Herr Charles Hallgarten widmete dem Freunde warme Worte der Anerkennung. Herr Rabb. Dr. Cahn feierte den Jugendfreund u. Studiengenossen. Herr Dr. Prager toastete auf die Gemeinde Marburg und ihre Vorsteher, Herr E i ch e l b e r g auf die greise Mutter des Jubilars, Herr Dr. H i r s ch f e l d - Gießen, Herr Dr. Sander - Gießen brachten ihre Wünsche dar, mit launigen Worten beginnend, überbrachte Herr Dr. Hirsch Hildesheimer die Wünsche des Rabbinerseminars in Berlin und seiner Dozenten an seinen ersten und vorzüglichen Schüler; Dr. Jakob Horovitz die herzlichsten Grütze seines Vaters, der zu seinem Bedauern in der Ferne weile. Die Brüder des Gefeierten, Herr Michel Munk und Herr Rabb. Dr. Esra Munk dankten im Namen der Familie der Gemeinde, die an Freud und Leid ihres Rabbiners herzlichen Antheil stets genommen. Nach dem Birchath hamoson erstrahlen die Chanukkalichter in sehr großer Zahl im Saal und nur die vorgerückte Zeit gebot dem schönen Feste ein Ende, um dessen gelungene Ausführung sich Herr Lehrer Strauß ganz besondere Verdienste erworben hat, das aber auch allen Teilnehmern eine unvergeßliche Erinnerung bleiben wird und ein schönes Beispiel für das einträchtige Zusaminenwirken der Gemeinde und ihres Rabbiners. Zeitungsnachrichten und Eorrespon-enzen. Deutschland. Mainz, 15. Dez. („G u t N e u h o f.") Wir erhalten folgende Zuschrift: „Aus Anlaß einer Auslassung in Nr. 21 des „Jsr." und des Aufsatzes „Gut Neuhof" in Nr. 98, bitte ich die geehrte Redaktion, den folgenden Ausführungen Raum zu gewähren: Es berührt auch den links stehenden Juden, wie ich aus verschiedenen Aeußerungen schließen darf, peinlich, daß jüdische Bauern singen könnten: „Borstenvieh lind Schweinespeck, ist inein idealer Lebenszweck." Den Ausführungen in Nr. 91 „Aus Süddeutschland," die gleich den: letzten Aufsatz in Nr. 98 — durchaus sachliche Bedenken ansühren, ist nichts beizufügen, und ich darf inich darauf beschränken, eine Aufforderung des „Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands vom 2. Dezeniber hcranzuziehen.