Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1901)
- Date
- 1901-12-19
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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S330 nannte, als Kornwucherer betrachteten, das geht aus den dankbaren Worten hervor, die sie an ihn richteten-. „Du hast uns am Leben erhalten." Mit jener (Enteignung verband aber Josef noch eine Maßregel, die zum Wohle seiner Familie beitragen sollte. „Und das Volk versetzte er in Städte, vom einen Ende des Gebietes Ägyptens bis zum andern." Die Meisten sagen, er hätte dies deßhalb gethan, damit nicht die Egypter seine Brüder als Fremde, als Eindringlinge bezeichnen könnten. Die Egypter waren jetzt nicht mehr die Herren ihres Landes, sie waren selbst aus anderen Gegenden eingewandert, sie konnten also die Brüder Josef's nicht durch solche Vorwürfe kränken. Denn die Sorge für das Wohl seiner Verwandten lag ihm nicht weniger am Herzen. „Josef versorgte seinen Vater und seine Brüder und das ganze Haus seines Vaters mit Brod, nach Verhältniß der Kinder." Er verpflegte sie, er suchte feinem Vater und seinen Brüdern den Aufenthalt angenehm zu machen, sie sollten vergessen, daß sic ihre Heimath verlassen hatten. Freilich, bereichern sollten auch sie sich nicht: es heißt nur: „Er verpflegte sie — nach Verhältniß der Kinder. Nur soviel, als für ihre Familien nöthig war, erhielten sie; er wollte ebensowenig für sie, wie für sich einen unerlaubten Vortheil haben. Der Danl, den Josef für sein selbstloses, uneigennütziges Wirken empfangen sollte, war allerdings gering. Denn wenn auch er selbst es nicht mehr erlebte, daß. die Egypter Israel knechteten, schon kurz nach seinem Tode wollte man von den Wohlthaten, die er dem Lande erwiesen, nichts mehr wissen. „Es stand ein neuer König auf über Egypten, der von Josef nichts wußte." Daß die Erhaltung des Landes jenem Hebräer zu danken war, war bald vergessen, und den Entgelt empfingen seine Nachkommen dadurch, daß man sie unterdrückte und zu vernichten suchte. Und wie Josef, so hat es auch in späterer Zeit viele jüdische Männer gegeben,die ihre Kräfte und Anlagen dem Vaierlqnde weihten. Ein Beispiel bietet uns noch die tüätere biblische Geschichte in Daniel. Mich von ihm heißt es, daß ihm Niemand einen Vorwurf machen konnte: „ste konnten keine Sache oder Uebelthat bei ihm finden, weil er treu war." (Dan. 6, 5.) Und seine Feinde griffen zu dem Mittel, ihn durch seine Religion zu ssürzen. Bei Daniel müssen wir auch besonders noch den Freimuth bewundern, mit dem er dem Könige Belschazar entgegentritt und ihm den Frevel, den er durch die Benutzung der heiligen Tempelgeräthe bei seinem Zechgelage begangen, vor Äugen hält. Er fürchtet nicht den mächtigen König, er beugt nicht den Nacken vor den Großen, sondern offen und frei spricht er aus, was seine Ueberzeugung ist. Auch er muß aber erfahren, daß alle Verdienste um das Land vor den Feinden keine Entschuldigung sind für das Verbrechen, dem Stamme Israels anzugehören. Auch einem Staatsmann der späteren Zeit, dem großen Abarbanel, sollte dieses Geschick nicht erspart bleiben. Auch er hatte seinem Lande in der aufopferndsten Weife gedient, der spanische König schätzte ihn hoch als einen treu ergebenen Diener. Aber als fanatische Priester die Vertreibung der Juden bei dem Könige durchzusetzen suchten, da konnte and) fein Einfluß nichts ausrichten, da gedachte man nicht mehr der Wohlthaten, die man von dem Juden erfahren: er selbst mußte zum Wanderstabe greisen und den ungastlichen Boden des Landes verlassen, das ihm so viel verdankte. So sehen lvir überall, >vie jüdischer Geist sich in fegensvoller Weise bethätigt, daß die Völker nicht, wie sie behaupten, von Israel benachtheiligt werden, daß sie vielmehr von ihm die höchsten Wohlthaten empfangen, die sie aber stets mit Undank lohnen. Uns aber sollen dennoch immerdar die großen Vorbilder der Ahnen vorschweben. Die Gestalt Josef's soll uns stets mahlten, auch unsererseits unsere Pflicht in der vollkommensten Weise zu erfüllen, ob wir Anerkenuling finden oder nicht. Und einmal wird ja auch die Zeit kommen, wo man einsieht, was Israel der Menschheit gewesen, wo Israel nicht mehr zu sagen braucht: .Für meine Liebe hassen sie mich" lPs. 109,4), wo vielmehr die Verheißung sich erfüllen wird: „Alle, die sie sehen, werden erkennen, daß sie ein Geschlecht sind, das dlott gesegnet" (Jes. 61,9), und das dazu berufen ist, biegen zu verbreiten. Ai»tsjiibiliiiiii> ks Mbiims tr. fünf. M arburg , 12. Dez. Die herrlichen Festestage, welche dem 25. Amts jubiläum unseres allverehrten Rabbiners Dr. Leo M u n k galten, find vorüber und haben Zeugniß dafür abgelegt, welch' ungetheilter Beliebtheit sich derselbe nicht nur in allen Kreisen unserer Gemeinde und des zu ihr gehörigen Bezirks, sondern weit hinaus über die Grenzen derselben in und außerhalb Deutschlands erfreut. Einmüthig hatten Jung und Alt gewetteifert in dem Bestreben, ihrer Dankbarkeit gegen ihren Führer, Freund und Berather tiefen Ausdruck zu verleihen, und die in Worten und That sich zt! erkennen gebende Liebe mag für den Jubilar die erhebendste An erkennung für sein gewissenhaftes, rastloses Wirken zur Erhaltung und Förderung unserer Emunah bleiben. Die Reihe der feierlichen Veranstaltungen begann am Freitag Abend mit einer inhaltsreichen Ansprache vor Kabolath Schabboth an den Jubilar. Der Gemeindeälteste, Herr K. Strauß, drängte in kernigen Worten die Verdienste des Rabbiners in seiner 25jährigen Amtszeit zusammen und hob besonders den Geist der Liebe hervor, mit welchem er, ein Schüler > Ahrons .seine gottgeweihten Ziele zu erreichen bestrebt gewesen war. Nachdem das Neer Chanukka entzündet worden war, dankte der Jubilar in herzentquillenden Worten für die liebevolle Begrüßung, sowie für die ihm ausgesprochene Anerkennung, die zum mindest gleichen