Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 76-77 (26.9.1901)
- Date
- 1901-09-26
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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haben. — Israel muss für seine Glaubensfreiheit blutig kämpfen, muss seine Glaubensgenossen durch Bildung und Arbeit emporheben, Seelengrösse in ihnen wecken, sie zu einem reinen und musterhaften Handeln erziehen, sie mit einem Worte des Namens „Mensch“ würdig machen.“ (Damaskus) Nun, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen Wenn Schulkinder eine solche Reife des Denkens, eine so richtige Auffassung der Existenzbedingungen der Juden bekunden, zeigt dieses nicht zur Genüge, wie versittlichend diese Schulen wirken, und welcher Werth dem Erziehungswerke der Alliance innewohnt? Und empfängt man nicht den Eindruck, dass die jüdische Bevölkerung im Orient und in Afrika vortreffliche Elemente besitzt, ungeahnte Ersatzquellen von Intelligenz und hohem socialen Werthe? Richten wir nur für einen Moment unseren Blick auf die durch unsere Schule gegangenen und nunmehr in das Mannesalter getretenen jungen Leute, um ihr Thun und Trachten zu beleuchten. — Da fesselt zunächst unsere Aufmerksamkeit der Bericht des „Vereines der ehemaligen Zöglinge der Alliance- Schule zu Tanger“. Dieser Verein wurde im Jahre 1893 gegründet, und der in Rede stehende Bericht, aus welchem wir hier, wie interessaut er auch ist, doch nur wenige Zeilen citiren können, giebt Rechenschaft über das Gebühren dieser jungen Gesellschaft. Da heisst es: „Wir kommen nun auf die Hauptleistung unserer Thätigkeit, die heute zum Abschlüsse gebracht wurde, und zwar auf die Errichtung eines Weissnäherei-Ateliers für Mädchen. Der Ausschuss hat sich vielfach mit dem Schicksale der zahlreichen Mädchen befasst, welche bald nach ihrem Austritte aus der Schule einen Broderwerb zu suchen genöthigt sind. Wie bereits oben angedeutet, verdient dieser Theil unserer Jagend die größtmöglichste Fürsorge unseres Vereins. Da wir uns die sittliche Sanirung und die geistige Regenerirung zur Aufgabe gemacht, so dürfen wir nicht übersehen, dass die Stellung der Frau einen der wichtigsten Factoren in der dem Fortschritte zusteuernden Bewegung unserer Gesellschaft bildet. Alles, was die Verbesserung ihrer Lage und die Verminderung ihrer Noth anbahnt, beseitigt gleichzeitig die Ursachen ihrer Schwäche, und bereitet ein gesundes und kräftiges Leben vor. Von der Richtigkeit dieser Anschauung durchdrungen und in diesem Sinne handelnd, trachtete der Ausschuss, dieser weiblichen Jugend das untrüglichste Werkzeug zur Erlangung ihrer Selbstständigkeit und zur Wahrung ihrer Würde in die Hand zu legen; er führt sie dem Handwerk zu. Der Ausschuss wird bemüht sein, diese Wohlthat einer größtmöglichen Zahl von armen jungen Mädchen zutheil werden zu lassen.“ So sprechen, so bemühen sich zu wirken junge Leute im Alter von 17 bis 25 Jahren. Sie bilden nun ihrerseits gleichsam eine junge Alliance, angeregt durch das Beispiel der Matter, in deren Fussstapfen sie rüstig vorwärts schreitet, in d^ren Solidaritäts-Idee sie nach bestem Streben zu propagiren bestrebt ist. Und nun zu dem Berichte der Generalversammlung des Vereines ehemaliger Zöglinge der Alliance-Schule zu Smyrna. Die Statuten lauten: Artikel 1 Es hat sich zu Smyrna eine Gesellschaft unter dem Titel: „Verein ehemaliger Zöglinge der Schulen der Alliance zu Smyrna“ gebildet. Artikel 2 Zweck der Gesellschaft: a) Freundschaftliche und solidarische Beziehungen unter den ehemaligen Zöglingen der Schulen der Alliance herbeizuführen und zu erhalten. b) Beschäftigungslosen activen Mitgliedern der Gesellschaft Arbeit zu vermitteln. c) Die bedürftigen Frequentanten der oberen und letzten Klassen der Alliance-Schulen während der Studienzeit zu erhalten. d) Eine Abend- und Sonntagsschule, sowie Konferenzen für solche junge Leute zu organisiren, welche die Schule vor Absolvirung ihrer Stadien verlassen haben. Schon beim flüchtigen Durchlesen des Berichtes findet man, dass der Verein seinem Programme durchwegs nachgekommen ist. Eine Reihe von jungen Leuten wurde durch den Verein theils unterstützt, theils untergebracht. Es wurden Abendkurse organisirt, Gesellschaftsziikel gebildet, in (tönen interessante und erhebende Themata behandelt werden, als da sind: Die jüdische Frau. — Was soll man von den den Juden zugeschriebenen Fehlern halten? — Die Rolle der Frau in der Haushaltung. — Der Vegetarianismus. — Die mikrobischen Krankheiten u. s. w. Bescheidener, aber vielleicht um so rührender, lautet der Bericht des Vereines „Bonne VolentL“, welcher von den ehemaligen Zöglingen der Alliance-Schule zu Haskeny und Konstantinopel gegründet wurde. (Fortsetzung folgt.) Druck der Joh. Wirth’schen Hofbuchdruckerei Actien-Geselischaft, Mainz.