Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 76-77 (26.9.1901)
- Date
- 1901-09-26
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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Bericht des Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina für das Jahr 1899. (Verwaltungssitz: Frankfurt a. Main.) Seit unserem letzten Jahresberichte haben wir eine erfreuliche Zunahme in der Zahl unserer Mitglieder und Freunde zu verzeichnen, dank den Bemühungen des Lehrers an der Laemel- Schule, Herrn David Yellin, der seinen Aufenthalt in Europa vom Herbste 1900 bis zum Frühjahre 1901 mit gutem Erfolge im Interesse unserer Anstalten benutzte. Seinen Bemühungen ist es mit zu verdanken, dass die Jewish Colonization Assoeation zu Paris uns 50,000 Fr cs. zum Bau eines Sckulhanses zur Verfügung gestellt hat. Die genannte Gesellschaft, die so überaus segensreich wirkt, hat durch obigen Beschluss auf’s Neue unseren Glaubensgenossen im heiligen Lande eine unschätzbare Qaelle des Segens eröfinet. Indem wir nunmehr za einem Berichte über unsere Thätigkeit in Jerusalem übergehen, so hat sich die Zahl der Zöglinge des Waisenhauses auf gleicher Höhe gehalten. Von den seitherigen Zöglingen ist Chaim Amdurski im November vorigen Jahres in „Mikweh Jisrael“ aufgenommen worden. Der Bildhauergehülfe S a r f a ti wurde zur Heilung einer Ohrenkrankheit nach Wien geschickt. Salvator Todesco verliess die Anstalt im Dezember, da sein Vater Beschäftigung in Beyruth fand und den Knaben zu sich nahm. Abraham Baum wanderte im Januar ds. Jahres mit seiner Matter nach Australien aus. Der Tischlergehilfe Morenu Behar ist am 22. April ausgetreten, da er sich ernähren kann; er arbeitet in der Werkstatt der Alliance, woselbst er das Handwerk erlernt hat. Daselbst erlernt auch Ascher Landmann das Weberhandwerk. Leon Scheffer ist nach dem Pessachfeste bei einem Kupferschmiede in die Lehre getreten, Isaac Sasson bei einem Wagner, Rachamim Misrachi bei einem Schmied und Moses Markowsky bei einem Buchbinder. Chaim Chattem und Chaim T a g g e r besuchen die Werkstätte der A11 i a n c e. Von unseren füheren Waisen Zöglingen verdient Rabbinowitsch, der mit Werkzeug und Hobelbank unterstützt wurde, bereits als selbstständiger Tischlermeister seinen Lebensunterhalt, während Chaim Amdursky sich in „Mikweh Jisrael“ als tüchtiger Schüler grosser Beliebtheit erfreut. Obgleich der Gesundheitszustand Jerusalems im vorigen Sommer sehr ungünstig war, so blieben doch unsere Zöglinge fast ganz von Krankheiten verschont. Gegen die grassireuden Blattern wurden sie durch Impfung geschützt. Am 28. Juni verstarb der österr. ungar. Konsul, Herr Sehaffrath, ein warmer Freund und Gönner unserer Anstalten, an einem Herzschlag, während er ein Stebad in Jaffa nahm. Wir werden dem treuen Freunde ein ehrendes Andenken bewahren. An seine Stelle trat Herr P ogacar, der uns gleichfalls warme Sympathie bezeigt, und am 2l. Mai dem Waisenhause einen Besuch abstattete. Auch der seitherige deutsche Konsul, Herr Dr. Rosen, verliess Jerusalem, da er als Vortragender Rath in das Ministerium des Auswärtigen berufen wurde. Am 23. November besuchte er zum Abschied das Waisenhaus, und -versicherte dasselbe seines andauernden Interesses auch für die Zukunft Die Anerkennung und die Theilnahme, die wir bei Herrn Dr. Rosen fanden, wird uns in gleichem Masse von dem neuen Konsul, Herrn Dr. Edmund Schmidt, zu Theii Dieser beschenkte am Geburtstage des deutschen Kaisers (27. Januar) die Zöglinge des Waisenhauses mit Orangen, was den Kindern eine grosse Freude bereitete, und besichtigte das Haus am 11. Mai. An der Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Sultans betheiligte sich das Waisenhaus, gleich allen deutschen Anstalten Jerusalems, durch Aufsteckung von Fahnen. Unsere Absicht, die Erziehung von Waisenmädchen in den Kreis unserer Thätigkeit zu ziehen, konnte bis jetzt nicht verwirklicht werden; doch hoffen wir zuversichtlich, bald damit beginnen zu können und im nächsten Jahre bereits darüber zu berichten. Im Bezug auf dieLaemel-Schule schreibt uns Herr Director Cohn: „Das Schuljahr schloss am 25. März mit 129 Schülern Der Jahresprüfung, welche am 21. März stattfand, wohnten vom Beginn bis zum Schlüsse, während nahezu drei Stunden, ausser dem k. u. k. österr. ungar. Konsul, Herrn Pogacar, auch der kaiserl. deutsche Konsul, Herr Dr. Schmidt, nebst Frau Gemahlin bei. Der deutsche Kanzler-Dragoman, Herr Dr. Hesse, konnte erst zur Prüfung der oberen Klassen erscheinen. Die Prüfung erstreckte sich auf Anschauung (in hebräischer und deutscher Sprache) und