Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 76-77 (26.9.1901)
- Date
- 1901-09-26
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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MMWM»«WWW8WW«W!MMWWWWWM>MWMWWW^WBWW?WWWWWWW 1683 Ittilevkaflav. C^-X^ y\ Don Victor Gonulicki. plus iX'in polnische»! ) .Bis nach Jablonne ging alles vorzüglich. Die Sonne schien hell: die Pferde liefen einen guten Trab, die Reifenden, welche sich in dem engen Raum zusammendrängen, theilten einander von ihrer Wärme mit.- Rur zuweilen schüttelte sich Einer, zog den Pelz enger und brummte durch die Zähne: „Ist das aber ein Hunde- .... ein Teufelsfrost Alle, nur mit Ausnahme von mir, rauchten; die meisten thaten öfters Züge aus allerhand verschiedengeformten Flaschen. Man war bei bestem Humor, erzählte Anekdoten und lachte. Die Unterhaltung führte großentheils ein Jüngling mit Knebel- und großem Schnurrbart, dessen Spitzen, dank der reichlich verwendeten ungarischen Pomade, die schöne Form von Mäuseschwänzchen besaßen. Der Jüngling war ungewöhnlich gekleidet. Er hatte einen riesigen Schafspelz an, große glanzrothe Stiesel an den Füßen und einen leichten grauen Hut auf dem Kopse. Seine soziale Stellung war für Niemanden ein Geheimniß. Kaum war es ihm gelungen, sich zwischen den röthlich-violetten Pächter und die apselsinengelbe Pfarrerhaushälterin hineinzudrücken, stellte er sich der ganzen Gesellschaft als Pharmazeut vor. Ich weiß nicht warum, aber bei einer jeden seiner Erzählungen wandte er sich zu »nir, und indem er schalkhaft mit dem Auge blinzelte, sagte er: „Nicht wahr, Herr Kollege?" Ich nickte schweigend mit dem Kopfe, ein wenig stolz und ein wenig verwirrt darüber, daß diese ausgezeichnete Persönlichkeit mich kollegial behandelte. Ich war fiinfzehn Jahre alt, befand mich also in jenem Alter, da man selber nicht genau weiß, zu was man sich gesellen solle, und zu »velcher Kategorie man gehöre. Erst seit einem halben Jahre besuchte ich die höhere Schule in Warschau, und es war just zum ersten Male, daß ich aus die Feiertage nach Hause reiste. Der Gedanke. daß ich nach wenigen Stunden »nein Vaterhaus, meine Vaterstadt und die Meinigen erblicken tverde, verursachte mir ein förmliches Fieber, »värmte und durchglühte mul), was im Grunde mein einziger Schutz gegen die grimmige Kälte war, da mein Gymnasiummantel, das leichte Wolltuch um den Hals und die Gummischuhe ziemlich »oirkungslos dagegen waren. Hätte ich Geduld gehabt, noch vierundzwanzig Stunden zu warten, ich wäre in einem bequemen Wagen, eingehüllt in einen prächtigen Pelz, nach Hause gereist. Aber wer kann in diesen» Alter ein Vergnügen, von den» er ein ganzes Vierteljahr trän »nt, vierundzwanzig Stunden hinausschieben. Ich fand mich also um einen Tag früher, anstatt auf der Poststation, irn Hof des Gasthauses „Zum Hirschen" ein, :vo die Hauptstation von allerhand Omnibuswagen, gedeckten und offenen, war, »velche ausschließlich von Juden betrieben, der Bahn und der Post erfolgreiche Konkurrenz machten. Der Wagen, mit dem ich mich in meine Vaterstadt begeben sollte, »var ein großer, offener, schüttelnder Kasten, mit Passagieren und Gepäck überladen. Der Kutscher hieß Joßel. . Ich gestehe, daß es mich große Ueberwindung kostete, mit Joßel zu verhandeln, einen schmierigen Kasten zu besteigen und auf eine solche gelvöhnliche Weise nach Hause zu reisen. Das widersprach gaiiz meinen Neigungen. Und meine Neigungen waren zu jener Zeit sehr verfeinert. Ich machte damals die Epoche der „Aesthetik" durch, liebte die schönen Foruren, das vornehme Acußece und allerhand die Seele angenehm bewegende Eindrücke. Welch' eine Qual mußte es für einen solchen ästhetischen Jüngling bilden, mit diesem Joßel zu verkehren, der von der Ferne schon nach Pserdeschweiß roch. Ich »nuß gestehen, daß mir darnals die jüdische Masse in der Seele zuwider war. Da mein Weg zur Schule durch die Judengasse führte, so stand ich absichtlich früher auf, »nachte einen großen Umweg, um nur der jüdischen Armuth auszuweichen. Wir hatten die Strecke von drei Meilen von Warschau nach Jablonne unversehrt zurückgelegt. Der Frost biß und nagte, aber von der zusa»n»nengedrängten Masse der Körper und Pelze strömte eine Wärme aus, »velche die Strenge der Kälte milderte. Dazu kam, daß wir den Wind im Rücken hatten. Am schli»n»nsten setzte mir das Gepäck zu, das bei jeder holperigen Stelle der Straße wider meinen Rücken stieß. Aber die Rast in Jablonne söhnte mich theillveise mit dein Schicksal aus. Eine Stunde lang saß ich in der warinen Stube des Gasthauses, hatte das Gepäck nicht »»»ehr im Rücken und vor »nir nicht Joßels zerzausten Kopf, noch seinen fettigen, zerrissenen Kaftan.