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Der Israelit · 1901-09-26 · Heft 76-77 (26.9.1901) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 76-77 (26.9.1901)
Date
1901-09-26
Page
– (sequence 28)
Language
German
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1682 um zu beweisen, mit welcher Rohheit jedes Streben noch Bildung und Aufklärung, das sich in den Kreisen der russisch-jüdischen Jugend breit macht, niedergedrückt zu werden versucht. Die verkehrte Wirthschastspolitik, die Eyon, ein früherer Mitarbeiter Wittes, in sehr scharfen uub energischen Worten gegeißelt hat, bringt es mit sich, daß fast jedes Jahr in mehreren Provinzen eine furcht bare Hungersnoth ausbricht. Im letzten Jahre waren eS unsere unglücklichen Brüder Südrußlands, die von einer schrecklichen Hungersnoth heimgesucht wurden. Alle diese Gränelihaten, über die sich jedes menschliche Gewissen empören muß, scheinen jetzt mehrere französische Inden vergessen zu haben. Aus Angst, man könnte ihre Vaterlandsliebe bezweifeln, scheuen sich manche unter ihnen nicht, der von Chauvinismus verblendeten Volksmenge gleich, ihre Begeisterung für Rußland und die gegenwärtige russische Regierung auszudrücken. Und die Leiden Eurer russischen Brüder?, und die Seufzer Eurer russischen Schwestern?, und die Qualen all' der Männer und Frauen, die an den Ufern der Wolga schmachten? Dachtet Ihr an diese Gränelthaten auch in den Augenblicken, als ihr,.vive le czar. vivo. h\ Uussnj!-‘ riefet? Denke ich an all das Elend und die furchtbaren Grausamkeiten, die im großen Czarenreiche herrschen, höre ich immer Dhränen rinnen. Und ich weiß wirklich nicht, sind cs die Dhränen meiner unglücklichen russischen Brüder und Schwestern, oder „Sind es meine eig'nen Thränen, Dich ich leise rinnen hör'." Pi. Italien. <5asate. Einem vom hiesigen Rabbiner S e r r i herausgegebenen Kalender entnehmen wir die nachfolgend abgedruckten Zahlen der in allen Hauptstädten Europas lebenden jüdischen Einlvohner. Daraus ist zu ersehen, daß in den betreffenden fünfzehn Städten mit rund fünfzehn Millionen Seelen etwa 720,000 Juden, also 49/r, pCt. Juden, wohnen, und zwar zählen London, Wien, Pest je über 100,000; ebenso leben in Amsterdam, Paris und Berlin mehr als je 50,000. Dann folgt Konstantinopel, das auf etlva 900,000 Einwohner ungefähr 40,000 Israeliten zählt, während Bukarest ihrer nur 9600, Rom 7600 und Kopenhagen 6500 zählt. Weniger als 6000 Juden lveisen nur fünf Großstädte, darunter aber merkwürdigerlveise auch die Hauptstadt desjenigen Reiches auf, das fast die Hälfte aller Juden der ganzen Welt beherbergt. Petersburg zählt nämlich gegenwärtig unter seinen 1,036,000 Einlvohnern nur 2800 Juden und rangirt darin gleich hinter Brüssel, Madrid und Lissabon, lvelche nur 2000, 600 resp. 250 Inden aufweisen können. Auch Athen, die Hauptstadt Griechenlands, besitzt nur 300 Juden. Absolut und relativ die größte Judenzahl weist Budapest auf, welches unter seinen 492,000 Einwohnern nicht weniger als 166,000 Juden, gleich 33.9 pCt. zählt. Gleich hinter Budapest rangirt Wien mit 10.3 pCt. oder 14‘>,(H)0 Inden. Richt weit hinter Wien marschirt London mit 120, ooo Inden, lvelche aber nur 2.7 pEt. der Bevölkerung ausmachen. Relativ größer, wenn auch absolut geringer ist die Zahl der Juden in Paris, wo sie mit ihren 75,000 Personen beinahe 6 pEt. und in Berlin, >vo ihre 63,000 Seelen gar 5 pCt. der Bevölkerung bilden. Stark sind die Juden auch in Amsterdam vertreten, wo sie mit 56,000 Seelen 12.3 pEt. der Bevölkerung ausmachen. Zu hoch ist die Zahl der Juden in Berlin angegeben, da das statistische Jahrbuch des Deutschen Reiches ihre Zahl für das Jahr I960 nicht mit 68,000, sondern mit 79,000 bewerthet, Dagegen fehlt in dieser Statistik die Hauptstadt des ehemaligen Königsreichs Polen, Warschau, das ans 600,000 Einwohner rund 200,000 Inden zählt. Warschau ist nach Rewyork die größte jüdische Gemeinde ans Erden und die absolut größte in Europa. Palästina. Jerusalem. Raniens der jüdischen Gemeinde der heiligen Stadt sei dem Direktor der Doresch Zion- Blnmenthal Schule, Herrn Rabbiner Josef Ehaim Qplatka Prager, Sohn des rühmlichst bekannten Rabbiners Jsaae Prager, für die aufopfernde Thätig keit im Interesse dieser frommen Anstalt, sowie für sein Bestreben zur Linderung des allgemeinen Roihstandes offentiicO Dank ausgesprochen. Wiewohl das Eintommen der erwähnten Anstalt leider jetzt gerade sehr kärglich, ist Herr Rabbiner Prager dennoch bestrebt, auch von diesen geringen Einkunft fen einen Theil, wie dies früher eingeführt, an würdige verschämte Arme, Witiwen und Waisen zu vertheilen. Daniil unsere edlen Mitbruder, welche für diese heilige An stall spenden, die hervorragenden Leistungen derleiium erfahren, möge die Uebersetzung des seitens der hoben Regierung bei der letzten Inspizierung in dem allfgeiegten Gedenkbuche eingetragenen Zeugnisses hier folgen: „Bei der heutigen Inspizierung der Doresch Zion- Sehule '.vaien ivir von den Leistungen derselben höchst befriedigt und sprechen den Herren Lehrern, insbesondere aber demjenigen, der den türkischen Unterricht leitet, sowie dem Direktor Herrn I. Ch. Prager wärmsten Dank ans, und lvollen nur wünschen, daß der türkische Sprachunterricht in der erwähnten Schule er- ' weitert werde. Ierusake in . 22. Aug. 1317. (21. Elul 5661.) gez. F u a d B e y , Sekretär Sr. Ex. des Gouverneurs. Hassaur Aldin H u s s i n i, Schul-Jnspektor. Möchten edle Gönner Herrn Rabbiner Prager in seinen frommen Werken unterstützen, damit er auch die größtentheils aus Armen und Waisenknaben bestehenden Zöglingen znm beginnenden Winter mit warmen Kleidern versehen kann, und der Baker der Waisen lohne es mit einem gesegneten, glücklichen neuen Jahr.

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