Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 76-77 (26.9.1901)
- Date
- 1901-09-26
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1674 Der Synagogenrath bestritt dieses Recht und beugte einer weiteren Benutzung des Plcrtzes dadurch vor, daß er am Nachmittag desselben Tages: -— man höre und staune! — am ersten Tage Nosch Haschono und Sabbat, einen Schreiner in das Gotteshaus bestellte und den fraglichen Platz durch Bretter vernageln ließ. Kommentar iiberflüffig! Nürnberg, 17. Sepl. Justizrath Gustav Jose p h t h a l, Kgl. Geh. Hofrath, der langjährige erste Vorstand unserer Gemeinde, feierte am 8. d. M. seinen 70. Geburtstag. Von der Beliebtheit und hohen Verehrung, deren sich der Jubilar in Stadt und Land und weit über deren Grenzen hinaus erfreut, legte dieser Tag beredtes Zeugniß ab. Freunde und Bekannte, Private und Korporationen, wetteiferten vom frühen Morgen an, um ihm ihre Glückwünsche darzubringen. Post und Telegraph sandten Hunderte von Gratulationen in's festlich geschmückte Haus. Die Mitglieder oer Kultusverwaltung waren vollzählig erschienen und brachten ihre Glückwünsche durch den Mund des ziveiten Vorstandes, Herrn Martin Fechheimer, in warmen Worten zum Ausdruck. Als Festgabe überreichten sie eine Adresse, die, von dem Direktor des Gewerbeinuseums mit seltenem Geschmack ausgeführt, in einem Schreine ruht, den Franz Stuck's Künstlerhand mit dem Bildniß des Moses geziert. Nach einer Ansprache, die der geistliche Vertreter der Gemeinde, Rabbiner Dr. 3 iemlich , im Namen der Gemeinde und ihrer Beamten, im Namen der Konferenz der bayerischen Rabbiner und nicht zuletzt als Freund des Hauses gehalten, kam eine Reihe von Adressen, welche angesehene jüdische Vereinigungen ihrem allezeit thätigen und rührigen Mitgliede gewidmet, zur Verlesung: vom „Deutsch- Israelit. Gemeindebund, vom „Gentralberein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" — beide Gesellschaften machten den Jubilar zu ihrem Ehrenmitgliede —- vom „Bayerischen Landesverein," von der ..Treten Konferenz bayerischer Rabbiner," von der „Alliance isr. universelle" etc. Sämmtliche jüdischen Vereine gratulirter. durch ihre Vertreter, die Anwaltskammer, deren Vorsitzender Geheimrath Tosephthal ist. war durch eine Abordnung von vier Mitaliederen vertreten, die städtischen Kollegien hatten schriftliche Glückwünsche gesandt, kurz Alles wetteiferte, den verdienten Mann zu ehren und zu feiern. Bewundernswertst war die Frische und Kraft, mit welcher der Jubilar diesem Sturm von Glückwünschen, Ansprachen, Vorlesungen u. s. w. Stand hielt, noch bewundertzswerther die Lebhaftigkeit und Unermüdlichkeit, mit welcher er zu wiederholten Malen das Wori ergriff, um Allen zu danken, die ihn zu ehren gekommen waren. Ans dem Grofrherzoqthum Oldenburg. Zum ersten Male traf mich das Geschick, daß ich einen Rosch Haschonob in Norddeutschland verleben mußte, denn ein unglücklicher Zufall ließ mich auf der Rückreise von Norderney in der Residenzstadt Oldenburg hängen. Ich fügte mich wohl oder übel in meine Lage, habe aber manche Einrichtungen hier kennen gelernt, die ich der Oeffentlichleit nicht vorenthalten möchte und vielen Ge meinden zur Nachahmung empfehle. Am Eres Rosch Haschonoh wollte ich nur eine Karte lösen für einen Synagogenplatz, da wurde mir vom Vorstande geantlvortet: „Bei uns hat jeder Fremde freien Zutritt zum Gotteshause, wie einst im Tempel Salomos, die B e s r i e d i g u ng der religiösen Bedürfnisse darf den Israeliten in heutiger Zeit nicht erschwert, sondern sie muß ihnen erleichtert werden." „Ja," erwiederte ich, „zahlen denn Ihre Gemeindemitglieder nicht ihre Plätze?" „Nein," war die Antwort, „wir erheben so viel Gemeindesteuern, wie wir brauchen und sammeln keine Schätze, bei uns tverden die Plätze nach dem Lebensalter Jedem frei angetuiesen: die Verfassung im alten Israel war eine demokratische, im G o t t e s h a u s c sollen nicht die Reichen, die ihre Plätze thencr bezahlen können, die ersten Reihen füllen, und die A r m tn hinten st e h c n , sondern vor Gott muß Gleichheit b e r r s ch e n." So bemerkte ich denn auch in der That in dem sehr ansprechenden Gotteshause, das bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. eine strenge Durchführung dieses Prinzipes. So z. B. tverden hier keine Mizwos und Alisos verkauft, sondern es geht Alles der Reihe nach, und fährt im nächsten Jahre da fort, wo man im vorhergehenden sieben geblieben, damit jedes Gemeindemitglied an den hoben Taaen zu seinem Rechte gelange und nicht nur die Reichen alle Mizwos in Erbpacht halten. Der Gottesdienst war unisterbaft geordnet und in althergebrachter Art. Der Herr Rabbiner Dr. Ma n n h h e i m e r hielt sotvobl am Vorabend, als auch an jedem der beiden Taae eine Predigt, und ich muß offen bekennen - - obgleich ich in meiner Vaterstadt sehr verwöhnt bin daß ich nie im Leben "inen Kanzekreduer von solch' bin reißender Beredsamkeit gebärt stabe. Das waren e ch t i ü d i s ch e pstrasenlose Predigten, und unwillkürlich dachte ich au das Mort Philipps von Mazedonien au seinen SobnAlerandcr: „Mein Sostu, suche dir ein an oeres Köniareich. Mazedonien ist zu klein für dich." Auch die Estaßanim waren recht gut: ich war über die Gemeindeverbältnisse um so angenehiner enttäuscht, als ich mir eine schlechtere Vorstellung von solchen nord deutschen Plätzen gemacht hatte. Die iüdifchen Geschäfte waren bmr. soviel ich beobachten konnte, sämmtlick, geschlossen. Nur iß hier leider keine iüdische Restauration, man ist ans Privatunterkommen angewiesen. Doch der unangenehme Zwischenfall bat allmählich einer ana-- nestmeren Stimmung Platz gemacht, und ich veröfspn^ lickie meine Erlebnisse —- da ich selbst Vorsteher in einer süddeutschen Gemeinde bin. und hier Einrichtungen Versand, die ich sebr zur Rachabmnng empfehle. St.