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Der Israelit · 1901-09-26 · Heft 76-77 (26.9.1901) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 76-77 (26.9.1901)
Date
1901-09-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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4L. Jahrgang. Zweite Weil, zu M 76 & 77 des „Israelit". Leitender Artikel. Ein Geschenk für den Sabbat. nas» rew 1t:; n'zz 'b L" nsic rvsia n&sb rrzpn *m c.t.s y’T,m ~b bx'.v'b n:nb vpzo <Bcza i<Ja). In der Thai! Ein Geschenk von unschätzbarem Werthe ist der Sabbat uns Juden, ein Tag heiligen Friedens und innerer Sammlung, zugleich der Freude und Seligkeit. Wenn finsteres Gewölk den Himmel Israels bedeckt, wenn der Jude unter Verfolgungen und Mißhandlungen, unter Haß und Hohn draußen auf dem Markte des Verkehrs sein entbehrungsvolles, entsagungsreiches Dasein fristet, wenn er, mit anderen Worten, an den Werktagen unter der drückenden Last der -rnx dahinteucht, was gibt es Erhebenderes, TröstendereS, Ermuthigenderes für ihn, als fein Sabbats Da schüttelt der große Dulder Israel sein ganzes Elend von sich; vergessen sind all die Leiden, die er während der Woche erduldete, versiegt der Quell der T brauen, die er weinte, verhallt die Seufzer, die sich seiner wehen Brust entrangen. Der Sabbat ist da! Heilige Weihe durchschauert sein Inneres, seine Seele erhebt sich im Adlerschwunge zu den ätherischen Höhen überirdischer Seligkeit, der trauliche Glanz geheiligter Sabbatlichter durchflilthet wie mit Sphärenstrahlen sein Erdenwallen, und im Kreise seiner Familie sitzt er, erfüllt von den wogenden Gefühlen hehrer Wonnen und loeihevoller Andacht und singt seine Smiroth, seine festlichen Sabbatlieder. In diesen Smiroth weht die ganze Fülle seiner Stimmungen, der Hauch seines seufzenden und hoffenden Geistes, der Obern seiner gläubigen Phantasie, sie sind der packende Ausdruck der innersten Volksseele des gesummten Juda. Wenn der Jude ain Sabbat an feierlich gedeckter Tafel seine Siuiroth singt, verbannt sind sodann seine Sorgen, vergessen alle bangen Gedanken um Erlverb und Nahrung. Der Gesang der S m i r v t h erhebt i f) n i n eine höhere, andere Welt. Die Smiroth, verfaßt von den größten Denkern und D'chckrn unseres Volkes, sind ein von Geschlecht zu Gi schlecht sich vererbendes Gut, von fast ebenso köstlichem Werthe, wie der Tag. dem sie geweiht sind. Dieses unser Erbe in seiner ursprünglichen Kraft und Bedeutung zu erhalten, seine inneren Schätze tu wissenschaftlichen Forschungen zu ergraben und in poetischer Verklärung der Volksempfindung näher zu führen, ist ein den Lohn in sich selbst tragendes Verdienst von unvergänglichein Wertste. Diese harmonische Doppelkraft eines Gelehrten und eines Dichters heischende Aufgabe ist in geradezu glanzvoller Weise von dem neben seiner Amtsthätigkeit, die allein wohl die volle Kraft eines Mannes fordert, auch litterarisch wohlbekannten Dr. H i r s ch f e l d , Großh. Provinzialrabbiner zu Gießen, gelöst. Durch Zufall hatten wir Gelegenheit, in die Aushängebogen dieser Arbeit nähere Einsicht zu gewinnen. Aus fast jedem Steine dieses jüdisch-litterarischen Bauwerkes, welches ein in der Majestät des künstlerischen Ausdrucks sowie dem Adel klassischen Stiles vollendetes, in allen seinen Theilen und Stücken zusammenstimmendes, volltönendes, fertiges Ganzes darstellt, wehte uns unwillkürlich die Empfindung an, daß hier nur tiefe Frömmigkeit, heilige Begeisterung, das Streben nach Hineintragung sabbatlicher Festesstimmung in das Gemüth weiterer Kreise den Autor zu dieser seiner Arbeit gespornt und seine Feder zu schwungvoller Poesie beflügelt hat. Zunächst hat der Autor es sich angelegen sein lassen, den im Laufe der Jahrhunderte durch Unkennt- Ulß der Herausgeber wie Setzer bis vielfach zur Unkenntlichkeit entstellten Text der Smiroth selbst in sprachlicher wie in metrischer Hinsicht richtig zu stellen. Wer die Smiroth in ihrer bisher erhaltenen textlichen Gestalt kennt und nun in diese Arbeit des ehrwürdigen Rabbiners Dr. Hirschseld nähere Einsicht nimmt, gelangt bald unwillkürlich zur Ueberzeugung, daß hier die Frucht mühevollsten Gelehrtenfleißes und ausgedehntester Kenntnisse vorliegt. Dabei ist jeder n-7, Zeile für Zeile, ja Wort für Wort von reichen und tiefen Anmerkungen, welche geradezu eine Fundgrube von Wissen darstellen, begleitet. Was hierbei wohlthuend in's Auge fällt und mit Staunen und Verwunderung erfüllt, ist das außerordentlich weitgehende map:: des Autors auf allen Gebieten der vielfach verzweigten jüdischen Litteratur, besonders in den beiden Talmuden und den vielen Midraschim. Die Peitanim liebten es, wie bekannt, ihre Gesänge vielfach auf entlegenste Midraschstellen zu ba fiieit. All diese ferner tiegenben Midraschim, wie .snp'DS ,riw -irrt? ,tp~x ”Z"i sju , i7yLa *p**E Nnb'sz, u. s. w., als Quellen für zahlreiche Stellei/ in den Smiroth herbeizuholen, diese Aufgabe konnte nur d e r glücklich lösen, der, wie Rabbiner Dr. Hirschfeld. ein umfassendes Wißen in der midraschischen Litteratur besitzt. Nun zum Kernpunkte, zum Hauptreize der ganzen Arbeit. Das ist die metrische, dichterisch-schwungerhabene, sluggewaltige Uebertragung aller Smiroth in's Deutsche. Hier liegen keine Um dichtungen gewöhnlicher Art vor. Das sind geradezu ureigenste, selbstständige Neuschöpfungen für sich, ge-

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