Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 76-77 (26.9.1901)
- Date
- 1901-09-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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43» Jahrgang. KrsteMl. }ii Jß 76 & 77 des „Israelit." Leitender Artikel Siikkoh unt) Liilsi» uni) ihre zuWigk Auf-udc von Rabbiner Dr. M. L. Bamberger-Schildberg. Die weltgeschichtliche Bedeutung des Sukkothfestes sucht ein tiefsinniger Midrasch zum Ausdruck zu bringen: w mxb pS xbx xa rwon "j^d px xr:n nt zb'ib'i na*D w«d. „Rabbi Chanina lehrte, der Meffias komme nur, um den nichtjüdischen Völkern zwei Gebote zu bringen, das Gebot der Festhütte und des Feststraußes." Wenn schon unsere Festtage im Allgemeinen der Gesammtmenschheit zum Segen und zum Heile gereichen sollten, so gilt dies in ganz erhöhtem Maße vom Sukkothfeste. An diesem Feste wurden von Israel, solange sein Gotteshaus zu Jerusalem noch bestand, siebzig Opfer dargebracht, nach Anzahl der siebzig Nationen, von denen die Gesammtbevölkerung der Welt abstammt. atpwv xb a*ija\ Israel stellt sich nämlich mit den andern Völkern nicht auf eine Stufe, sollte sich nicht auf eine Stufe mit ihnen begeben! Wenn jene es auch verfolgten und unterdrückten, wenn jene auch nur d a - rüber nachdachten und nachsannen, wie sie Israel Böses zufügen konnten, Israel blieb treu dem Grundsätze, dem sein Gott ihm aufgestellt, betrachtete und behandelte alle Menschen als Brüder, betete für deren Wohl und Heil, betete, daß sie allesammt zur reinen Wahrheit und reinen Menschenliebe geführt werden ■payb ba vnx^ „daß Alle kommen mögen, Gott anzubeten" “pay5? eatr 'a'i „daß Alle in Eintracht und Einmüthigkeit die Schulter neigen, Ihm zu dienen." Israel wußte wohl und es weiß es noch heute, was das Ziel der Menschenaufgabe ist, daß reiner Gottesglaube und wahre Menschenliebe die Schätze sind, um deren die Gesammtmenschheit sich zu bemühen hat. Unser Sukkothfest mit seiner bescheidenen Festhütte, mit seinem herrlichem Feststrauße, hat ganz besonders zur Verwirklichung dieser Ideale beizutragen. Sukkoh, die einfache Festhütte mit ihrem leichten Laubdach, durch das der Sterne Schimmer dringet, hinweisend zu demjenigen, der allein Schutz und Schirm gewährt und gewähren kann oite ros dito xm irto, ist das freie Geständniß, daß wir es erkennen und anerkennen, daß es nur einen Gott gibt, der die Welt lenket und leitet, der die Menschen beherrschet und ihre Geschicke bestimmt; ist das freie Geständniß, daß es nur einen Gott gibt, der gebietet und verbleiet, daß es auch nur einen einzigen Willen gibt, der unbedingt beachtet werden muß. Diese Wahrheit, die alljährlich von Neuem durch unsere Festhütte offenbart wird, ist zur Zeit noch immer das ausschließliche Eigenthum unseres Volkes. Doch nicht immer soll und wird es so sein, die Gesammtmenschheit wird der göttlichen Wahrheit in ihrer Reinheit sich anschließen, wenn Moschiach erscheinet und allen Völkern der Welt gebietet, zu feiern das Fest der Hütte .-«iw hd 'hyi DHn bav mn ba rrm man :n nx ffixast rr nrnnrn1’, „an jenem Tage, an dem alle von den Völkern Zurückgebliebenen hinaufziehen nach Jerusalem, um dort alljährlich vor dem Herrn Zebaoth sich niederzuwerfen und das Sukkothfest zu feiern. Ist diese Wahrheit erst von aller Welt erkannt, haben alle Völker sich entschlossen, das Sukkothfest zu feiern, es anzuerkennen und einzuräumen irby diSp raiD dito xini, daß es nur einen Gott gibt, nur einen Hort des Friedens und der Wahrheit, dann sind sie auch geeignet, vom Moschiach das zweite Gebot zu erhalten aW> ms» das Gebot des Feststraußes. n:x *pjr bW? lehren unsere Alten, die Pflanzarten unseres Feststraußes sollen durch ein Band vereinigt werden, damit andeutend nnx rrr:x tfra w, daß alle Angehörigen unseres Volkes sich als zusammengehörig betrachten! Alle Israeliten, welchen Beruf oder welchen religiösen Standpunkt sie auch immer einnehmen mögen, sind von uns als Brüder zu betrachten, ihre Roth und ihre Leiden müssen wir zu den unfern machen und ihre Freude, ihr Jubel sei auch die unsere, eine Sünde von ihnen begangen, sei auch uns schmerzlich und eine Mizwoh von ihnen erfüllt, wirke auch zu unserer Erhebung und Erbauung! Das jüdische Herz, ras jüdische Gefühl bleibt jedoch nicht hierbei stehen, es freut sich über das Gute, wo es anzutreffen, Sünde und Laster sind ihm schmerzhaft, wo auch immer sie ihm begegnen und für das Leid und die Freude seiner Mitmenschen fühlt es, wo auch immer Leid oder Freud sich ihm zeigt rinx sttok otoa «wn n» -jHjt aW> Das ist das Band des Lulow. welches alle Menschen mit uns durch ein Band vereinigt, welches ein gemeinschaftliches Band um uns und alle Welt schlinget! Israel wußte dies von jeher und handelte stets danach. Zu den andern Völkern dagegen dringet jene Erkenntniß erst dann, wenn Moschiach erschienen, wenn er das Gebot der Sukkoh ihnen aufgetragen, wenn er die Wahrheit vom einig-einzigen Gotte sie gelehrt, dann werden sie auch geeignet sein und sich bereit finden, jenes zweite Gebot des Moschiach entgegen zu nehmen nnw a^S, das Gebot des Feststraußes! Wenn sie erkannt, daß Gott der Herr es ist, der uns allesammt ge-