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Der Israelit · 1901-09-19 · Heft 74-75 (19.9.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 74-75 (19.9.1901)
Date
1901-09-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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WMWMWWMMW mm 1628 heischten. Die Wicdererstehung des sog. „Pluntbrunnens", eines s. Z. der alten Reichsstadt verloren gegangenen Kleinodes der bildenden Kunst, ist des Genannten neueste Stiftung, die er gemeinschaftlich mit seiner im Wohlthun mit ihm wetteifernden Gattin, der der Stadt Nürnberg gewidmet. Frankreich. Paris, im Sept. Dem Central-Comitee der Pariser „Alliance" wird aus Rustschuck geschrieben: Sonntag, den 9. Juni, erhielt der Vorsitzende der deutsch-israelitischen Gemeinde zu Rustschuk, Herr Dr. Stein, folgenden aus Varna datirten Brief: ,,Da ich weiß, daß Sie bei verschiedenen Gelegenheiten Kinder nöthig haben, so stelle ich zwei kleine Knaben von 9 und 10 Jahren zu Ihrer Verfügung. Ich würde Ihnen sehr verpflichtet sein, wenn Sie mir das nöthige Geld schickten, das mir gestattete, Ihnen die Kinder zu bringen, oder falls Sie es vorziehen, wollen Sie ein Gemeindemitglied hierher senden, welchem ich sie übergeben werde. Obgleich ich Vulgare bin, so können Sie doch volles Vertrauen in mich setzen; nach empfangener Belohnung verpflichte ich mich, Sie nicht zu verrathen. Wenn Sie mein Anerbieten genehmigen, so bitte ich Sie. das größte Geheimniß über diese Sache zu wahren." Gezeichnet: Jean Baffileff, Hotel Dajeta zu Varna. Herr Dr. Stein begab sich sofort nach Empfang des Briefes in Begleitung des Advokaten und Vorsitzenden des Schulkomitees zum Präfekten von Rustschuck und theilte ihm den Inhalt des Schreibens mit. Der Präfekt eröffnete eine Untersuchung, in deren Folge er die Verhaftung des Jean Vassileff verfügte. Dieser wird nächstens vor dem Gericht erscheinen. Amerika. Washington. (Ein Chinese über die I u de n.) In einem interessanten Vortrage, den der chinesische Gesandte in Washington in einer Versammlung in Atlantic City gehalten, zog derselbe eine Parallele zwischen Juden und Chinesen. Das fünfte Gebot im Decalog: „Du sollst Vater und Mutter ehren" u. s. w. entspreche ganz und gar dem chinesischen Grundgesetze des Ahnenkultus. Chinesen wie Juden würden verfolgt und wo nicht verfolgt, verachtet, nicht wegen ihrer Fehler, sondern wegen ihrer Vorzüge. Weil sie geschickt, fleißig, sparsam, zähe und geschäftstüchtig seien, darum seien andere Völker auf Chinesen wie auf Juden neidisch. „Wo ich gehe — sagte der Gesandte — höre ich, daß man gegen die Juden etwas hat. Wenn ich frage, warum man die Juden verdächtigt, dann ist die einzig vernünftige Antwort, die ich bekomme, die: daß die Juden zu klug seien. Das beweist, daß sie tüchtige Geschäftsleute sind. Für das Vorurtheil, das gegen Juden wie gegen uns existirt, sollten wir dankbar sein. Es spornt an, macht tüchtig und bewirkt, daß man gedeiht." In der Einleitung seines Vortrages sagte der Gesandte. daß die Juden bereits im dritten Jahrhundert d. g. Z. nach China gekommen seien, um dort Handel zu treiben. Im zwölften Jahrhundert hatten sie eine Synagoge in Kiungtschau, die im Jahre 1849 durch eine Ueberschwemmung zerstört lvurde. In China seien die Juden nicht verfolgt worden, auch in keiner Weise belästigt. Sie gingen ihren Geschäften nach. Einige wurden Regierungsbeamte und Offiziere. Sie waren ein Theil des Volkes und befolgten die Gesetze des Landes. Der Redner verglich Moses mit Confucius. Beide hätten den Charakter ihrer resp. der Völker gestaltet und ihnen ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Feuilleton. Nach vierhundert Iahrsn. 4t Von Friedrich Noll. „Das ist wahr," fiel die junge Dame lachend ein, „Juanita ist mir sehr ergeben, auf ihre Treue könnte ich Häuser bauen, auf ihre Einsicht nicht einmal ein Kartenhaus. Aber was mein Befinden betrifft — ich bin Ihnen, gnädige Frau und dem Herrn Doktor sehr zu Dank verpflichtet für die freundliche Fürsorge, aber ich befinde mich heute schon wieder ganz wohl, nur noch ein bischen matt — aber das ist ja ganz natürlich —" „Freilich, freilich, nach dem gestrigen unfreiwilli gen Bade —" „Und fühlt sich der Herr Doktor gar nicht angegriffen? Er hatte doch so große Roth, mich zu retten.'? Und waren Sie, gnädige Frau, nicht auch in großer Angst, während Ihr Sohn das Rettungswerk vollbrachte? Das Leben desselben war doch in großer Gefahr!" — „Das konnte ick doch nicht wissen. Und übrigens, mein Sohn ist Arzt, und zwar vielbeschäftigter Arzt, und setzt als solcher sein Leben nur allzuoft in Gefahr bei Epidemien, ansteckenden Krankheiten und dergleichen. Ich käme aus der Angst gar nicht heraus, wenn ich immer fürchten wollte —" „Das ist wahr; wenn Sie das wohl früher gewußt oder bedacht hätten, würden Sie vermuthlich nicht zugegeben haben, daß Ihr Sohn Arzt wurde?" Frau Müller zuckte die Achseln. „Das habe ich allerdings gewußt und auch bedacht, mein Vater war Arzt, mein Mann gleichfalls, er ist sogar ein Opfer seines Berufes geworden; während einer Typhus-Epidemie hat er sünsundzwanzig Nächte hintereinander an Krankenbetten verbracht — das war zuviel, selbst. für seine robuste Konstitution. Vor acht Jahren ist er uns entrissen worden —" „Und trotzdem ist Ihr Sohn Arzt geworden?!"

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