Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 72 (12.9.1901)
- Date
- 1901-09-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1584 Denn die Orthodoxie ist nicht todt, sie allein ist das Leben des Judenthums der Gegenwart. — o — (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Hürth, im Sept. In der hiesigen israelitischen Gemeinde, in der noch ein sehr intensives, jüdisches Leben pulsirt, daß dieselbe auch heute noch einecsri']? in Israel genannt werden kann, wurde am 1. Tag bibs m ein Fest gefeiert, das verdient, auch in Ihrem weitverbreiteten Blatte erwähnt zu lverden. Die hiesige rrcao nciprn mzn (Denkmalssetzungsverein) hielt an diesem Tage ihre alljährliche nmxv ab, und verband damit die 26jährige Erinnerungsfeier der Wiederaufrichtung der damals durch Verfall der Auflösung nahen min. Die Gründung derselben daiirt sich bis auf 233 Jahre zurück und soll von einem gewissen virnpT t-x txd t-hc p pms erfolgt sein. Durch sehr sinnige Toaste rrnn von mehreren Mitgliedern sowohl, wie besonders auch von dem seit diesen 25 Jahren allsabbatlich lernenden Herrn wurde dieses Ereigniß gefeiert. Genannter Herr wies besonders darauf hin, daß der Verein, der heute in dem segensreichen Zeichen der rc steht, weiter blühen und gedeihen möge. Der Zweck des Vereins besteht darin, daß sich derselbe mit der Renovirung verfallener Grabsteine berühmter Männer der Vergangenheit befaßt; derselbe betheiligt sich mit den zwei anderen hervorragenden ne"ipi dahier gemeinsam an der Ueberführung und Beerdigung Verstorbener, setzt, soweit seine Mittel reichen, armen Verstorbenen macc und interessirt sich auch für sonstige Wohlthätigkeitsbestrebungen in der hiesigen jüdischen Gemeinde. Nachdem noch in der sehr animirt verlaufenen Feier ein Mitglied ein in Form und Inhalt gleich schönes Gedicht, das die Ziele des Vereins verherrlichte, zum Vortrag gebracht, beschloß dieses Mitglied, anknüpfend an die erwähnten Worte des obengenannten Herrn, daß man auch nach weiteren 26 Jahren sagen könne -pTt nw rc wenn der Verein blüht und gedeiht, die sehr schön verlaufene Festfeier. Auch wir wünschen ein innigstes 2m r.bit ein Blühen und Gedeihen. O e st e r r e i ch. Prag, im Sevt. (H i l s n e r.) Das klerikalantisemitische Blatt „Katolicke Listy" und nach ihm andere Blätter bringen allerhand Mittheilungen über „Hilsner in der Strafanstalt," derart, als ob er daselbst im Eldorado leben würde. Das genannte Blatt sah sich aber bald darauf genöthigt, eine amtliche Berichtigung zu bringen, in der es unter Anderem lautet: „Es ist nicht wahr, daß gleich nach der Einlieferung Hilsners in die Strafanstalt ein Funktionär der iSr. Kultusgemeinde erschien und mit den leitenden Persönlichkeiten eine längere Unterredung hatte; es ist nicht wahr, daß ein solcher Besuch überhaupt vorgetommen ist, geschweige denn deren mehrere. Wahr ist, daß die Strafanstalts-Direktion keinerlei Unterredung mit irgend einem Funktionär der Prager jüdischen Gemeinde gehabt hat, und daß Hilsner von Niemandem besucht lourde. Wahr ist, daß dem Hilsner leichtere Arbeit angewiesen und daß ihm gestattet wurde, den Samstag zu feiern, allein dies geschah, ohne das Ein schreiten von irgend einer Seite, sondern nur darum, weil die körperliche Eignung des genannten Sträflings und dessen persönliche Sicherheit die Zuweisung leich terer Arbeit erfordern, und weil jedem Sträfling jüdi schen Bekenntnisses die Feier des Samstags gestattet ist. Es ist nicht wahr, daß Hilsner am Sabbat rituelle Kost erhält — er bekommt jene Kost, welche an dem genannten Tage für alle Sträflinge zubereitet wird; es ist nicht wahr, daß Hilsner Begünstigungen genießt, welche nur Häftlingen und nicht Sträflingen zu Theil werden; es ist nicht wahr, daß er von der Reinigung der Zelle befreit ist, welche Arbeit Christen machen müssen. Der Sträfling Leopold Hilsner genießt keine derartigen Erleichterungen, er ist weder von der Reinigung der Zelle, noch von anderen häuslichen Arbeiten befreit, er genießt keinerlei Vorzug, denn er wird in Allem geradeso behandelt, wie die anderen Sträflinge in der Strafanstalt Pankratz. Prag, 3. September 1901. Der amtierende Staatsanwalt-Stellvertreter Battny." Ungarn. Prcsiburg, iui Elul. Am 16. Elul, anläßlich des Jahrzeitstages und der Grabsteinsetzung des vor Jahresfrill hier verschiedenen hochwürdigen edlen Phi lantropen Rabbi Wolf s. A., der durch seine unermüdliche Wohlthätigkeit, seine unübertrefflichen Leistungen auf dem Gebiete des men r,'br-;, welcher tiefer Edle sich zu seiner speziellen Lebensaufgabe stellte, weit über die Grenzen dieses Landes rühmlichst bekannt war, brachten dessen würdige hochverehrten Kinder, die Beweise ihrer kindlichen Verehrung und Liebe in der Weise zum Ausdruck, daß dieselben zum Andenken ihres großen Vaters am erwähnten Jahrzeitstag die bedeutende hohe Summe von 44,000 Kronen zur Realisirung wohlthätiger Institutionen spendeten. Was jedoch diesem hier beispiellosen Wohlthätigkeitsakte, die Krone aufsetzt, und besondere lobenswerthe Anerkennung verdient, ist der Umstand, daß die edlen Spender ihre Legate speziell zur Förderung des Thorastudiums und zur Erhaltung echt jüdischer Wohlthätigkeits-Vereine und Liebeswerke bestimmten.