Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 71 (9.9.1901)
- Date
- 1901-09-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449215--54190-2504801- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1565 jung für diese Seite unseres Lebens immer frisch und lebendig zu erhalten. Das ist das Gedächtnis; der Teruah n>rn p-r? welches uns eindringlicher als der lauteste Posannenschall mahnt, durch Mißachtung dieser van Gatt gezogenen Grenzen und ihres symbolischen Ausdrucks nicht an der Schtvelle des Jahres schon den Segen zu verscheuchen, den Gott an die Heilighaltung des Sabbat geknüpft, und aus den wir gerade in unserer steil inehr als je angetviesen sind. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 2. Sept. Die „Juristische Wochenschrift" veröffentlicht den Wortlaut der Entscheidung des 11. Senats des Reichsgerichts, durch ivelche das freitprechende Urtheil der Berliner Strafkammer in Sachen des Grasen P ii et l e r - K l e i n T s ch i r n e ansgehoben und erneute Verhandlung angeordnet wurde. Angesichts der prinzipiellen Wichtigkeit dieser Entscheidung sei der lvichtigste Theil derselben wiedergegeben', „stm vorliegenden Falle ist festgestellt, daß der Angeklagte in Bolksversammlungen, zu denen Jedermann freien Zutritt hatte, Reden gehalten' und darin die christliche Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen die stnden angereizt hat. Freigesprochen ist der Angeklagte nur deshalb, weil die Versammlungen ausschließlich uns Angehörigen „der gebildeten, anständigen Bevölllruugsllassen" bestanden hätten, die den Redner nicht ernst genommen, sondern seine Darlegungen mit Ausvriichcn der Heiterkeit beantwortet hätten. Die Ausdrücke und Redewendungen des Angeklagten seien denn auch — fährt der erste Richter fort — in der That so weit iiber jedes Maß und Ziel hinausgegangen, daß uir verständig Denkende die Möglichkeit, die Worte des Angeklagten könnten in Thaten umgesetzt werden, als ausgeschlossen gelten müsse. Diese Ausführungen des Giften Richters sind schon insofern rechtsirrig als sie nur denjenigen Eindruck der Reden in Berücksichtigung ziehen, den diese in dem Augenblicke, als sie gehalten wurden, aus die Zuhörer gemacht haben. Die Wirkung einer öffentlich gehaltenen Rede greift aber regelmäßig üDer deren Zuhörerschaft hinaus; die Rede wird säst immer in der Folge weitere Verbreitung finden, und wird auch gewöhnlich der Absicht deS Redners entsvrechen. Der erste Richter hat also schon bei der Würdigung des Thatbestandsmerkmals der „Gefährdung" den Kreis der Personen, die dabei in Betracht kommen, u: eng gezogen. Er ist aber noch in einer anderen Richi'ing in den gleichen Fehler verfallen, indem er ausschließlich den Eindruck in Erwägung zieht, den die Reden aus den christlichen Theil der Bevölkerung gemacht haben. Er geht dabei offenbar von der Annahme ans, daß, tvenn sich dieser von den Reden des Angeklagten nicht habe reizen lassen, von einer Friedensgefährdung überhaupt nicht gesprochen werden könne. Aber dies ist rechtsirrig. „Denn die Klasse, die das Opfer der Gewaltthätigkeiten werden soll, zu denen angereizi wird, kann sich in den Empfindungen geschützten, befriedeten Zusammenlebens auch dann beunruhigt fühlen, wenn die Anreizung bei derjenigen Klasse, an die sie gerichtet ist, ans unfruchtbaren Boden fällt" (Entsch. Bd. 26. S. 849 insbesondere S. 360). Ob im einjelnen Falle zureichende, vernünftige Gründe zu solchen Beunruhigungen Vorlagen, ist eine Frage, die nach thatsächlichen Umständen zu entscheiden ist. Im vorliegenden Falle hat der erste Richter in dieser Beziehung eine Prüfung der Sachlage überhaupt unterlassen." Notenburg a. Fulda, im Elul. Rach einer ersprießlichen Thätigkeit von säst vier Jahrzehnten legte Herr Kreisrabbiner I. S t r a u ß sein Amt nieder, um nach Frankfurt a. M. überzussedeln. Herr Rabbiner Strauß war während dieser Zeit eifrig bemüht, durch That und Wort für unsere heilige Lehre einzutreten und der Gemeinde, wie dem Kreis Rotenburg, den Ruf der Frömmigkeit, den sie immer genossen, zu erhalten. In selbstlosester Weise unterrichtete er die Jugend täglig und war — unterstützt von seiner allgemein beliebten Gattin — stets bereit, den Armen helfend und rathend zur Seite zu stehen. Möge die Gemeinde der Worte, die ihnen ihr Leiter zum Abschied zurief,;rnr c*er ey stets eingedenk sein, als ehrendes Zeichen für sich selbst und als ein kleiner Beweis der Dankbarkeit für die ernste und aufrichtige Arbeit ihres scheidenden Oberhauptes. Herrn Rabbiner Strauß aber wünschen wir einen schönen Lebensabend im Kreise seiner Familie und Gesinnungsgenossen in der Mainstadt, nrr“ prr -ry. Vermischtes. 4 Miillheim (Baden.) Hl er sei bst wurde vorige Woche einer der Antisemiten-Häupter Stadlrath und Arck tckt Krallt nach Freibnrg wegen Verleitung zum Meineid eingeliefert. Das ist derselbe Herr, der im bad. Oberlande nntisemnischc Vereine gegründet und Versammlungen abgehalten hat. New-4)ork. Fn Amerika bestehen nicht weniger als 32 „wesellschaßen zur Bekehrung der Inden," welche einen sslab von 150 Beamten unlerbalten. Die Erfolge sind, wie die Missions-Zeitschrift „Rathanael" mitiheitt, sehr gering. Jerusalem. Der 3t. Rechenschaftsbericht des „Bet Moschab Sekenenim" weist ein Deficit von 6692 Ars. aus.