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Der Israelit · 1901-09-05 · Heft 70 (5.9.1901) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 70 (5.9.1901)
Date
1901-09-05
Page
– (sequence 25)
Language
German
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42. Jahrgang. Dritte Anlage zu J*° 70 des „Israelit". Leitender Artikel. <Dwei Vorschläge. Von A. M. in D. l. In einer Ihrer jüngsten Nummern, sehr geehrter Herr Redakteur, schrieb ein „Flachsmann und Weidenbaum" über die wenig erfreulichen Verhältnisse der hochheiligen Institution unserer Schechita. Das Bild, das dort entworfen wurde, paßt leider nur zu gut auf die große Mehrzahl unserer jüdischen Gemeinden, und es ist in der That Zeit, hier energisch mit der Vogel- Strauß-Politik zu brechen und aufzuräumen. Es sollen nun die mißlichen Zustände hier nicht wiederhol: ausgemalt und das Allzubekannte neu aufgewärmt werden. Nur einen Vorschlag möchte ich machen, nur eine Anregung geben, zu der andere, berufenere Kräfte, Stellung nehmen mögen. Es wurde vom Verfasser oben beregten Artikels darauf hingewiesen, wie der Pole, der Ausländer, meist ein bis zwei Jahre die Schechita theoretisch wie praktisch erlernt, ehe er selbstständig und auf eigene Faust, d. h. hier auf sein eigenes Gewissen hin das hl. Amt versieht, während der Deutsche es in sechs bis acht Wochen fertigzubringen glaubt. Sehr richtig erwähnt der Artikelschreiber denn auch die Schüchternheit, Befangenheit, ja oft die gänzliche Unkenntniß in vorkommenden einschlägigen Fragen und Verhältnissen als Folge der ungenügenden Vorbereitung. Will man dem Üebel nun abhelfen, so muß man es bei der Wurzel fassen: Es find Veranstaltungen zu treffen fiir eine gründliche, den Anforderungen unserer h l. Thora u nd der Wichtigkeit des Schechitaamtes voll entsprechende Vorbereitung zur Schechita. Der Gedanke ist wohl nicht neu. Das längst gefühlte Bedürfniß hat ihn gewiß bei gar vielen schon gezeitigt. Ich halte die Sache jedoch für spruchreif, nachdem ich die Erfahrung gewonnen, daß Dank unseren als Thierschützler verkleideten Antisemiten zahlreiche öffentliche Schlachthäuser dem praktischen Erlernen der Schechita verschlossen sind. Wo man früher anstandslos die Schechita erlernen konnte, da erklärt man heute kurz und kühl, es sei hier keine Lehranstalt für die jüdische Schlachtart. An kleineren Orten, wo oft die Verhältnisse im Argen liegen, muß nun oft der „Unterricht" in der Schechita genommen werden, so gut oder so schlecht es eben geht. Hier wäre nu n ein Feld, auf dem große und einflußreiche Kreise und Korporationen Ersprießliches tvirken könnten. Vielleicht nimmt die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" die Sache in die Hand. Ich halte z. B. eine solche Schechita-Lehranstalt für unendlich wichtiger, als eine Kantorenschule, mag auch der letzgenannte Titel stolzer und vornehmer klingen. Bei der heute in allen jüdischen Seminarien obligatorischen musikalischen Ausbildung der Lehramtskandidaten und bei der ohnehin sialtfindenden Vorbereitung für das Vorbeteramt war das Bedürfniß nach einer gesonderten Kantorenschule sicher kein akutes. Nur nebensächlich und ganz ohne Spezialisirung ist im Programm jener Schule auch die Ausbildung als Schachet und Mohel erwähnt. Schreiber dieses kennt die Bedeutung des altehrwürdigen Berufes eine „Ehason" zur Genüge, ist auch selbst musikalisch und Musikfreund. Das hindert ihn jedoch nicht, zu erklären, daß er es unter Umständen gar nicht so schlimm finden lvürde, wenn in einer Gemeinde, auch in der größten, einmal nicht nach Lewanoivsky, Bär oder Sulzer vorgebetet oder mit Chor gesungen würde, als wenn irgendwo, und sei es im kleinen die Schechita im Argen liegt und skrupellos genossen wird. Was uns notb thut, ist also eine „Schechita-Lehranstalt" in des Wortes ernstestem Sinne. Oertliche und persönliche Verhältnisse macken es selbst bei orthodoxen Gemeinden zuweilen unmöglich, in Ruhe und mit der nöthigen Muße sich der Schechitaerlernung zu widmen. Oft fehlt auch dem Lehrenden das nun einmal auch hierin nöthige Lehrgeschiet. Möge man darum baldmöglichst dein hier dargeleaten Gedanken behufs seiner Realisirung näher treten. r;-;1' II. Mein zweiter Vorschlag. Was das Wort „Leutenoth" heutzutage bedeutet, weiß ein jeder, auch ohne den Namen eines großen Politikers zu beanspruchen. Es ist der Mangel an verfügbaren Arbeitskräften in der Hauswirthschaft, besonders in landwirthschaftlichrn Betrieben. Hier soll nun die Dienstbotenfrage in's Auge gefaßt werden, die bei uns Juden in sozialer und wirthschaftlicher Hinsicht akute Bedeutung gewonnen. Jeder weiß aus Erfahrung, daß bei jüdischen Familien gegenwärtig ein überaus großer Mangel an geeigneten Dienstboten besteht. Jüdische Mädchen dienen nicht in der Anzahl, daß Angebot und Nachfrage in einem entfernt entsprechenden Verhältnisse zu einander stehen. Und christliche Mädchen? Nun, ich brauche

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