Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 70 (5.9.1901)
- Date
- 1901-09-05
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1R45 hat, weil für den Luzernenbau, die Goldgrube der ganzen westlichen und zentralen, aus lockerem Grund bestehenden Pampa, in Entre Rios die Bodenverhältnisse sich, wie schon bemerkt, weniger eignen. Es ist hier nicht der Ort, näher auszuführen, in welcher Weise cüese Sanirung der Wirthschaftsverhältniffe der entrcrianischen Kolonien im Einzelnen befördert werden kann; nur das Eine mag noch bemerkt werden, daß zu dem gedachten Zweck einer rationellen gemischten Wirtschaft unter anderem auch die im allgemeinen viel zu kleine Fläche des in Entre Rios dem Kolonisten zugetheilten Ackerlooses (meist nur 60 Hektar) wird vergrößert werden muffen, da sie trotz der beträchtlichen Allmendweiden für extensivere Viehzucht mit Ackerbau ohne gleichzeitigen größeren Luzerneanbau nicht ausreicht. Ich habe auf den verschiedenen von mir besuchten Kolonien allgemein den Wunsch aussprechen hören, die Normal-Konzession möge auf mindestens 160 Hektar bemessen werden, welche im Brachenwechsel zwischen Korn und Vieh getheilt würden. Leider ist neuerdings der Fehler gemacht worden, nach dem Wegzug verschiedener Familien (im Ganzen 120, wovon 40 nach dem Süden von Buenos Aires verzogen), die freigetoordenen Loose an neue, so viel ich hörte, größtentheils ioenkg geeignete Ankömmlinge zu vergeben, anstatt dies Land den umliegenden alten, nach mehr Ackereigenthum verlangenden Kolonisten zuzutheilen. Mit einer Neuauftheilung des Landes müßte auch gleichzeitig möglichst eine Auflösung der in Entre Rios für die jüdischen Kolonien bisher meist vorgezogenen Dorfanlagen Hand in Hand gehen; die Ansiedelung sollte vielmehr ausschließlich nach dem Grupvensystem erfolgen, bei welchem immer nur je vier Familien, jede auf ihrem Land direkt sttzend, ihre Häuser nahe beieinander haben. Der Zeitverlust, um zum Acker zu gelangen (in Entre Rios oft eine Entfernung bis zu fünf Kilometer), soziale Uebelstände und andere Unzuträglichteiten, z. B. die Erschwerung der Geflügelzucht im Großen, welche bei der billigen Flußfracht nach Buenos Aires sich sehr wohl lohnen würde, drängen dazu, jenes ältere Dorfsystem als durchaus unzweckmäßig zu verwerfen. Alle diese Reformen werden Opfer an Geld und mehr noch, ausdauernde Arbeit, und nach den bisherigen Mißerfolgen, festen moralischen Muth erfordern; aber dafür bieten die ganz analogen Beispiele von Moisesville und Mauricio die Gewähr, daß das Gelingen auch in Entre Rios nur eine Frage der Zeit sein kann. „Der liebe Gott," meinte ein alter, graubärtiger Kolonist, „wird nach all' den schlechten Jahren unseren Leuten ja doch endlich einmal eine gute Ernte zukommen lassen." Und eine solche gute Ernte würde dem entrerianischen Kolonisten vor Allem wieder auch Vertrauen in die Zukunft einflößen, das gegenwärtig leider stark erschüttert worden ist. Der Verwalter der Kolonie, Herr Lapin, welcher leidend ist, weilt zur Zeit in Europa; aber dafür besitzt die Association an ihren beiden Direktoren in Buenos Aires, den Herren D. Cazes und S. Hirsch, zwei Männer, die seit nunmehr schon sechs Jahren das humanitäre Werk der Gesellschaft mit dem Erfolg geleitet haben, welcher in den blühenden Kolonien von Mauricio und Moisesville greifbar vorliegt. Ihnen wird auch die Reorganisation der Kolonien von Entre Rios gelingen, deren Fluren, wenn man die jungen Saaten in der hellen Morgensonne so zart, so thaufrisch und so vielversprechend glänzen sieht, man es nicht anmerkt, wie viel Enttäuschung sie doch auch schon manchem redlichen Arbeiter gebracht haben. Entre Rios ist durch seine natürlichen Verhältnisse in erster Linie auf die Viehzucht hingewiesen; es spielt als Weideplatz selbst für die Heerden Uruguays eine große Rolle und ein großer Theil der Hunderttansende von Ochsen, die alljährlich in Fray Ventos und anderen uruguay'schen Saladeros geschlachtet werden, Pflegt in der argentinischen Provinz fett gemacht zu werden. Die Erfahrung, daß es nicht gut ist, in Entre Rios einen großen Betrieb auf den so vielen Zufällen ausgesetzten Körnerbau allein zu begründen, ist zwar theuer bezahlt worden, aber die Jewish Association, welche bisher schon in den argentinischen Kolonien an 30 Millionen Frcs.. davon etwa die Hälfte an Landerwerb, von der hochherzigen Stiftung des Baron Hirsch investirt hat, besitzt zum Glück die Mittel, um solche Erfahrungen fruchtbringend in der Zukunft verwerten zu können. So steht denn zu hoffen, daß in wenigen Jahren auch in Entre Rios die jüdischen Kolonisten zu dem Wohlstand und der Zufriedenheit gelangen, die heute schon in MauriciGund Moisesville herrschen, und daß in Argentinien, das dieser Kolonisation Vortheile wie sonst kein anderes Land bietet, für den von seinem Herd vertriebenen osteuropäischen Juden endlich der Segen Moses in Erfüllung gehe, als er sprach: „Hier wird Israel sicher wohnen; der Brunnen Jakobs wird sein auf dem Lande, da Korn und Most ist. und sein Himmel wird von Than triefen." ^ektttngsnachrichten sttrt» Korrespondenzen. Deutschland. Ttraschirrst. 17. Elul. Unter sehr reger Betheilignng von seiten der Mitglieder der großen Gemeinde sowohl wie der Religionsgesellschaft, fand heute das Leichenbegängniß eines jungen Mannes statt, dessen Heimgang hierorts große Trauer hervorgerufen hak. Moise Secreiant — so hieß der Verstorbene — war einer der wenigen unter seinen Altersgenossen, der seinen Lebenszweck in nichts anderem sah, als in