Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 66 (22.8.1901)
- Date
- 1901-08-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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für dasL^-- Vtthodoxe MuderrthumÄ /V RON-^P, Mffi. wm mMz |/l: /®4' ^sar.iiM.T-aQj von B. kazavus. An der Straßenecke stand er und sah erwartend die Straße hinab. Es war ein kleiner, schwarzhaariger Knabe mit feingeschnittenem Gesichtchen, den Schulranzen hatte er ans dem Rücken und sein Frühstück in der Hand. So stand er lange wartend, und als es vom nahen Kirchthurme dreiviertel Acht schlug, da lief er, so schnell ihn seine kleinen Beine tragen konnten, in die Schule. Es war zum ersten Male, daß er vergebens gewartet, sonst hatte er sich immer an dieser Ecke mit dem kleinen Schulfreunde getroffen, und sie hatten dann zusammen den Weg gemacht. Und nur, wenn in der ersten Stunde Religionsunterricht war, dann ging er um neun Uhr allein in die Schule. Aber heute war der Freund nicht gekommen. Und lvie unser David jetzt allein durch die Straßen lies, da überlegte er sich, was vielleicht paffirt sein könnte. Ob Arthur nicht gar krank sei? Ja, er mußte wohl krank sein, sonst wäre er doch zur gewöhnlichen Zeit an der Ecke gewesen. Zu spät wird er doch wohl nicht kommen? Aber nein; in der ganzen Zeit ihres Zusammenseins ist er ja noch nicht einmal zu spät gekommen. Rein, er muß wohl krank sein. David bekommt Angst. „Es wird doch nicht schlimm sein?" denkt er weiter, „er wird doch nicht gar das Fieber haben, wie sein eigenes, kleines Schwesterchen, das voriges Jahr am Fieber gestorben ist? Es wird doch nicht das Fieber sein?"- Und die Thränen kommen ihm in die Augen, wie er so vor sich hinläuft. Und immer wieder kommen seine Gedanken darauf zurück: „Es wird doch nicht das Fieber sein?" Athemlos kommt er in der Klasse an. Aber was ist denn das? Arthur sitzt ja schon auf seinem Platze und wird ganz roth, feuerroth, wie David eintritt. Der bleibt ganz verdutzt neben der Thüre stehen und weiß nicht, was er sagen soll. Vor Schreck über Arthurs merkwürdiges Benehmen vergißt er sogar, die Mütze abzunehmen. Die Mitschüler, die schon auf den Bänken sitzen, fangen an zu kichern, erst leise, dann immer lauter. Das galt offenbar ihm. Aber warum bleibt diesmal Arthur sitzen, der einzige, der ihn sonst vertheidigt hat, der das höhnische und spöttische Lachen zum Schweigen gebracht. Aber heute? Nur einmal hat er den Kopf gehoben und aus seinen blauen Augen ist ein zorniger Blick über die Klasse dahingefahren — dann aber ist er wieder ganz roth geworden und sieht auf die Schulbank nieder. Jetzt fängt die Klaffe an, leise zu zischeln. „David, nu David!" tönt es von den Bänken her. Einige von den Schuljungen rufen es in mauschelndem Tone, die anderen lachen dazu. David ist das gewöhnt, aber ganz starr blickt er noch immer auf Arthur, der immer noch stumm dasitzt. Da steht ein Junge auf und wirft David die Mütze vom Kopfe. „Haste gesehen, der Davidleben meint, er sei in der Synagoge, wie haißt!" ruft er dazu, und mit ungeheurem Jubel wird diese Heldenthat ausgenommen. David hebt die Mütze auf und wie er sie aufhängen will, tritt eben der Lehrer in die Klaffe; die Knaben springen von ihren Plätzen auf, mit den ernsthaftesten Gesichtern, als ob gar nichts vorgefallen sei.