Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 66 (22.8.1901)
- Date
- 1901-08-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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42. Jahrgang. M 66 Der Israelit. Ein GenLrak-Hrgan für das orthodoxe ZudenLHum. Begründet von in Msinz Do nnerstag, den 2 2. August 5661 (1901). Für (Eilte Ulaeh abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat : Vr'P September auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungssckalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden LandbrieftrLger aufgegeben werden. BflT* Die Briefträger sind berechtigt, den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen deS Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend höher. Die Expedition des „Israelit." Leitender Artikel. ZHofce! Mainz, 21. August. Lächerlich! Was versteht der „Israelit" von Mode, der „Israelit", dieses altmodische Blatt. Was will es, dieses Centralblatt des orthodoxen Judenthums, von Hüten, Jacken, Blousen, Binden, Schlipsen und Schleifen?, und wie paffen diese in seinen Rahmen? — WohlaN! Unsere Zeit ist so arm an Kuriositäten nicht, unb wer sich durch diese Kuriosität beunruhigt, thue sie zu den andern. Unfern verehrten Leserinnen aber, die neugierig nach diesem Blatte greisen, wähnend, daß Mode eine orthodoxe Institution sei, um es ihren Männern vor Augen zu halten, so oft sie sich anschicken, den hohen Werth der Mode in Zweifel zu ziehen, diesen verehrten Leserinnen können wir nur Herzhaft rathen, diese Zeilen durchzulesen — es soll sie nicht reuen. Ich habe mich dieser Tage viel mit Mode beschäftigt, habe in Schaufenster und bei Promenade Umschau gehalten und manch' Kunstvolles und Sehenswerthes gesehen. Edles Gewebe, kostbare Stickereien lachten mir entgegen, Kostüme, erinnernd an die lieblich leicht geschwungenen Linien des Jugendstils, aber auch Roben, breit gefaltet, die selige Zeit Louis Phillips in meinem Gedächtnisse wachrusend. Doch eins vermißte ich überall. — Das alte, ehrenwerthe Buch, das Buch Moses befasset sich auch mit der Bekleidungsart seiner Anhänger. Dieses. Buch ist freilich viel toleranter, als die Mode. Diese zwängt ihre Verehrer in bestimmte Formen. Sie schreibt ihnen vor, was schön, ästhetisch, hübsch und gefällig ist. Was ihr mißfällt, drückt sie nieder, was ihr behagt, hebt sie empor, trägt es im Triumphzuge durch die Welt, und ihre Priester hängen ihm nach, gebannt, gedankenlos, des eigenen Urtheils beraubt. Wie ganz anders dieses alte, ehrenwerthe Buch. Das läßt jeden nach seinem Geschmacke selig werden, läßt jedem seine subjektive Empfindung, sein subjektives Urtheil, seinen subjektiven Schönheitssinn; nur eins wünscht es der Beachtung: noat mn? nb lHrr» anatPBv „Kleide dich nicht mit einem Kleide, bereitet aus Wolle und Flachs zusammen!" Und dieses Eine wird so oft mißachtet. Für die Mode ist einem nichts zu kostbar, nichts zu schwer, kein Schnitt zu kunstvoll, keine Arbeit zu kompliziert. In ihren Dienst stellen sich vollendeteste Handfertigkeit, raffinirteste Tüftelei, und das alte, ehrenwerthe Buch wünscht weiter nichts als die Beachtung rrb und dieses Eine wird so oft mißachtet! Und dieses ueyp rrb ist ein gar schwerwiegendes Verbot! Denn derjenige, der -i'rn ^2x71 rr!? gesagt, von dem vzbr\ xb ausgegangen, und in der Form, in welcher er das tth verboten, ruft er uns das tjsw vzbn xb zu und doch wird das *6 so oft mißachtet! Wie fernab steht der Jude von seinem Judenthum, der sich entwürdigt mnn zu essen und »Bytt» xb Übertritt man, ohne sich Gedanken, ohne Gewissensbisse sich zu machen. Man kauft fertige Kleider, ohne nach zu fragen; man läßt sich Kleider anfertigen, ohne Be-