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Der Israelit · 1901-08-19 · Heft 65 (19.8.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 65 (19.8.1901)
Date
1901-08-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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42/Jahrgang. M 65. Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Wehrrr«rrrr in Utainf. Montag, den 19. August 5661 (1661). Für Eine Mnekr abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat ' September auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter deS Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden LandbrieftrLger aufgegeben werden. flV* Die Briefträger sind berechtigt, den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen deS Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend höber. Die Expedition des „Israelit/' leitender Artikel. Der große &l\\\ in üer Gegenwart. BUffon, der ein ausgezeichneter Stylist war, ist der Vater des geflügelten Wortes: Le style c’est l'homme, „2)er Styl ist der Mensch." Die Orthodoxie ist der große Styl im Judenthunie. — Groß ist die Gesinnung, welche ihre Imperative nicht von den äußeren Umständen, sondern von der Innern Ueberzeugung empfängt. Groß ist der Wille, welcher nicht fragt: „Was kann ich? sondern: Was soll ich? Groß ist die Persönlichkeit, welche nicht Wachs ist, dem die Zeit ihren Stempel aufdrückt, sondern die Stempel ist, der in Zeit, Leben und Umstände seine Inschrift abdrückt. Groß ist der Erbe, der sich mit Begeisterung in die Kette der Ahnen einfügt, mit dem festen Willen, den Ahnenruhm nicht nur mit Worten, sondern mit Thaten weiterzuführen. Groß ist freilich der Schöpfer einer neuen großen Zukunft; aber es kann nicht in jedem Geschlechte eine neue Zukunft ihren AnfPg nehmen. Dagegen kann jedes Geschlecht groß sein,Pvenn es sich in dem Kampfe, den jede Zeit allem Großen entgegenstellt, voll in den Dienst des Großen stellt und die Gegenwart nicht als das Grab der Vergangenheit, der nur eine anständige Beisetzung zu bereiten ist, sondern als den Blüthenkelch der Zukunft betrachtet, nach dem Worte unserer großen, ewig blüthenfrischen alten Weisen: i\t or b» c’BHro ■jy’ja. „Jeder Tag sei das Göttliche dir gleichsam ein Neugeborenes!" Als die Neuzeit über Israel hereinbrach, da fand die große Zeit ein kleines Geschlecht. Die Männer, die sich damals in den Vordergrund des Judenthums stellten, sie glaubten nicht an die Zukunft des Judenthums. Ohne Glauben an die Zukunft aber gibt es keine Gegenwart, und so blieb ihnen nur die — Vergangenheit. Das Judenthum war ihnen keine lebendige Gegenwart mehr, sondern nur ein Gegenstand historischer Forschung. Ihr Dogma war: Neuzeit und Judenthum sind Gegensätze, entweder Neuzeit und Gleichberechtigung, oder Judenthum und Ghetto, und da sie das Ghetto nicht wollten, womit sie Recht hatten, so wollten sie auch das Judenthum nicht. Aber nie und nimmer hatten sie das Recht, mit diesem Dogma s i ch an die Spitze religiöser Richtungen innerhalb des Judenthums zu stellen! Nie und nimmer hatten sie dasRecht, anRabbiner- und Lehrer-Seminarien Lehrstühle anzunehmen! Sie, die die Liquidation der jüdischen Vergangenheit als die Aufgabe des Judenthums der Gegenwart betrachteten, durften nicht die Aufgabe übernehmen, Rabbiner und Lehrer für das religiöse Leben der Gemeinden heranzubilden. Historische Gelehrsamkeit und religiöse Begeisterung sind zwei ganz verschiedene Dinge. Unser großer Lehrer Maimonides hat seine Kraft nicht in der Geschichtsschreibung versucht, und er ist dennoch die starke Säule, auf der schon fast ein Jahrtausend jüdischer Geschichte,

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