Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 64 (14.8.1901)
- Date
- 1901-08-14
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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1430 fernen Seeküste heraufziehendes Regenwetter vermuthen läßt, bezeichnen da und dort dunklere Schatten die Baumgruppen, welche die Lage der Häuser der verschiedenen neuen Sektionen der Kolonie kennzeichnen. Die Nächstliegenden Gruppen werben von den im Jahre 1895 ans Grodno angekommenen 60 Familien gebildet, deren Lehrjahre sich dank der von den ersten Ansiedlern gesammelten Erfahrungen bereits leichter gestalten. Die Häuschen, durch einen Gemüse- oder Baumgarten von der Landstraße getrennt, und von einer Unzahl Geflügel aller Sorten umschwärmt und umschnattert, sind zwar sehr einfach, aber reinlich, und ihre Bewohner sehen zufrieden und wohlgenährt aus. Auch alle Maurerarbeiten, und die so nothwendigen Gewerbe des Schlossers, Zimmermanns u. s. f. werden auf der Kolonie von russischen Inden ausgeübt, und bei manchem Haus läßt sich an den freilich mitunter etwas urwüchsig ausgefallenen Verzierungen der Fensterbögen oder Gesimse auch der Wunsch nach äußerer Gefälligkeit erkennen. Denn trotzdem für jeden Kolonisten von Anfang an die wirthschaftlichen Bedingungen die gleichen gewesen waren, haben sse doch, hauptsächlich in Folge der Verschiedenheit der Familienverhältnisse, schon heute erhebliche Unterschiede im Wohlstände der einzelnen Ansiedler herangebildet. Einer der wohlhabendsten Kolonisten von Moisesville z. B., der alte Malachowitsch, hat sein rasches Heraufkommen wesentlich dem Umstande zu verdanken, daß er das Werk mit sieben erwachsenen Söhnen begann, von denen ihm leider in den ersten Jahren drei starben. Die vier stämmigen Burschen mit ihren sonnverbrannten Gesichtern, die wir am Feierabend vor ihrem Hause treffen, unterscheiden sich in nichts von irgend einem südländischen Kolonisten, und nur der Alte mit dem eisgrauen Bart und dem breiten Tolstoi-Gesicht, der uns in der Wohnstube empfängt, hat noch die väterliche Tracht des langen Kaftans beibehalten. Wie wir hören, besitzt die Famile bei 260 Hektaren Feld bereits einige 300 Stück Vieh; nicht weniger als 60 Hektaren ihres Landes haben sie der Luzerne, zum Theil für die Viehweide, zum Theil für den Export von Trocken-' futter gewidmet. Dabei ist der Viehstand des Malachowitfch noch nicht einmal der größte in der Kolonie; R o t h m a n n , der früher in Monigotes ansässig gewesen und von dort nach Moisesville übergesiedelt ist, hat 700 Stück, Warenberg über 400 Stück u. s. f. Bereits ist Moisesville zu einem lokalen Viehmarkte geworden; alle 14 Tage, am Sonntag, kommen von Santa Fee und Santiago, sowie von den umliegenden Kolonien, Fleischer lind Viehhändler, um ihren Bedarf an Schlachtvieh in Moisesville zu decken. Der große Besitz von an die 2600 Milchkühen sichert den Kolonisten außerdem eine regelmäßige Einnahme von der Milch, ivelche im Sominer in einzelnen Fällen dem Ansiedler bis zu 120 $ im Monat abwirft. Es hat nämlich die Berlvaltung mit einer schwedischen Gesellschaft fiir Butterfabrikation ein Abkominen dahin getroffen, daß dieselbe gegen tleberlassung des erforderlichen Terrains auf den Kolonien der Association die Maschinerien zur Entsahnung der Milch aufstellte und sich zur Abnahme der gesammten von den Kolonisten gelieferten Milch zu einem nach dem Buttergehalt be rechneten Tarif verpflichtete. Daß die Schweden auf ihrem Terrain Schweine halten, an welche die Magermilch verfüttert ivird, mußten die Anhänger streng mosaischer Observanz des Geschäfts halber eben mit In den Kauf nehmen. Einzelne .Kolonisten besorgen das Fuhrgeschäft, um die Milch täglich aus besonders für die numinerierten großen Milchkannen eingerichteten Wagen nach der Fabrik zu bringen. Das Conto jedes Kolonisten Ivird dabei nach Menge und Buttergehalt der abgelieferten Milch, unter Entnahme von der Berlvaltung der Association in Buenos Aires controllirter Proben, in der peinlichsten Weise geführt. Die Berlvaltung zahlt dabei sogar noch eine Prämie für hohen Buttergehalt, um in ihrer väterlichen Weise den Eifer der Kolonisten zur Verbesserung des Viehschlags der Milchkühe anzuspornen. Rechnet man zu dieser Einnahme von Milch noch den Ertrag der fast niemals versagenden Luzerne, so kann dank dieser gemischten, nicht aus den Körnerbau allein beschränkten Wirthschaft ein Kolonist der Jewish Association heute den Ertrag seines Weizens oder Leinsaat gewissermaßen als Suverdividende betrachten, welche er nach Deckung aller seiner Kosten und der Abzahlung an die Verwaltung zu dem Ankauf von neuem Vieh, oder zum Erwerb von neuem Land für die Söhne oder Schwiegersöhne verwenden kann. Ueu nngeyangriie Wcher. (Besprechung Vorbehalten) Im Lande der Nokh. Von Nasa Po ine ranz Breslau. 19<>i. Schlesische Verlags-Anstalt v. Schottlaender. Leipzig: E. F Steinacker. — New-Park: Gustav E. Stechcrt. B r a n d e i s' i l l u st r i r t e r israelitischer Volks ka len der für das Jahr der Welt 0(561. (1002 —1902.) Cigenthurn un> Verlag von Jakob B. Brandeis, Prag. D r. M. P o p p e l a u e r' s Berliner V o l k s k a l e n d e r für ISracliten auf das Jahr 5662 (1902). Mit litterarischen Notizen und einem Gedenkblait versehen. Berlin. 1901. Verlag von M. Poppelauer. b*wp DtynSi pnsan dp nan pyospo ctp isc Verantwortliche Redaction: Oscar Le'.hmann in Main,. — Exvedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck undWerlag der Joh. W irth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft in Mainz.