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Der Israelit · 1901-08-14 · Heft 64 (14.8.1901) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 64 (14.8.1901)
Date
1901-08-14
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1422 ken der Unduldsamkeit die Sonne der Wahrheit verdunkeln, an dem endgiltigen Siege der Menschen- und Nächstenliebe über den Geist der Unduldsamkeit und der Bosheit zweifeln? Der Tag der vollen Aufklärung wird anbrechen und ewig dauern, wenn die Schaaren der Kämpfer für Licht und Fortschritt stärker und zahlreicher sein werden. Heinrich Bloch. Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen Deutschland. Ans dem Aeg.-Bez. Osnabrück, 9. Aug. In Ergänzung unseres Artikels unter gleichem Stichworte in der Nummer vom August c. wollen wir heute noch hinzusiigen, daß die Aufhebung der israelit. Schule zu Lingen irgend welche Nachtheile für den derzeitigen Stelleninhaber nicht im Gefolge hat. In einem ähnlichen Falle hat der Herr Minister des Unterrichtswesens auf ein eingehendes Referat der Königl. Regierung zu H. durch Erlaß vom 18. Oktober — U. III. D. 4060. U. HI. E. — verfügt, daß vor der Auflösung der Schule für eine anderweitige Verwendung des Lehrers Sorge zu tragen sei; bemerkt sei noch, daß der betr. Lehrer sich die Versetzung nach einer geringer dotierten Stellung in Gemäßheit des S 22 des Besold.- Gesetzes vom 3. März 1897 nicht gefallen zu lassen braucht. Hoffentlich bleibt die öffentliche Schule in Lingen erhalten, was im allgemeinen Interesse sehr erwünscht sei. Was nun die Bemerkung betr. „unschöner Vorkommnisse" etc. in unserem vorigen Artikel anbetrifft, so soll damit dem derzeitigen Lehrer keinesfalls ein Vorwurf gemacht werden, denn derselbe war, wie uns versichert wird, stets redlich bemüht, die Gegensätze in der Genieinde zu überbrücken, und Licht- und; Schatteniseiten gleichmäßig zu vertheilen. Daß in solchen Tagen der Sturm- und Drangperiode die Verhältnisse in der Gemeinde nicht immer lauter Lust und j Freude sind, ist klar. Hoffentlich gelingt es dem Herrn; Landrabbiner Dr. Löb, die über der Gemeinde lagernj den Schatten zu verscheuchen und wieder geordnete Verj hältnisse in das Schulwesen zu bringen. Der Fortbestand der öffentlichen Schule zu Lingen ist der Verwaltungsbehörde unseres Erachtens gleichgiltig. Rußland. Petersburg, im Aug. Die Anzahl jüdischer Studenten auf russischen Universitäten wird von nun an wesentlich eingeschränkt und zwar, wie wir bereits berichtet, auf drei Prozent. Nach der Moskauer Universität dürfen in Zukunft keine jüdischen Studenten mehr kommen. Das ist keine neue Maßregel, sondern nur die wiederholte Einschärfung einer alten Verordnung. Für die Universität Dorpat hat sie keine Geltung. Amerika. Nelvüork. Inmitten der unteren Newyorker Ostseite, in den Räumen der „Educational Alliance" an East Broodway und Jefferson Str., nahm eine Ausstellung oder, wenn man sagen will, ein Fest seinen Anfang, das in mehr als einer Beziehung bezeichnend ist für die Ziele dieses großartigen Lehrinstitutes und für das, was es schon erreicht hat. Die Ausstellung umfaßt im obersten Stockwerke eine Bildergallerie von künstlerischen Erzeugnissen der Ostseite, die ebensoviel Eigenart verräth, wie das spezifische Ghettodrama und seine Litteratur, und im zweiten Stockwerke die Resultate der Schülerklassen im Freihandzeichnen, Kreide und Kohle, Photographiren und einen kleinen botanischen Garten, welcher die Liebe zur Natur in den Herzen der Bewohner jener Gegend zu erwecken bestimmt ist. Das Eröffnungsfest, von dem die Rede war, dauerte von 8—11 Uhr Abends. Es bestand hauptsächlich aus musikalischen und deklamtorischen Vorträgen der Zöglinge. Man ist vielleicht geneigt, zu fragen, was ist Großes dabei, aber die Antwort wird demjenigen nicht schwer werden, welcher die Verhältnisse unter den Israeliten der unteren Ostseite kennt. Jeder Newyorker weiß, in welcher Verfassung die Einwanderer aus Polen, Galizien und Rußland hier landen, was für Ideen und Gewohnheiten sie mitbringen, wenn sie zuerst hier anlanaen, und wie schwer es ist, sie amerikanischen und überhaupt zivilisirten Ideen zugänglich zu machen. Diese Aenderung wenigstens bei der jungen Generation herbeizuführen, sie in Wissenschaft und Kunst, aber auch in praktische Thätigkeit einzuführen, ist die Aufgabe der Alliance. Ob sie dieses Riesenloerk durchsetzt? Die Ausstellung beweist es und jeder, de; will, kann sich davon überzeugen. Zahlen reden. Der durchschnittliche Besuch ist 6000, die Bibliothek leiht täglich 660 Bücher aus und der Dachgarten wurde letzten Sommer von annähernd 300,000 Personen besucht. Innerhalb des Gesammtverbandes existiren etwa 60 einzelne Clubs, deren Ziele so verschieden sind, wie nur die Betheiligung des menschlichen Lebens. Sie studiren Musik, Malerei, neue und alte Sprachen, sie turnen, photographieren, spielen Fußball, Baseball u. s. w. Im Winter gibt es wöchentlich zwei Konzertabende und im Sommer geht es sogar hinaus in's Camp, letzteres allerdings nicht ganz umsonst, wie alle übrigen Benefizien. Der Hauptgründer der Anstalt war der bekannte jiidische Philantrop Baron Hirsch, doch ist sie durchaus nicht nur für Israeliten bestimmt, wenngleich in Anbetracht der Lage des Gebäudes inmitten der betreffenden Gegend fast nur Israeliten von ihren Vergünstigungen Gebrauch machen. Augenblicklich steht Isidor Strauß als Präsident an der Spitze, Samuel Greenbaum ist erster, Albert F. Hochstädter zweiter Vice-Präsident, Felix M. Marburg Sekrtär und Albert Friedländer Schatzmeister.

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