Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 64 (14.8.1901)
- Date
- 1901-08-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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^WWWWMNMW'««MiWMW 1413 SWWWWWMWWW der jüdischen Religion stellt jener Satz so wenig dar, daß vielmehr, wie die Prüfung der angeführten Stellen ergiebt, gerade das Gegentheil zutreffend ist. — Worin der wahre Unterschied zwischen Judenthum und Christenthum besteht, das hier in diesem Zusammenhänge auseinander zu setzen, habe ich keine Veranlassung." München, 11. Aug. Zur Aufbringung der Mittel für den Bau einer israelitischen Religionsschule nebst Ritualbad in Röllbach, VA. Obernburg, wird die Veranstaltung einer Kollekte in sämmtlichen Synagogen des Königreichs genehmigt. Diese Kollekte hat binnen zwei Monaten zum Vollzüge zu gelangen. O e st e r r. - U n g. Monarchie. Wien, 11. Aug. Ein grober Exeeß von Offizieren gegen einen Civilisten erregt die Oeffentlichkeit in hohem Grade. Der jüdische Bäckermeister Ausricht in Teschen hatte sich vor einigen Tagen im Cafe an denselben Tisch gesetzt, an dem Offiziere saßen. Ob er die Herren irgendwie beleidigt hat oder nicht, thatsächlich schimpfte ihn einer der Leutnants, Franz Stroffe, Edler von Hofivehr, „Saujuden". Der Bäckermeister hatte sich abfällig darüber geäußert. Das faßte das Offizierscorps als Beleidigung auf und beauftragte den Leutnant, Aufricht zu züchtigen, gab ihm aber für den Fall der Gegenwehr noch andere Offiziere zur Seite. Als nun Aufricht das Cafe Central verließ, überfiel Leutnant v. Stroffe ihn mit der Hundepeitsche. Aufricht wehrte sich mit dem Regenschirm und drängte ihn schon bis auf den Marktplatz, als Leutnant Paul Pajk von rückwärts mit dem Säbel aus ihn einhieb und ihn schließlich an der Hand verletzte. Auch die Wunden am Kopfe sind nicht unerheblich. Der Gemeinderath war für heute einberufen, um gegen diesen Akt Stellung zu nehmen, der in der That, wenn sich alles so verhält, ein ebenso feiger als brutaler Akt genannt werden muß, der nicht bloß wieder ein eigenthümliches Licht auf das wirft, was ein Osfizierscorps mit der „Offiziersehre" für vereinbar hält, sondern auch das gute Verhältnitz zwischen Civil und Militär neuerdings zu trüben geeignet ist. Budapest, 7. Aug. Eines der bedeutendsten Talente des lit. Jung-Ungarns, Emil M a k a i, ist heute dahier gestorben. Geboren in Mako als Sohn des dortigen Rabbiners Fischer, wurde er selbst ursprünglich zum Rabbiner bestimmt. Doch gab er selbst später feine Studien am hiesigen Landes-Rabbiner-Seminar auf und widmete sich der Journalistik, um sich damit seinen Lebensunterhalt zu gewinnen. Dabei setzte er seine von ihm schon früher begonnenen Uebersetzungen der spanisch-jüdischen Dichter des 11.—12. Jahrhunderts fort. Seine Umdichtungen des Jehuda ben Halevy, Moses Jbn Esra Charisa und Menuella sind mustergiltig. Er selbst veröffentlichte einige Bände Gedichte, mehrere dramatische Werke etc., die alle von der hohen Begabung und dem großen Talente des Verstorbenen zeugen. Vor Jahresfrist wurde er zum Schriftführer der Dramen-Jury des Nationaltheaters ernannt, und auch sonst hat seine Begabung allseitige Würdigung und Anerkennung gefunden. Der Direktor des Nationaltheaters, Ladislaus Beöthy, beabsichtigte, die sterblichen Ueberreste Makai's im Nationaltheater aufbahren zu lasten. In Rücksicht darauf aber, daß der Verstorbene eine stille Bestattung wünschte, bat die Familie desselben, davon Abstand nehmen zu wollen. Auch wünschte Makai, in Mako an der Seite seiner Eltern begraben zu werden, ebenso wurde nach seinem Wunsche gebeten, von Kranzspenden abzusehen. S. Rußland. Petersburg. Ein neuer Fälscher, welcher durch eigenhändig von ihm fabricirte Schulchan-Aruchstellen unter den russischen Juden sehr viel böses Blut gemacht hat, treibt seit einiger Zeit in der antisemitischen „Nowoje Wremja" sein Unwesen. Piatkowski heißt der dunkle Ehrenmann und ist seines Zeichens Revolverjournalist, der in seinem in Petersburg erscheinenden, jedoch von Niemand gelesenen Blatte, „Der Beobachter", schon seit Jahren die Juden mit Schmutz zu bewerfen sucht. Da der Herausgeber des „Beobachter" aber die für ihn peinliche Beobachtung machen mußte, daß die in seinem Blättchen gegen die Juden geschleuderten Jnvektiven von aller Welt unbeachtet bleiben, beschloß er es von einer anderen Stelle aus zu thun, und Herr Suworin zögerte nicht einen Moment lang dem verkommenen Subjekt eine ganze Menge weißen Papiers in seinem leider noch immer stark gelesenen Blatte zur Verfügung zu stellen. Wie frech dieser Schubiak den Schulchan-Aruch gefälscht hat, dafür nur ein Beweis für viele. §§ 420 und 422 des Choschenhamischpot (des juridischen Theils des Schulchan- Aruck») lauten: „Es ist verboten seinen Nächsten zu schlagen. Wer seine Hand wider seinen Nächsten erhebt, selbst ohne ihn zu schlagen, wird als Roscho (böser Mensch) bezeichnet." Hier wird also vom „Nächsten" gesprochen, ohne daß der mindeste Versuch gemacht wird, dieses Wort irgendwie näher zu erklären. Von „Akum" ist an dieser Stelle gar nicht die Rede. Piatkowski jedoch übersetzt diese Stelle wie folgt: „Unter dem Worte „Nächsten" wird nur ein Jude verstanden. Einen Akum zu schlagen ist keinem Juden verwehrt." Mit solchem Gesindel müssen sich die russischen Juden herumschlagen. Bei der gelegentlich dieser Fälschung entstandenen Preßfehde sind auch über den antisemitischen Oberbonzen Suworin nette Sachen in die Oeffentlichkeit gedrungen. So theilt Herr Landau, dessen an die „Nowoje Wremja" eingesandte Berichtigung von dieser verstümmelt wiedergegeben wurde, mit, daß der große Herr Suworin noch Ende der 60er Jahre ganz klein war und unter seiner (Landau's) Leitung in der Redaktion der „St. Peterburgskija ■i