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Der Israelit · 1901-08-14 · Heft 64 (14.8.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 64 (14.8.1901)
Date
1901-08-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1408 Scheu einer modernen Gesetzgebung zur Schau trägt, sondern nach Recht und Pflicht das Privatleben des Einzelnen dem der Gesammtheit unterstellt und ihm Unterwerfung gebietet. Die Juden kannten die Grundsätze der Anzeigepflicht, der Absonderungs- und Isolations-Maßregeln, der Prophilaxis und der Desinficirung. Sie verboten den Gebrauch und Genuß von Milch und Fleisch der mit Krankheit behafteten Thiere — einer der wichtigsten Punkte, die mit dem antituberkulösen Feldzuge in engem Zusammenhänge stehen. Sie untersagten Waffer, Wein, Milch, überhaupt die trinkbaren Flüssigkeiten zu trinken, wenn sie längere Zeit frei und unbedeckt gestanden waren, bevor sie nicht mindestens früher abgekocht worden. Wie außerordentlich groß ist die Vorsicht und Vorbereitung zum Reinmachen des geschlachteten Fleisches, dessen Schechitah. Bedikah und Melichah doch in hohem Grade der Hygiene und Sanität dienen, und die Doktor Henry Behrend schon seiner Zeit als die tieferkannten Mittel gegen die Tuberkulose erklärt hatte. Wenn auch gegenwärtig der eminente Denker Dr. Koch dieser Ansicht nicht beipflichtet, so hat er doch noch nicht den Satz, daß die Thiere die Tuberkulose nicht weiter verbreiten, als eine unumstößliche Wahrheü beweisen können. Im weiteren Verlaufe des citirten englischen Artikels wird mit Bezug auf die Statistik gesagt: In den früheren Zeiten haben wir Juden in England in Folge unserer natür lichen Widerstandsfähigkeit, oder in Folge der Beobachtung unserer sanitären Religionsvorschriften, nicht so viel von der Wuth der Schwindsucht zu leiden gehabt. Während 16 pEt. der Todesursachen bei Männern Londons auf Schwindsucht entfallen, war sie unter den Juden nur 7 pEt. Im allgemeinen macht wirklich die Sterblichkeit bei Juden die Hälfte der Ziffer von der bei Christen aus. So ist auch in der Rewyorker Bevölkerungsstatistik von 1890 folgende Zusammenstellung ersichtlich: Unter 100,000 zählte die Schwindsucht bei den farbigen Einwohnern 774 Fälle, bei den Irländern 646, bei den Deutschen 329, bei den Amerikanern 206 und bei den russisch-polnischen Juden nur 98 Fälle. Diese letzte Ziffer, fügt der Bericht hinzu, erklärt wohl die Sterblichkeit unter den in geordneten Verhältnissen lebenden Juden, welche aber seit zehn Jahren immer größeren Kämpfen und weniger Auspizien entgegengesehen haben. Literarische Notiz. In der Anzeige des w nb f. 5662 (JSraelit S. 1377) befindet sich ein chronologischer (Druck?) fehler: Saul Juda, gestorben 21. Tischri 5417 (12. Oktober 1655.) ES mich heißen 1656. Feuilleton. H u t H’-v— Von M. <5sckol. Wie herrlich lag selbst diese Stätte der ewigen Ruhe auf dieser Anhöhe in diesein reizenden Landstrich. Dort unten der Ort, eingehüllt in ein Blüthenmeer — dort drüben auf der benachbarten etwa gleich hohen Anhöhe die Burgruine, die ich bereits auf der Fahrt gesehen, ein furchtbares Zeichen der Zerstörung, nun in unmittelbarster Nähe; die Stimmen dort fröhlich spielender Kinder drangen bis herüber zu mir. An den Ruinenhügel schloß sich ein großer Wald an, der sich erst in weiter Ferne am Horizont verlor. — Welcher Kontrast! Dort unten iin Thale frisches, aufkeimendes Leben, dort die geborstenen Ruinen der der einstigen Zloingburg u. hier, lvo ich stand, die irdischen Reste ganzer Menschengeschlechter. Standen da doch Denksteine im Alter von 200—300 Jahren und mehr. Auf den meisten die Schrift bis zur Unkenntlichkeit ver wittert, die allermeisten sogar zum großen Theil in die Erde gesunken. Mitten unter ihnen ein gleichfalls halbversunkener Stein, auf dem aber ganz oben eine glän zend vergoldete Inschrift leuchtete. „Merkwürdig," dachte ich, „wozu diese frische Inschrift aus diesem von Moos überwucherten Stein!?" Ich trat neugierig näher, doch ich stehe lvie ge bannt. Die hebr. Inschrift lautete: „Boruch hu laschem ascher lau osav chasdau eß hachajim Iv'eß hammessim." So schnell dachte ich heute morgen noch nicht den Faden zu finden, an dein ich das Dunkel unserer Bor zeit aufrollen könnte. Denn daß hier dieser Stein, wenigstens die Inschrift, nicht ohne Bedeutung war, noch jetzt nach Jahrhunderten, das bezeugte das leuch tende Gold. Wer, sei es nun eine Gemeinschaft oder eine Privatperson, hätte sonst ein Interesse daran, ge rade diesen Stein, gerade diesen Theil der Inschrift lvieder aufzufrischen, wo doch der ganze übrige Rest der Aufschrift völlig, aber auch ganz völlig unleserlich war. Doch halt, da ist ja Reb Frohm. Ich blickte in der Richtung des Einganges, — doch siehe da — als hätte er mich verstanden, er gab mir ein Zeichen, daß er gleich komme. Offenbar hatte er mich nicht aus den Augen gelassen. „Hab' ich mir schon gedacht, daß diese Inschrift Ihre Aufmerksamkeit erregen würde, es geht Ihnen wie allen hierher kommenden Fremden. Ja, ja," sagte er wichtig, „da ruht ein Stück unserer Kehillageschichte." „Könnten Sie mir vielleicht einige Aufklärung geben?" „Mit dem größten Vergnügen. Doch setzen Sie sich mit mir zuvor auf die Bank am Eingang."

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