Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 64 (14.8.1901)
- Date
- 1901-08-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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MW 1406 traurigen „Spekmationshelden" gab es zu allen Zeiten und es gibt ihrer leider heute noch. Und wenn der gesunde Sinn des Antisemiten sie auch schließlich jedesmal erkannt hat, so ist dann doch auch immer schon so viel Zeit, Arbeitskraft und Opfermuts» vergeudet gewesen, daß der Schaden, den die allgemeine große Sache gelitten, schwer wieder einzuholen war." Eine Partei, die nicht wußte und auch heute noch nicht weiß, was sie als ihr gesetzgeberisches Ziel erstreben soll, die ferner sich jahrelang mit einem Menschen wie Ahlwardt identificirt hat und jeden Schreier, wenn er nur mit drastischen Kraftworten um sich zu werfen versteht, ihre Arme öffnet, ist überhaupt nicht als politischer Faktor zu betrachten. Hildesheim, 9. Aug. Auf dem hiesigen Schlachthofe wird der größte Theil der geschlachteten Thiere geschachtet, und zwar nicht nur von jüdischen, sondern auch von christlichen Schächtern, die mit dem geschachteten Fleische ein ziemlich schwunghaftes Ausfuhrgeschäft treiben. Dieses massenhafte Schächten veranlaßte den Magistrat in Anbetracht der geringen Anzahl jüdischer Einwohner, — es kommen hier auf rund 43 000 Einwohner nur etwa 500 Juden, — ein Ortsstatut auszuarbeiten, wodurch das Schächten etwas eingeschränkt werden sollte. Die Mitglieder des Bürgervor!.'Herkollegs waren aber anderer Ansicht und Zehnten das Statut mit großer Mehrheit ab. Frankreich. Paris, kl. Aug. Nachdem der deutsche Fleischertag es abgelehnt hatte, den gesetzgebenden Körperschaften eine Petition um die Einführung des Schächtverbotes zu unterbreiten, haben gewisse Thierschutzvereine die alten Märchen von „jüdischer Thierquälerei" wiederholt. Ich halte es daher für angebracht, eine Unterredung wiederzugeben, die ich vor zwei Jahren mit Herrn Behringer, dem Führer der Bewegung gegen das Schächten, hatte. Ich habe daraus die Ueberzeugung gewonnen, daß dieser ganze Kampf gegen das Schächten nicht etwa im Interesse des Thierschutzes geführt wird, sondern lediglich eine schmutzige antisemitische Hetze ist, deren Führer nicht den Muth haben, offen und ehrlich das zu bekennen, was sie sind und was sie wollen. Vor zwei Jahren hat Herr Behringer in der Berliner Egidpvereinigung einen Vortrag über die Fortschritte der Thierschutzbewegung gehalten. Im Laufe seines Vortrages bai er auch folgenden schönen Satz ausgesprochen: „Ich bin zwar kein Antisemit, aber ich erkläre, daß das Schächtverfahren unserer jüdischen Mitbürger eine fxrchtbare Thierquälerei ist." Es ist eigenthümlich, in einer von Egidtz, diesem edlen Manne, der stets das Gute gewollt und nach dem Guten gestrebt hat, gegründeten Vereinigung antisemitische Propaganda treiben zu wollen. Als ich nach dem Vortrage Herrn Behringer auf die Haltu. Grundlosigkeit seiner gegen das Schächten gerichteten Behauptungen hingewiesen habe, hat er mich aufgefordert, ihn zu besuchen, 1 um mit ihm die Frage eingehend zu besprechen. Kurze Zeit darauf habe ich dieser Einladung auch Folge geleistet, da ich sehr häufig das Museum für Völkerkunde besuchte, das sich fast gegenüber dem Büreau des Berliner Thierschutzvereins befindet. Im Laufe dieser Unterredung habe ich die wahren Gründe der Bewegung gegen das Schächten erkannt. Vergebens habe ich mich auf wissenschaftliche Berühmtheiten wie Virchow und Du-Bois Reymond berufen, die das Schächten nicht nur nicht bekämpft, sondern sogar empfohlen haben. Vergebens habe ich darauf hingewiesen, daß es inhuman — also eigentlich den Zielen der Thierschutzvereine zuwider — sei, einer großen Masse von Mitbürgern durch das geplante Verbot das wichtigste Nahrungsmittel zu vertheuern oder sogar ganz zu entziehen. Vergebens habe ich behauptet, daß die Thierschutzvereine bester thäten, ihre Kraft und Energie für viel wichtigere Angelegenheiten aufzusparen, z. B. die Hetzjagden, wo die armen Thiere so unbeschreiblich zu leiden haben; — Alles vergebens, ich fand nur taube Ohren. Auf alle meine Einwände hat Herr Behringer garnicht eingehen wollen, hat statt dessen von „jüdischen Wucherern" (die Echtheit des Ausdrucks garantire ich!) gesprochen und eine lange Lobrede auf Herrn Liebermann von Sonnenberg, diesen edlen Ritter ohne Furcht und Tadel, gehalten. (Bekanntlich ist es immer Liebermann von Sonnenberg, der den Antrag des Schächtverbotes im Reichstage vertheidigt.) Dann hat Herr Behringer sich darüber gewundert, daß Juden die von ihm verfaßte Petition gegen das Schächten nicht unterschrieben haben. „Es wäre doch sehr wünschenswerth, daß unabhängige Juden selbst gegen diese Grausamkeit protestieren." Welch' rührende Naivität. Als ich am Schlüsse meiner Unterredung das vorzügliche Buch über die Schächtfrage, von Dr. Dembo, erwähnt habe, hat Herr Behringer auf Herrn Dr. Dembo und sein „jüdisches De,lisch" (authentisch^ gehörig geschimpft und dann hinzugefügt: „Wenn Sie Herrn Dembo sehen, sagen Sie ihm, er habe die ihm von den reichen Juden aufgetragene und bezahlte Mission gut ausgeführt, das Buch bleibt aber trotzdem voll Unsinn." Eine schöne und noble Art, seinen Gegner zu bekämpfen. Ich habe Herrn Dembo nicht gesehen, ich konnte ihm daher die schmeichelhaften Morte des Herrn Behringer nicht wiedergeben: ich werde aber jedem anständigen und vorurtheilslosen Menschen sagen, daß der von Herrn Behringer und seinen Freunden geführte Kampf gegen das Schächten nichts mit Thierschutz zu thun hat, sondern ein antisemitischer Schwindel ist und beibt. Pi. (Da Herr Beringer ein so ausgesprochener Antisemit ist, so mußten die jüdischen Mitglieder der Thierschutzvereine darauf binwirken, daß dieser Herr möglichst bald feines Amtes entsetzt wird. Red. d. „Jsr.") England. London, 12. Aug. (Zum letzten Tuberc u l o f e n - K o n g r e ß.) Bemerkenswerth ist ein Artikel, den wir in einem in England stark verbreiteten