Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 63 (12.8.1901)
- Date
- 1901-08-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Hettirngsnachrrchten «nt» Correfpottdemett. Deutschland. Berlin, 8. Aug. Dem „Nathanael"-Heft 6 entnehmen nur aus einem Bericht über die letzte „Allgemeine Missionskonferenz für die Arbeit der Kirche in Israel" eine Aeutzerung des Professors Dalmann, in der er sich mit „Judenmission und Antisemitismus" beschäftigt. Er kennzeichnete den Antisemitismus als eine politische Bewegung, die dem Wesen des Christenthums zuwider sei, wie denn auch die zielbewußten unter seinen Anhängern in ihrem blinden Eifer bis zur Verhöhnung der heiligen Schrift und zur Verwerfung oes Christenthums selber fortgeschritten seien. Der Antisemitismus habe in den Gegensatz zwischen Juden und Christen eine unnöthige Schärfe und Verbitterung hineingetragen und habe das Missionswerk unter Israel schwer geschädigt. Der christlichen Kirche sei der Vorwurf nicht zu ersparen, daß sie den unchristlichen Geist auf jener Seite nicht zeitig genug erkannt und seinem Treiben nicht entschieden genug begegnet sei. Eben dasselbe Blatt bringt einen längeren Artikel über die Judenmission in Amerika, deren es nicht weniger als 32'Gesellschaften gibt. Dieselben beschäftigen 160 Beamte, aber ihre Erfolge sind nach dem eigenen Zugeständnih des „Nathanael" sehr gering. Und es kann dies nicht überraschen, denn in einem freien Lande, wo die Mission dem Abtrünnigen nicht weltliche Vortheile bieten kann, ist kein Raum für die Seelenfängerei. Berlin, 9. Aug. Der Tod des früheren Kultusministers Dr. Bosse hat in der Presse vielfache Erörterungen hervorgerusen, die auch für uns von Interesse sind. Dr. Bosse hat sein Ressort sieben Jahre hindurch verwaltet und innerhalb dieses Zeitraumes oft Veranlassung gehabt, sich mit jüdischen Angelegenheiten zu befassen. Man kann nicht sagen, daß dies mit irgend welcher Voreingenommenheit geschehen ist. Im Gegentheil, Bosse legte Werth darauf, es notorisch festzustellen, daß er den Antisemitimus aus religiösen und Humanitären Gründen entschieden verwerfen müsse. Wenn die „Deutsche Zeitung" des Herrn Friedrich Lange aber trotzdem behauptet, „es sei seiner Verwaltung nachzurühmen, daß sie eine bemerkenswerthe Festigkeit gegen die Ansprüche des Judenthums zeigte," so ist das entschieden unrichtig. Der verstorbene Kultusminister hat auch etwa in sein Ressort fallenden jüdischen Bestrebungen ein gewisses Matz von Wohlwollen entgegengebracht. Die einzige ungünstige Maßregel seiner Verwaltung, die der Beschränkung jüdischer Lehrerinnen in den Berliner Gemeindeschulen, ist wohl kaum aus sein Konto zu schreiben. Dagegen verdanken >vir ihru eine Reihe von Verordnungen über den jüdischen Religionsunterricht an höheren Lehranstalten und über die Subventionirung jüdischer Volksschulen, die in jedem Sinne als dankenswerth bezeichnet werden müssen. Daß er das Ueberläuferthum jüdischer Professoren mißbilligte, hat Minister Bosse in scharfen Worten wiederholt ausgesprochen. Wenn er trotzdem nur selten jüdische Bewerber auf diesem Gebiete förderte, so lag dies wahrscheinlich nicht in seiner Macht. Er hatte nicht Kraft und Muth genug, um der Zeitströmung zu trotzen. Sein Wille war aber gut und er verdient die Anerkennung, die ihm nach seinem Tode von allen Seiten, selbst von seinen Gegnern, gespendet wurde. Alsfeld, 8. Aug. Heute verschied hier nach langem Leiden der Großherzogliche Notar und Rechtsanwalt Dr. Emil Stern, ein überaus frommer, braver und gottesfürchtiger Mann. Derselbe war ein Zadik im wahrsten Sinne des Wortes. Die gesetzestreuen Rabbinen der Umgegend eilten herbei, um seiner sterblichen Hülle die letzte Ehre zu erweisen. rraxjri. Bühl, 4. Aug. Heute Vormittag fand unter Betheiligung eines sehr zahlreichen Leichengefolges die Beerdigung des Herrn Maier Alexander Wertheimer statt. Der Verstorbene war eine in weiten Kreisen bekannte Persönlichkeit und begleitete während seines langjährigen Wirkens verschiedene Ehrenämter, wie Bezirksältester, Vorstand des isr. Schatzungsrathes und des isr. Wohlthätigkeits-Vereins etc. Herr Bezirksrabbiner Mayer hielt am Grabe eine ergreifende Leichenrede, in welcher er das bewegte und arbeitsreiche Leben und die Friedensliebe des Verblichenen ohne Unterschied der Konfession schilderte. Der Vorstand des isr. Wohlthätigkeits-Vereins, Herr Alb. Rosenseld, widmete dem Dahingeschiedenen als langjährigem Vorstand dieses Vereines, Worte des Gedenkens und des Dankes für seine ersprießliche Wirksamkeit. Der Verstorbene erreichte ein Alter von 76 Jahren und 3 Monaten. Briefkasten der Redaction. M. W. A: Auf unsere Briefkasten-Notiz in der Beilage Nr. 6 t d. Bl., bat sich der Direktor der Handelsschule in Gailingen. Herr Roß mann, bereit erklärt, nach eingehender Darlegung der Sachlage die Erziehung deZ betr. Knaben zu übernehmen. Ebenso ist Frau Kay enstein in Sckierstein a. Rh. bereit, den Knaben in ihrem Hause aufzunehmen und zu letten. Auch wolle man sich event. an E u g e n R o s e n z w e t g, Berlin, wenden. I. W. Neuß: Sonntag, O’DDttfß 'D üaff n'w. Dom Toilettentisch. Dr« Sch. Jede Dame hat ihre schönen Tage, welche mit Zeiten abwechseln, wo der Spiegel ihr Hn weniger befriedigendes Bild zeigt. Es ist dies eine Thatsache, welche wohl bei