Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 62 (8.8.1901)
- Date
- 1901-08-08
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1381 bedürfniß zu fein, daß sich die Gerichte recht viel mit seiner illustren Person beschäftigen. Wie hiesige Blätter melden, hat er sowohl gegen den kgl. Reallehrer und Landtagsabgeordneten Hermann Sickenberger, als auch gegen die Redakteure der „Reuen Bayer. Zeitung," Philipp Frick und Wilh. Krätzer hier, wegen Beleidigung Strafamrag gestellt. Veranlassung hierzu gab der von Herrn Sickenberger am 3. Juni l. I. in einer öffentlichen Versammlung des tathol. Männervereins St. Ludwig in München gehaltenen Vortrag, in dem er die in Nr. 131 der „Reuen Bayer. Zeitung" unter der Spitzmarke „Die Antisemiten in Wien" wiedergegebenen Aeußerungen machte. Oesterr. -Ung. Monarchie. Wien, 1. Aug. (Auswanderer aus R u - in ä it i en.) Am 24. Juli langte hier eine Reisegesellschaft an, die nach kurzem Aufenthalte ihre Fahrt fortsetzte; die Gesellschaft bestand auch acht Frauen und deren siebenundzwanzig Kindern im Alter von einem bis sechzehn Jahren, welche aus Rumänien stammen und über Wien zu ihren Ernährern nach Amerika befördert werden, welch' Letztere im Vorjahre durch die „Israelitische Allianz zu Wien" nach Amerika gesendet wurden. Diese Frauen und Kinder, die in Folge der Roth und des Kummers einen traurigen Eindruck machten, mußten während der im Sommer 1900 planlos erfolgten Emigrationsbewegung wieder zurück in ihre Heimath gehen, und da nun die Oberhäupter der betreffenden Familien in verschiedenen amerikanischen Städten nicht nur ihrm Unterhalt fanden, sondern auch den Frauen und Kindern einen solchen zu bieten im Stande sind, wurden diese auf Empfehlung der Vorstandsmitglieder der ..Allianz" von dem Komitee der ,.J. K. A." zur Beförderung ausgewählt und fahren über Leivzig nach Rotterdam, woselbst sie gleich eingeschifft werden. In Wien wurden diese armen Leute von den Bediensteten der „Israelitischen Allianz" vom Staatsbahnhofe in Stellwagen zum Nordwestbahnhof geleitet, dort mit Kaffee und Milch gelabt und um 11 >1 Uhr Vormittaas weitergesendet, nachdem sie noch mit Vroviant und Handgeld versehen ivorden waren. In Leipzig wurden sie ebenfalls erwartet und gesveist. Amerika. Ncw-?1ork. (Die Juden in den Vereinigten Staaten von Nordamerikas Unter der Ueberschrift „Jüdische Ausdauer und Fortschritte" veröffentlichte das dem Präsidenten McKinley nahestehende, leitende Blatt der republikanischen Partei, die „Rew-Bork Tribüne" (28. Junil folgenden Artikel: „Das Gruppenbild der Universitätshörer der Stadt Rew-Pork. welches wir am vergangenen Mittwoch brachten, hätte man fast für die Abbildung einer Vereinigung jüdischer junger Männer halten können, so zahlreich war unter diesen der unverkennbar semitische Typus vertreten. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt durch das Register, welches Namen jüdischen Ursprungs in auffallender Mehrzahl aufwies. War nun dieses Verhältniß eine Eigenthümlichkeit dieses einen Jahrgangs? Rein, an der städtischen Universität ist dies schon lange der Fall und wird dies Institut deshalb oft „die Universität der Juden" genannt. Diese Bezeichnung, die keineswegs einen Vorwurf bedeuten soll, könnte man beinahe auf fast alle unsere andern wissenschaftlichen Institute anwenden. Die zwei großen städtischen Universitäten haben unter ihren Hörern besonders in den juristischen und medizinischen Fakultäten eine auffallende Zunahme der Juden aufzuweisen. Diese Thatsache ist bezeichnend für den Geist der ganzen Raffe. Trotzdem die Juden, obschon zahlreich, nur eine kleine Minderheit der Gesammteinwohnerzahl unserer Stadt ausmachen, sind sie in den höheren öffentlichen Lehranstalten sehr stark vertreten, ebenso in den Universitäten. Möglich wäre ja, daß mehr Christen als Juden auswärtige Universitäten aufsuchen, doch ergieot die Statistik, daß eine verhältnißmäßig größere Anzahl Juden als Christen in unserer Stadt nach höherer Bildung streben, daß der Bildungsgrad unter Juden ein höherer als unter den Christen ist. Letzteres ist sicher unter den ärmeren Klaffen der Fall; denn biete der jüdischen Hörer stammen aus dem ärmsten Stadttheil, welcher sicherlich seine christlichen Knaben nicht an die Universitäten entsendet. Auch besuchen die jungen Juden nicht blos in großer Zahl die höheren Schulen. Sie sind dabei die besten Schüler und überflügeln ihre christlichen Kameraden, wie die Zahl der Prämiirten unter ihnen beweist. Wie bereits oben bemerkt, ist dies bezeichnend für den Geist der semitischen Raffe, für ihre besondere physische und intellektuelle Veranlagung, für ihre Lebensfähigkeit und Zähigkeit, für den Muth und die Ausdauer, mit der sie alle Hindernisse überwinden und für ihre Fähigkeit, vor allen anderen meistens ihr Ziel zu erreichen. Ein ähnliches Beispiel hat bis jetzt die Geschichte einer andern Ration nicht aufzuweisen. Alle vorchristlichen Rationen sind untergegangen, nur die jüdische, eine der ältesten Rationen, entfaltet sich noch heute trotz viel tausendjähriger Verfolgung und Unterdrückung in vollster Kraft und hat sich nach 4000 Jahren die gleiche Individualität, dieselben Eigenschaften erhalten, die sie schon im Alterthum als ein „auserwähltes Volk" auszeichnet. Schon zu Zeiten Egyptens. Athens und Roms sind die Juden das Ziel der Verfolgung und Unterdrückung gewesen; heute noch sind sie bei fast allen christlichen Völkern mehr oder weniger Gegenstand des Haffes; trotz alledem stehen sie in Wirklichkeit unüberwindlich (irrepresible and indomitaMe) in den ersten Reihen der modernen Kulturvölker. Wir sehen hier einen geschichtlichen Vorgang, welcher die Bewunderung und das Staunen der Welt herausfordert."