Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 58 (25.7.1901)
- Date
- 1901-07-25
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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für das Mrthodoxe MuderrthumÄ |'C^/v\ O S E S s3-- lNr. 14. 5. Juli 1901] ^SßJZS&laSSU msm. wm er bekehrte Judenfeind. Novelle von Im großen Kölner Karnevalstrubel geschah es, daß Salomon Loewenstein, ein etwa vierjähriges Bübchen, urplötzlich von der Hand seiner Wärterin verschwand. Nach langem, trostlosen Umherirren in der großen Stadt erbarmte sich schließlich eine des Weges kommende Schneidersfrau des armen, weinenden Kindes, das, durch das feuchte, kalte Wetter leidend, mit den großen, dunklen Augen zu ihr ausblickte, und nahm es mit in ihre Behausung. Zum Glück war Hildebrandt, ihr Gatte, nicht daheim. Als eifriger Anhänger Ahlwardt's würde er es kaum dulden, daß seine Frau einem Kinde mit Namen Salomon, sowie unleugbar jüdischem Typus, irgend eine Wohlthat erweise. Gutherzig, wie Frau Hildebrandt nun einmal war, reichte sie Salomon Speise und Trank, und bettete das übermüde Kind auf einem mittels Stühlen hergerichteten, provisorischen Lager. Keine zwei Minuten lag der späte Gast in den sauberen Kissen, da verriethen die regelmäßigen, tiefen Athemzüge, daß er bereits eingeschlafen. daß sein heißes Verlangen nach Vater und Mutter gestillt, in süßem Schlaf Vergessenheit gefunden habe. Frau Hildebrandt setzte sich darauf an den Tisch und nähte. Ihr eigenes, kaum zwei Jahre altes Kind schlief ebenfalls im Nebenraum, von sorgender Mutterliebe treu bewacht. „Ach/' denkt sie bekümmert, „wie mögen die Ange- *) Die Verfasserin, eine Vichtjüdiii, van der wir bereits vor einicien Jahren das schöne Geschichtchen: „Alfred" veröffentlichten, war so freundlich, mit der vorstehenden herrlichen lLr.vihlnno wiedernni die tsescr des „Israelit" ^n erfreuen, lvofür wir ihr an dieser Ltclle unseren Tank aussprechcn. „Red. d. Zsr." d u I l11. sNachdruck verboten.j hörigen Salomons in quälender Sorge um ihren Liebling sein!" Unruhig rückt sie aus ihrem Stuhle hin und her. Auf die Uhr an der Wand blickend, murmelte sie: „Gleich zwölf. Nun könnte er doch bald kommen. — Vielleicht ist das verlorene Kind bereits bei der Behörde angemeldet. Hätte ich nur Jemand, der die nächste Polizeiwache in Kenntniß setzte." Langsam rückte der Stundenzeiger vorwärts. Hildebrandt scheint in vergnügter Gesellschaft. Endlich, die Uhr schlägt eben drei, da kommt er etwas unsicheren Schrittes die Treppe herauf. Frau Hildebrandt ergreift die Lampe, um ihm zu leuchten. Ihre Hand zittert leicht. Eine gewisse Unruhe bemächtig: sich ihrer, jetzt, wo die Begegnung ihres Gatten mit dem kleinen Findling nahe bevorstand, zumal jener ein Glas über den Durst getrunken zu haben schien. „Na nu — alte Nachteule, auch noch auf? — was — weßhalb liegst Du — noch nicht in — in den Federn?" lallte er mit schwerer Zunge. Damit stolpert er an seinem Weibe vorbei über die Schwelle und läßt sich schwerfällig am Tische nieder. Seine, über die Stuhllehne baumelnde Hand berührt des kleinen Schläfers dunkles Lockentöpschen. ,/st — nicht so laut, Aloys," mahnt die Frau, ängstlich nach Salomon blickend. „Wie — was — wer will — mir das wehren. Bin — bin ich hier — nicht — nicht mein eigener Herr? — he! — Zahle — ich — ich nicht meine Miethe?" — „Doch — doch. Aber —"