Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 57 (22.7.1901)
- Date
- 1901-07-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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/ mriSVH£y>9r.s*'-,^7 Tf- 42. Jahrqana. J 4 'M 57. Kenlrak-Hrgan für das orthodoxe Zudenlhum. Begründet von Br. fe^matm in Mainz Montag, Ven 22. Juli 5tZ0t ilBOt>« » Bnu't ülavh abonnlrt man bei allen Postanstalten für die Monate Aag'ust & September auf den Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitung ssckialter deö Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem verreisenden Landbriefträger aufgeaeben werden. W0F" Die Briefträger sind berechtigt, den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen des Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland enlfvrechenv höher. Me Expedition des „Israelit" Leitender Artikel. —„Licho?!" (Zu Ciscko be-Aw.) Von Robb. Hcinr. Galandauer, Saborten (Böhmen). Der große, tief traurige und doch so beseeligende Gedenktag ist gekommen. Ach, welch' ein süßes Schmerz- und Wonnegefühl ist es, an der treuen Mutterbrust seinen langverhaltenen Schmerz auszuweinen! Still und mit Zagen im geräuschvollen, lärmenden Weltgetriebe, verdüstert und verbittert unter der fröhlichen, jauchzenden Menge, trübe und finster im strahlenden Sonnenglanze, zitternd fröstelnd in glühender Sommerszeit, so wandelst du gottbegnadetes, gotterwähltes Israel deinen jahrtausende langen Weg durch Feindesland, während deine Seele, dein Sinn in verzehrender Sehnsucht bei deiner erhabenen Mutter weilt, bei der Tochter Zions! Nun ist die Zeit da, wo du deinen Thränen freien Lauf gewähren darfst, wo deine Schmerzensschreie gen Himmel erschallen, deine Hilferufe zu deinem göttlichen Erlöser emporsteigen dürfen. So setze dich denn zur Erde, umhülle dein Haupt in Trauer, laß' deine Schmerzenslieder erklingen, stimme an deine wehmuthsvollen Klagegesänge, laß' all' die schauervollen Bilder aus deiner Vergangenheit an deinem Geiste vorüberziehen: die flammenden Scheiterhaufen, die blutgetränkten Felder, den Hohn und die Demüthigung, die Folterqualen und Martern, den Jammer und die Thränen deiner unvergleichlichen Märtyrer, deiner heroischen Glaubenshelden, und während deine Seele ergriffen weint, ob all' dieses unermeßlichen Ungemachs deines armen, zertretenen Volkes, schweifen deine Sinne weit, weit zurück in jene uralten Zeilen, wo Zion und Jerusalem noch in Pracht und Herrlichkeit prangten, und traumverloren gaukelt dir die Phantasie die entzückendsten Bilder deiner längst entschwundenen Größe vor. Du erblickst auf dem Morijah die hochragende Residenz des Weltenkönigs, auf Uriel die stolze Davidsburg, auf Zion den Thron der Weisheit, die Stätte der Wahrheit und Gerechtigkeit, die einen Strom von Licht und Erkenntniß, eine Fülle des Heils und des Segens über die ganze Erde ausgießt. Du schauest die herrliche Gottesstadt mit ihren Thürmen u. Zinnen, mit ihren Palästen und Palisaden, mit ihren glanzerfüllten belebten Straßen; du siehst die lustwandelnde Menge in den Laubgängen Sarons, die blumengeschmückten Jungfrauen Zions, an der Seite Jeruscholajims Jünglinge. Von Karmels Höhen, von En- Gedis Weinberge widerhallt das jauchzende „Hedad". Ein Hauch der Weihe und der Seligkeit durchzieht die liebliche Landschaft und wie Paradieseswehen berührt es dein Gemüth und erfüllt dein Herz mit beseligender Wonne. Da plötzlich vernimmt dein Ohr einen Gesang, so rührend und ergreifend, so angstvoll zitternd, so schaurig hohl und tief, wie Grabesstimmen aus der Tiefe der