Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 56 (18.7.1901)
- Date
- 1901-07-18
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1249 So hart auch manche Bestimmungen dieses Vertrages lauten, so meint Prof. Dr. Kaerger doch, sie schienen ihm größlentheils zur Aufrechthaltung der Ordnung durchaus geboten zu sein. Nur über die Festsetzung der Auflösungsklausel in einer so schroffen Form könne man anderer Meinung sein. Es werde sich übrigens zeigen, daß im Interesse der Kolonisation selbst es sich empfehlen wird, diese Klausel nur in solchen Fällen anzuwenden, bei denen es sich darum handelt, gänzlich unbrauchbare Subjekte los zu werden, deren längere Anwesenheit in den Kolonien einen verderblichen Einfluß auf ihre Mitkolonisten ausüben würde. Zeitungsnachrichten und Corresporrderrzen. Deutschland. Leipzig. (Die B a n k b r ü ch e in Deutschl a n d.) Von den Bankbrüchen, welche in Deutschland so unliebsames Aufsehen gemacht haben, haben wir bisher nur kurz Notiz genommen. Nun hat man aber von antisemitischer Seite versucht, auch aus diesen Kapital zu schlagen, und dies veranlaßt uns, auf diese Ereignisse, welche im Wesentlichen gegen die antisemitischen Nedensarten beweisend sind, näher einzugehen. Gegen die Börse läßt sich aus den Bankbrüchen irgendwelche Folgerung nicht ziehen, im Gegentheil haben gerade die Börsen die Zulassung der jungen Treberaktien zur Kursnotiz verweigert und dadurch eine heilsame Warnung ergehen lassen. Auch hat gerade das hauptsächlichste Börsenorgan Deutschlands, die als „Judenzeitung" besonders verschrieene „Frankfurter Zeitung" auf die Zustände der Trebergesellschaft, der Spielhagenbanken und der Mecklenburg-Strelitzer Hypothekenbank in wiederholten Artikeln aufmerksam gemacht. Andererseits ist bei den ganzen Vorgängen kein Jude betheiligt. Dies ist gewiß insofern ein Zufall, als auch Juden bei Gelegenheit sich Aehnliches haben zu schulden kommen lassen, andererseits doch nicht ganz Zufall, weil selbst in dem „verjudeten Bankgewerbe" in Folge der antisemitischen Strömung Juden nur schwer in leitende Stellungen gelangen. Wenn man bedenkt, welch' riesiges Aufsehen die Bankbrüche von Hirschfeld u. Wolfs und Friedländer u. Sommerfeld im Jahre 1891 machten, die dem Antisemitismus in Deutschland außerordentlich Vorschub leisteten, und wenn man bedenkt, daß es sich hierbei um einige wenige Millionen handelte, etwa so viel, wie allein das Trebergeschäft jährlich Zinsen erfordert, so darf man gewiß unserer Behauptung zustimmen, daß die unseligen Ereignisse auf dem Effektenmarkt im Wesentlichen gegen die üblichen antisemitischen Behauptungen etwas beweisen. In dieser Verlegenheit hat man versucht, die Bankbrüche gewissermaßen auf jüdische Machenschaften zurückzuführen, wie es ja überhaupt üblich ist, daß die Diebe „haltet den Dieb" schreien. Schon beim Krach der Spielhagenbanken wurde von „finanziellem Ritualmord" gesprochen und ähnlich wird jetzt behauptet, daß der Zusammenbruch der Leipziger Bank von der Haute Banque herbeigefllhrt oder wenigstens gern gesehen sei, die dabei ihren Profit mache. (Vergl. z. B. „N. Bair. Landesztg." v. 27. Juni; „Bayr. Vaterland" v. 29. Juni; „Deutsche Wacht" v. 27. Juni etc.) Gegen derlei Auslassungen wendet sich in einem sehr verständigen Artikel vom 30. Juni das „Leipziger Tageblatt," welches gewissermaßen das nächste dazu ist, und welches sich, um seinen Worten Gewicht zu verleihen, mit Recht darauf beruft, daß es über den Verdacht philosemitischer Neigungen erhaben ist. Es bemerkt treffend in diesem Artikel, daß die Leipziger Bank mit ihren 48 Millionen Kapital und 14 Millionen Reserven doch auch zu den Großbanken gehöre, daß die Großbanken den Krach der Leipziger Bank vielmehr als ein llnglück ansehen, welches sie indessen bei der riesigen Ausdehnung des Trebergeschäftes nicht abwenden konnten. Es ist also aus den Vorgängen nichts weiter in Bezug auf die Frage des Antisemitismus zu entnehmen, als daß bei diesen Schwindel-Vorgängen, bei welchen dem deutschen Volkswohlstand mehrere Hundert Millionen verloren gegangen sind, „kein Jude als Thäter betbeiligt ist." Wenn aber in den Leitartikeln der verschiedenen antisemitischen Blätter Haß gegen die Großbanken zu Tage tritt, so ist es eine eigenthümliche Ironie des Schicksals, daß die Feinde der Börse durch das Börsengesetz gerade selbst dazu beigetragen haben, die Stellung der Großbanken in schnellerem Tempo und in größerem Maße zu verstärken, als dies allein durch die wirthschaftliche Entwickelung geschehen wäre. Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Leipzig, auf Gegenseitigkeit errichtet 1990 (alte Leipziger). In der ersten Hälfte des Jahres 19(0 sind 9602 Anträge über M. 27 659 700 Versicherungssumme (M. 2 290 200 mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres) eingegangen und 9075 Versicherungen über M. 22 £69 900 (M. 1 472 600 mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres) abgeschlossen worden. Es hat sich damit der Versicherungsbestand auf 611 Millionen Mark gehoben, während das Vermögen auf 204 Millionen Mark angewachsen ist. Bei der alten Leipziger Glsellschaft, die eine reine Gegenseitigkeitsanstalt ist, fließen alle Ueberschüsse in Gestalt von Dividenden den Versicherten wieder zu, die aus diese Weise bis jevt 71 Millionen Mark erhalten haben. Im laufen' den Jahre beträgt die Dividende für die länger als fünf Jahre bestehenden Versicherungen beim Divioendenplan A, wie seit mehr als einein Jahrzehnt, 42"/« der ordentlichen Jahresbeiträge bei abgekürzten Versicherungen außerdem noch J,5 /0 der Summe der gezahlten Zusatzprämien; beim Dividendenplan V gelten steigende, nach der Dauer der Versicherung abgestune Dividendensätze, die die Leipziger Gesellschaft in der von Anfang an in Aufsicht gestellten Höhe fortgewährt, während viele andere Gesellschaften sich gezwungen gesehen haben, ihre steigende Dividende herabzusetzen.