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Der Israelit · 1901-07-18 · Heft 56 (18.7.1901) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 56 (18.7.1901)
Date
1901-07-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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- 42« Jahrgang. Zweite Anlage zu M 56 des «Israelit". i gekommenen Einwanderer, auf deren Auswahl in Ruß- Leitender Artikel. lic jüLischt» 'Mctimiiföliiiiitii in Arscntinit». Bon agrarischer Seite ist jüngst behauptet worden, es gebe wohl jüdische Rittergutsbesitzer, aber keine jüdischen Bauern, die selbst arbeiteten. Dieser Behauptung ist von der „Voss. Zeitung" in einem Hinweise auf ein Dorf in der oldenburgischen Enklave Birkenfeld widersprochen worden. Daß aber die Juden auch im Ackerbau und Kolonisation Tüchtiges leisten können, zeigt ein amtlicher Bericht, den Professor Dr. Karl Kaerger, landwirthschastlicher Sachverständiger bei der kaiserlichen Gesandtschaft in Buenos-Ayres, ans Auswärtige Amt über die jüd. Kolonien in Argentinien erstattet hat. Er ist in dem soeben erschienenen umfangreichen Werke: Landwirthschaft und Kolonisation im spanischen Amerika" von Professor Dr. Karl Kaerger (2 Bände, Leipzig, Verlag von Duncker und Humblot, 1901) im ersten Bande, der von den La Platastaaten handelt. Der Verfasser hat in seinen eingehenden Berichten über die Landwirthschaft der betreffenden Länder auch die fremden -Kolonien, die Ansiedelungs- und Fortkommensverhältnisse, die Löhne und Verdienste, die Erträgnisse aus dem Weizenbau und der Viehzucht, den Export u. s. w. auf das Gründlichste behandelt, und so kommt er aus die Gründungen des Barons Hirsch zu sprechen: „Von den mit dem Gelde des Baron Hirsch in's Leben gerufenen Kolonien liegt Mauricio in der Provinz Buenos Ayres, Moysesville in Santa Fe, Clara und eine Anzahl anderer in der Nähe von Clara liegender Kolonien in Entre Rios. Die der letzgenannten beiden Provinzen — schreibt Dr. Kaerger — habe ich besucht und bin über die große Fläche Landes, die diese russischen Juden bereits unter Kultur gebracht haben, ebenso erstaunt gewesen, wie über die große Anzahl blonder, dem sonstigen jüdischen Typus gar nicht gleichender Personen, die ich unter ihnen angetroffen habe." Nach der Aussage der betreffenden Verwalter haben im Jahre 1896 in Moysesville 103 Familien 83 Quadratkilometer, in Entre Rios 300 Familien der einen Verwaltung 120 Qkm. und 400 der anderen 140 Qkm., jede Familie also im Durchschnitt 81, bezw. 40 und 36 Hkt. unter Kultur gebracht. Dieses Ergebniß ist um so erstaunlicher, als nur die Einwanderergruppe, die zuletzt angelangt ist, von zu Hause aus Landwirthe waren, während die vorher land keine Sorgfalt verwendet worden war, zumeist städtischen Berufen angehörten, und als bisher in Folge unverschuldeten Mißgeschicks, insbesond. Heuschreckenfratzes, noch niemals eine leidliche, geschweige denn eine gute Ernte erzielt werden konnte. Die besten Resultate mit den Kolonisten sind in Moysesville erzielt worden, was, wie es scheint, ausschließlich dem derzeitigen Verwalter, einem Landwirthe, der in Deutschland die Landwirthschaft auch theoretisch studirt hat, zu danken ist. Unter den ersten englischen Verwaltern sollen die Kolonisten so gut wie gar nichts geleistet, sondern sich, ohne Sorge um die Zukunft, auf den anscheinend unerschöpflichen Säckel des Baron Hirsch verlaffen haben. Erst nachdem der jetzige Verwalter die Regel einführte und streng durchsetzte, daß nur derjenige, der wirklich ernsthaft gearbeitet hatte, die monatliche Unterstützung von 8 Pesos erhielt, wurde etwas geleistet und zwar wurden 1894 18 Qkm., 1896 42 und 1896 86 Qkm. von der gleichen Anzahl von Familien angebaut. Die Anordnung der Loose, die regelmäßig 100 Hektar groß sind, und von denen nur wenige große Familien zwei zugewiesen erhalten haben, ist in den verschiedenen Kolonien verschieden. In Entre Rios hat man theils die Dorfform gewählt, theils die Einzelsiedlung, bei welch' letzterer man aber meist die Häuser von zwei oder vier Grundstücken nahe zusammenstoßen ließ. — Eine eigenartige Siedelungsform zeigt Moysesville. In der Mitte liegen hier die Administrationsgebäude, die Synagoge und das Schulhaus, an die nach der einen Seite hin sich eine Gemeinweide von 60 Hektar Umfang anschließt. An den beiden Längsseiten dieses Gemeindelandes erstreckt sich je eine nach diesem offene Reihe von Häusern, von denen jedes nach der anderen Reihe hinein zur Gartenbenutzung und zur Anlegung von Alfalfares (zum Anbau von Luzerne) bestimmtes Stück Land von zehn Hektar zugetheilt erhalten hat. Eine ebensolche Reihe von Häusern mit Gartenantheilen läuft parallel mit den öffentlichen Gebäuden, die es also von der dritten Seite des Gemeindelandes trennen, während die vierte Seite des Gemeindelandes offen geblieben ist. Die eigentlichen Feldgrundstücke liegn außerhalb des Häuserkomplexes, wobei natürlich nicht zu vermeiden war, daß einige der Kolonisten ziemlich weit bis zu ihren Aeckern zu gehen haben. Um diesen das Zurücktreiben des Viehes bis auf die am Hause liegenden Kämpe oder Alfafaweiden zu ersparen, sind sie angehalten worden, in einer Ecke ihrer Grundstücke einen 3—4 Hektar großen Alfafar anzulegen, auf dem Thiere, nachdem sie gewechselt worden sind, den Rest des Tages weiden können. Die große Geeignetheit des Landes für den Alfalfarbau und die schlechten Weizen-

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