Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 55 (15.7.1901)
- Date
- 1901-07-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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WWM'M 1226 der Ddeffaer Universität, der Regierung vorzuschlagen, die Beschränkung der Zahl der in den Mittel- und Hochschulen aufzunehmenden Juden auf höchstens 10 Prozent gänzlich aufzuheben. Die Verwendung der Profefforen zu Gunsten der Juden ist umso bedeutungsvoller. als diese Herren der ruffischen Negierung ihren Rath nicht ungebeten ertheilen. Vielmehr wurden die Professoren aller Universitäten von dem neuen, überaus thatkräftigen Kultusminister ausdrücklich um ihren Rath gebeten. Leider sind zur Zeit jedoch wenig Aussichten vorhanden, daß die Regierung die Verwendung weniger Profefforen einer einzigen Universität berücksichtigen wird. Es ist das umsoweniger zu hoffen, als General Wannowski keineswegs besonders judenfreundlich gesinnt ist. Wenigstens hat er, wie jetzt bekannt wird, vor einigen Wochen an die Kreis-Schulinspektoren ein Rundschreiben gerichtet, in welchem diese aufgefordert werden, darauf zu achten, daß die bestehenden Vorschriften in Bezug auf die Zulaffung jüdischer Abiturienten zum Universitätsstudium ganz genau befolgt werden. %. Palästina. Jerusalem. (E r n t e a u s s i ch 1 e n.) Die Folgen der trocknen Witterung machen sich dem Auge zunächst in der Flora des Landes bemerkbar. Zwar wetteiferten auch dies Mal die Blumen aller Art, ihren Schöpfer im schönen Frühlingskleid zu loben, aber die Pracht war von kurzer Dauer und vermochte nicht so kräftig wie sonst in die Erscheinung zu treten. In erster Reihe sind es Getreidearten, die in Jahren der Dürre die sorgenvolle Frage auf die Lippen drängen: Was werden wir essen? Ueber den Ausfall der Ernte selbst läßt sich noch kein genaues Resultat feststellen, doch wird dieselbe im Gebirge jedenfalls spärlich ausfallen. Die ungünstigen Ernteaussichten haben bereits eine Vertheuerung des Weizens und der Gerste zur Folge gehabt. Empfindlicher noch als in den Gewächsen des Feldes macht sich das Ausbleiben des Regens in dem geringen Waffervorrath in fast allen Cisternen schon jetzt geltend,- denn Getreide bezw. Mehl kann man ja importiren, und es sind auch schon ganze Schiffsladungen von Mersina in Nordsyrien angekommen. Schwieriger ist dagegen die Beschaffung des Waffers für Menschen und Vieh. Zu dem Behufe fängt man bereits an, von den Quellen der Nachbarorte her Waffer zu beziehen und die Cisternen zu füllen. Unwillkürlich wird man dabei an die Worte Arnos' (4, 8) erinnert: „Es zogen zwei, drei Städte zu einer Stadt, daß sie Waffer trinken möchten, und konnten es nicht genug finden." Die Bewohner des Dorfes Lifta verkaufen den Ziegenschlauch Wasser (30—40 Liter) um 20 Pfg., ein verhältnißmäßig geringer Preis, der sich hier in Jerusalem etwas höher stellt. Des Wassermangels wegen hat die Regierung die Sistierung fast sämmtlicher Bauarbeiten angeordnet. Aus demselben Grunde sahen sich die großen Dampfmühlen von Bergheim und Feingold veranlaßt, ihren Betrieb einzustellen. Unter dem Eindruck der diesjährigen Erfahrungen hat unsere Stadtbehörde sich wieder eifrig mit dem Plan einer Wasserleitung von den etwa fünf Stunden südwärts gelegenen Quellen des Wadi Arub beschäftigt. Wie man hört, wünscht der Sultan die baldige Herstellung derselben. und haben er und die Consuln der hier vertrete nen Staaten namhafte Beiträge dafür gezeichnet. Um noch inehr Geld flüssig zu machen, gedenkt man, den Stadtgarten und die Plätze am Gichon-Teich zu verkaufen; aber die zur Ausführung des Werkes nöthige Summe wird damit noch lange nicht beisammen sein. Eine Inangriffnahme noch in diesem Sommer wäre auch im Interesse der armen Landbevölkerung sehr zu wünschen, da sie hierbei Beschäftigung finden könnte. Das Bauverbot, welches bereits auf den Geschäftsgang solcher Firmen, die im Hausbau zu verwendende Artikel führen, stockend wirkt, drückt insbesondere die umliegenden Dörfer, deren Bewohner bisher vielfach als Bauleute, Steinmetzen, Steinbrecher, Handlanger, Kalkbrenner lohnende Arbeit in der Stadt gefunden haben. „El-'agele min esch-schitan," „Die Eile ist vom Teufel" denken vielleicht die Jerusalemer Stadtherren in Ermangelung des wohlgefüllten Geldsackes, und so mögen die Wasserträger noch lange Zeit das köstliche Naß in ihren Ziegenschläuchen feilbieten, bevor die Hausfrau es in der Küche durch eigenen Druck des Wafferleitungshahns erhalten kann. Langsam aber geht es doch da und dort voran. Von der zwischen Jerusalem und Nabulus, dem alten Sichem, geplanten Straße ist die Theilstrecke bis el-Bire in einer Länge von drei Stunden fertiggestellt. Deßgleichen führt eine solche von den Teichen Salomos nach Urtas ab. In Jericho ist seit kurzem eine türkische Pastagentur errichtet und so konnten wir bei unserem diesjährigen Frühjahrs-Ausflug in die Jordansau unseren lieben Freunden direkt von der Palmenstadt aus Grüße entbieten. In dem abgelegenen Bir es-Seba (Beerschewal ist ein Kaimakam (Gouverneur 3. Ranges) installirt worden, in der Absicht, die Herrschaft des Sultans weiter auszudehnen, die Beduinen gefügiger zu machen und befriedigendere Auskünfte zu erreichen. Es kann nicht verhehlt werden, daß in den letzten Jahren unter dem Gouvernement des im Jahre 1898 hierher gekom menen Muksarrif Tanfik Pascha manche Fortschritte gemacht worden sind; umsomehr wird deßhalb seine nunmehr bekannt gewordene rasche Abberufung bedauert. Seine Beförderung zum Mali (Statthalter) von Saloniki ist ein Beweis dafür, daß auch in der Türkei Energie und Tüchtigkeit eines Beamten noch ihre Anerkennung finden. Briefkasten der Erpedition. M. G. in H.: M. 5.— erhalten. S. Trompeter in B.: Hoorn in Nieder-Holland.