Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-07-15 · Heft 55 (15.7.1901) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 55 (15.7.1901)
Date
1901-07-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449199--53776-2504457
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

42. Jahrgang. M SS Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodore Iudenlhum. Begründet von •r. in Montag, de« 15. Juli 5661 (1901). leitender Artikel. Das orthodc>Xe Äudenthum. Von Will). LSwy in Sarbogard, Ungarn.*) V. Der orthodoxe Jude. Das unverfälschte Judenthum kennt keinen Gegensatz zwischen Theorie und Praxis, zwischen Lehre und Leben. Keine Chimären stellt unsere heilige Thora hin, nicht jagt sie Utopien nach; wenn wir daher kurz angeben wollen, lvas und wer ein orthodoxer Jude ist, so brauchen wir nur zu sagen, daß ein orthodoxer Jude den Anforderungen des orthodoxen Judenthums, wie wir es im zweiten Kapitel in schwachen Umrissen darzustellen versuchten,**) in vollem Umfange gerecht zu werden sich bestrebt und sie in allen Lebensverhältnissen nach bestem Können und Vermögen bethätigt. Doch einige Anklagen, die von neologer Seite gegen die orthodoxen Juden erhoben werden, veranlassen uns, diesem Thema einige Zeilen zu widmen und dieselben auf ihre Richtigkeit zu prüfen, umso eher, da mau bei so dreist erhobenen Verleumdungen wenigstens ein Körnchen Wahrheit vermuthet und bei mehr als einem aus diesem Grunde den gewünschten Zweck doch nicht ganz verfehlen. Sagt doch auch jenes bekannte lateinische Sprichwort: Ludact^rvalumniiiie, semper illiquid liaeret. ' y Forrsetzunq aus Nummer 51. Druckfehler-Berichtigung: 1076, erste Spalte, zweite Zeile von unten» soll es heißen: sein Gegenbild; zweite Spalte im dritten Absatz, dritte Zeile heißt es richtig: widerlegt unsere These nicht. S. 1137 im zweiten Absatz soll es heißen: Heil dem Menschen — sagt der Psalm ist - :c. der frommen Wege sind in ihrem Herzen :c.; in der letzten Zeile daselbst: (Pr o v. 8, 22. 32). **) S. Nr. 48. Gewöhnlich werden Beschuldigungen im Umlauf gesetzt: die Orthodoxen meinten es nicht ehrlich, sie seien nicht friedfertig, nicht wohlthätig genug etc. Die echte Orthodoxie hat stets darauf geachtet, die Person von der Sache zu trennen und beide nicht miteinander zu verquicken, was freilich bei „Modernen" nicht gut angeht. Es kann daher auch nicht in unserer Absicht liegen, und nichts steht uns so fern, als für die Ehrlichkeit, Friedensliebe und Wohlthätigkeit, für die lautere Gesinnung der Orthodoxen eine Lanze zu brechen; wohl aber möchten mir den Beweis liefern, wie unsinnig, und noch mehr als das, wie höchst verwerflich eine derartige Anklage aus jüdischem Munde ist. Was ist der Zweck und das Lebensziel eines orthodoxen Juden? Die überkommene väterliche Religion ungeschmälert aufrecht zu erhalten und sie auf seine Kinder voll und ganz zu vererben. Daß diese Religion, die der Anfang und Ausgangspunkt der Kultur und Civilisation geworden ist, schlecht und inferior sei, wagt auch die radikalste Reform nicht zu behaupten, sondern gibt nur vor, daß sie heute im Ganzen nicht brauchbar, weil nicht zeitgemäß sei. Jeder Reologe muß so viel Rücksicht gegen die jüdische Religion, oder was dasselbe ist, gegen das orthodoxe Judenthum haben, wenn er noch den Namen „Jude" tragen will, daß er diese Religion nicht als verdammenswerth hinstellt; denn schließlich darf er nicht einen Moment aus den Augen verlieren, daß seine Väter oder Großväter für dieses Judenthum, das heute orthodoxes Judenthum heißt, Gut und Blut eingesetzt haben, und weder Wasserfluthen, noch Feuergluthen waren im Stande, dieses Judenthum aus ihrem Herzen zubannen. Will also der sog. neologe Jude nicht mit dem Antisemitismus paktiren, so wird er gegen die historische Wahrheit und seine eigene Abstammung eine gewisse zarte Rücksicht gelten lassen müssen und der Orthodoxie die gebührende Achtung und seinen Ahnen im Grabe die gebührende Pietät nicht versagen können. Behauptet nun trotzdem ein Jude, und mag er welche Beifügung immer dem Worte „Jude" voran-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.