Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 53 (8.7.1901)
- Date
- 1901-07-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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4S. Jahrgang._ Meikaqe zu Jf* 53 des „Israelit". ^literarischer Bericht. Tie b inriclnungen dee« 9 o s ch cr-F-leis ck-V e r tau so, nntcr ^[mibercr Berücksichtigung der Zeichnnngs- und StempelungS-Methoven. Dargestcllt von Dr. 'Vi. (5 a f) n , Provinzialrabbiner in Fulda. Verlag v-'n A. I. H n s m a n n , Frankfurt a. M. 1091. Der durch se'ne weise Fürsorge und rastlose, energicwolle Wirksancleit zur Förderung aller jüdisch-religiösen Anliegen rühmlich bekannte Verfasser bat in der vorliegenden Schrift seine Aufmerksamkeit einem Gegenstände zuge'vendet, der leider vielfach im Argen liegt. Ist vier jede Anregung zum Bessern mit Freude zu begrüben, so 'st sie es doppelt, wenn sie von so bewährter, autoritativer Seite ausgeht, Es ist nicht nur der Gegenstand der Bebandlung, sondern auch die Behandlung dev Geaenüandes, welche ^iese Schrift der Aufmerl sau'teit der Rabbinen, Schächter, Gemeindevorsteher, 0,r'. allen denen emvsieblt, uoelchen die Sorge um das intakte Kaschrus ihrer Geineinde wirklich ein Gegenstand ernster Sorge ist. Dast eine Geineinde einen getvistenhaften Schochei baten kann, und trotzdem der Gefahr ausgesetzt ist, sornvährcnd Fleisch zu geniesten, kvelches ns-L ist. das ist eine Thatsache, die, so feststehend ste auch ist, doch vielleicht nicht die rechte Würdigung findet. Wenn das Sleisch von nicht-jüdischen Metzgern verkauft wird, oder accch von jüdischen, welche nicht die erforderliche religiöse Gewissenhaftigkeit besitzen, so ist der Täuschung und dem offenbaren Betrug Thor und Thür geöffn-ü. Wobt wird das Fleisch dann durch Stempel, Siegel oder Plumpen gezeichnet, aber welche betrügerische Manipulationen mit diesen Zeichen alle nicht nur möglich sind, sondern wie sie thatsächlich täglich Vorkommen, das erfahren viele harmlose Consumenten von Soscherslcisch erst durch diele Schrift. Der Verfasser kennt alle Praktiken und Betrügereien aus eigener, vielstibrig-'r Grsabrnng und tbeilt sie uns in dieser Schrift so eindringlich und ungeschminkt mit, dast Niemand diese Partbien lesen kann, ohne zu einer Umsrbau in seinem eigenen Kreise angeregt zu werden. Die Kenntnist dieser Miststände und das energische Bestreben, gründlich init ibnen anfznränmen, hatte in der Gemeinde des Verfassers einen zweijährigen Metzgerstrike zur Folge, aus dem die zielbewusste religiöse Gewissenhaftigkeit endlich als Siegerin hervorging. Tnlda geniestt beute mit Recht den Ruf einer Musteraemcinde hinsichtlich der Organisation ibrer .Kaschruth- Anstalten. Unter diesen dürften die Einrichtungen, welche dort zum Vertans des Koscherfleisches getroffen sind, einzig dastehen und jedenfalls von wenigen Gemeinden.'in toelchen der Koscherfleischverkans durch nicht-jüdische Metzger geschieht, in dieser Vollendung erreicht oder gar fibertroffen werden. Durch Enqueten von erfahrenen Schächtern, Metzgern und Technikern ist es oem Verfasser gelungen, ein neues Verfahren der Fleischzeichnnng ausfindig zu machen, das hier durch Illustration und Erklärung sehr anschaulich dargestellt wird und in der That die Möglichkeit einer Täuschung ansschliestt, wenn dasselbe von einer aufmerksamen Kontrolle begleitet ist. Wir verweisen daher angelegentlichst auf die Lektüre und das Studium der sehr instruktiven Schrift, '.veil wir glauben, dast eine reckte Würdigung des Inhaltes doch geeignet ist, vielen den Staar zu stechen und dem Schlendrian entgegenzutreten, der auf diesem Gebiete stck besonders bemerkbar macht. Dieses religiöse Manchesterthum kennt Niemand besser, als der Verfasser selber. Seine ganze goltgesegnete Wirksamkeit ist ein unablässiger Kampf gegen dasselbe, und auch hier bat ->r es in einem Nachwort, das er seiner Schrift beigegeben hat, so trefflich gekennzeichnet, dast wir uns nickt versagen können, es hier folgen zu lassen: „Mannigfache Erfahrung lehrt, dast das jüdische Publikum sich nur schwer dazu bewegen lästt, von seinen Gevslogenheiten abzngehen, auch da, wo sich nicht zu verkennende Mängel bemerkbar gemacht haben. Daher kommt es, dast Vorschläge zur Verbesserung von reliaionsgesehlichen Zwecken und Institutionen dienenden Einrichtungen häufig ohne praktischen Erfolg geblieben sind. So hat z. B. der Sternpelfabrikant I. Vergeon zu Gelnhausen von seinem Rollenstempel (S. 23) allen Rabbinern und Schächtern Kenntnist gegeben, hat die Sache durch Inserate in jüdischen Blättern wiederholt dargAegt, obne einen nennenswerthen Erfolg erzielen zi' können. Destgleichen erging es dem sehr einfachen und praktischen Nied^rlegeapvarat des sel. Nutzen Stern zu Fulda, von dem Dembo in seinem Buche: „Das Schächten im Bergleich mit anderen Scklachtmettzoden (S. 47) schreibt, er sei von allen ihm bekannt gewordenen Vorschlägen die beste Methode zum Niederlegen der Schlachtibiere. Ungeachtet des gerade wegen wirklicher oder angeblicher Mängel des üblichen Verfahrens beim Niederlegen aegen das Schächten selbst erhobenen Widerspruchs ist die Nachfrage nach dem vortrefflichen Apparat, dessen auch der Landrabbiner Dr. Gronemonn in seinem Buche: „Siwche Schlomim," S. 1.39, rühmende Erwähnung thnl, nur eine äusterst geringe aeblieben. Es soll daher nicht unterlassen sein, aus das in Kav. 4 dieser Schrift behandelte neue Verfahren des