Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 51 (1.7.1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Es war ihm darum zu tlmn, den gesummten Inhalt der Mischna nach der Auffassung und Deutung der Gemara in vollkommen ausreichender Weise zu erklären und so ein richtiges Verständnis für die traditionelle Lehre des .Judentums im Volke anzubahnen. Einen hervorragenden wissenschaftlichen Wert verlieh Maimonides seinem M'schna-Kommentar durch die lichtvollen orientirenden Einleitungen, die er einzelnen besonders schwierigen Traktaten voranschickte und durch die ausführlichen, tiefeingehenden Auseinandersetzungen (Exeurse) über ethische und religionsphilosophische Fragen des Judentums. Wir heben nur die ,,acht Abschnitte“ (Q’piD rUQttf) hervor. Diese enthalten im Keime, kurz entwickelt, die schönsten und trefflichsten Gedanken Maimunis über die Sittenlehre der jüdischen Religion. Epoche machend für die Folgezeit war es aber, dass Moses Maimuni in seiner Abhandlung zu dem 10. Abschnitte des Traktates Sanhedrin (Perek Chelek) seine philosophischen Anschauungen über die Vergeltung nach dem Tode entwickelt*1 und zum ersten Male, von einem neuen Gesichtspunkte ausgehend, eine jüdische Glaubenslehre aufstellte Diesen überaus wichtigen und interessanten Teil des Maimunischen Mischna-Kommentars hat Dr. Holzer in seiner Schrift bearbeitet und edirt. H. giebt auf Grund mehrerer Handschriften den Text des arabischen Originals, der mit Sachkenntnis und Sorgfalt hergestellt ist. Die hebräische Übersetzung schliesst sich den üblichen, in unsern Talmudausgaben enthaltenen Übersetzung, die der Arzt Salomo ben Josef ibn Jakub angefertigt hat, an, ist aber durch Vergleichung der zwei andern Übersetzungen, die sich in den Bibliotheken erhalten haben, vielfach verbessert und berichtigt. Bei der Menge von Ungenauigkeiten und Irrtümem, die die gedruckte Übersetzung des Mischna-Kommentars ausweist, hat H. durch die Herstellung einer correkten und leicht verständlichen Übersetzung dieses wichtigen Stückes eine dankenswerte Arbeit geleistet. Im deutschen Teil der Schrift (42 Seiten) bietet uns der Verfasser eine recht anschauliche und lehrreiche Abhandlung über die Entwicklung der sogenannten Dogmenlebre innerhalb des Judentums. Schon in der Mischna macht sich «las Bestreben bemerkbar, gewisse religiöse Wahrheiten schärfer hervorzukehren und als Glaubenssätze, als die Grundpfeiler und Wurzeln der jüdischen Religion zu bezeichnen. Den ersten deutlichen Ansatz zur Formuliruug dogmatischer Sätze finden wir aber erst bei dem Alexandriner Philo, indem er „fünf herrliche und vortreffliche Lehren hervorhebt, die Moses den Bekennein des Judentums tief in die Seele prägt.“ Holzer verfolgt nun die Stellung der jüdischen Denker und Religionsphilosophen zu dieser Frage von diesen ersten Anfängen bis an’s Ende des lf>. Jahrhunderts. Mit besonderer Klarheit schildert er das machtvolle Eingreifen Maimunis in dieses Gebiet der jüdisch-theologischen Forschung und den tiefgehenden Einfluss, den seine Aufstellung der 13 G lanbenssii! ze auf seine Nachfolger, mochten es Parteigenossen oder Parteigegner sein, ausgeübt hat. Der Verfasser zeigt hier eine gründliche Belesenheit in der einschlägigen philosophischen Litteratur, diese tritt auch in den zahlreichen deutschen Anmerkungen, mit denen er den arabischen Text begleitet, an den Tag. Bei der unverkennbaren Begabung des Verfassers, in religionsphilosophische Fragen sich zu vertiefen und sie in leicht fasslicher Weise darzustelleu, erwarten wir von ihm noch manche schöne Gabe auf dies, m Gebiete der jüdischen Litteratur. Am Schlüsse sei noch auf die tadellose Ausstattung und den schönen, correcten Druck hingewiesen. Bereut. Dr. J. M ü 11 z. Dr. P. Münz. Handbuch der Ernährung für Gesunde und Magenkranke. Mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen Speisegesetze. 1901 Mainz. Job. Wirth’scbe Hofbueüdruckerei A.-G. 188 8. Es gehört nicht zu den leichtesten Aufgaben eines Autors, ein streng wissenschaftliches, in sich abgerundetes Gebiet dem grossen Laienpnbliknm darzustellen. Die Bedenken liegen dabei einerseits in der unausbleibbaren Verflachung, der die Wissenschaft hierdurch aasgesetzt wird, anderseits in der Gefahr einer irrationellen, seichten Nutzanwendung und einseitiger Befolgung der ans solcher Arbeit gezogenen Lehren. Diese Bedenken schwinden hier, da dies Werkchen wohl hauptsächlich ein ethisches Prinzip verfolgt, die Forderungen der modernen Hygiene mit den Anschauungen des alten Bibelgesetzes in Einklang zu bringen, um dabei ein irriges Vorurteil aus der Welt zu schaffen, als ob die Postulats des biblischen Gesetzgebers mit den Errungenschaften der modernen Medizin in Wider-