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Der Israelit · 1901-07-01 · Heft 51 (1.7.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 51 (1.7.1901)
Date
1901-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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4L. Jahrgang. M 51. Der Zsraelit. «in Gentrat-Hrgan für das orlhodore Iudenthum. Begründet von •r. in Montag, den 1. Juli 5661 (1901). Leitender Artikel. Das orthodoxe Judenthum. Von Wilh. Löwy in Sarbogard, Ungarn.*) III. Das neologe Jndenthum. Neolog und Judenthum! Diese zwei Worte nebeneinander gestellt und zu einem Begriffe verbunden, machen den Eindruck, als würde man etwa sagen: ein todtes Leben, oder die vergängliche Ewigkeit. Denn was ist Judenthum und was heißt neolog? Judenthum ist die von Gott für alle Ewigkeit bestimmte, ewig unveränderliche, unantastbare heilige Religion, die ihren Betennern ewiges Leben sichert, während „neolog" das gerade Entgegengesetzte: das Flüchtige, Veränderliche, Sterbliche, das Verbesserungsbedürftige bedeutet. Judenthum durch „neolog,, näher bestimmt und begrenzt, ist so viel, wie das Leben mit dem Tode, die Ewigkeit mit der Vergänglichkeit zu erläutern und umschreiben. Oder ist da? Judenthum im Laufe der Zeit allmählich abgestorben und soll erst durch menschliche Hand zu neuem, kräftigem Leben erweckt werden? O, wenn dem richtig so wäre, so verdient es gar nicht, daß es überhaupt lebe; dann lastet es nur in seinem ewigen Schlafe ungestört ruhen, denn wäre es Wahrheit, göttliche Wahreit, es hätte ewig bestehen müssen. '*9 xtatnp Tp rot?] 'xp xb Kip’ts\ Wahrheit besteht, nur Lüge vergeht! Doch das Judenthum lebt, lebt Gottlob immer fort. Dip’ rr “ist pit -oxn, es dörrt das Gras, es welket die Vlume, doch das Wort unseres Gottes bleibt ewig bestehen, und vergeblich ist alle Mühe, umsonst alles Streben, es der Verwesung preiszugeben, es dem Grabe zuzuführen! *) Fortsetzung au« Nummer 48. Sollte aber vielleicht das „neologe Judenthum" nicht das sein, wofür man es hält, nämlich ein Parade- Judenthum, das nur zum äußeren Schein und flitterendem Glanze da ist? Dann wäre die Bezeichnung „neologes Judenthum' wirklich sehr treffend gewählt! Wir wollen nun sehen, ob das Wesen dem Namen entspricht und betrachten, was das neologe Judenthum in Wirklichkeit ist. Wenn wir irgend ein Bekenntniß suchen, das in sich etwas Positives enthielte und von allen Neologen gebilligt und anerkannt wird, so suchen wir in der That vergebens. Der eine Wortführer der Reform baut und der andere reißt es nieder. Was der eine anerkennt, verpönt der andere als Lug und Trug. Was dieser als hochstehende, unanfechtbare Wahrheit angibt, verwirft jener als grundlos und falsch. Würde es da Wunder nehmen, wenn ein „böswilliger Orthodoxe" hierzu sagen möchte: „Beide haben Recht?". Ist etwa die Bibel an und für sich, wie man dieses Wort gewöhnlich nimmt, dasjenige Werk, welches unsere neologen Brüder als göttlich und wahr anerkennen? Leider mit Nichten! Sind doch die Opfergesetze auch in der Bibel enthalten und nehmen daselbst eine große Stelle ein, — und doch können dieselben dem zartfühlenden Herzen eines „Liberalen" nicht gut behagen. (Es kann hier nicht unsere Absicht sein, die Verwandtschaft der Neologie mit dem Christenthum, welche Verwandschaft eine viel engere und innigere ist, als die mit dem Judenthum, zu erörtern und zu beweisen, umso weniger, weil dies eine Aufgabe für ein eigenes Werk wäre; aber in Parenthese möchten wir die Bemerkung machen, daß dieses zarte Gefühl ursprünglich im Schoße des Christenthums entstanden ist.) Sind es vielleicht andere Gesetze und Vorschriften der Thora, die unsere Neologen als göttlich und ewig bindend anerkennen? Leider müssen wir abermals entschieden mit „Nein" antworten! Kennen wir doch kein einziges biblisches Gebot oder Verbot, das bei ihnen nicht vor dem sog. Götzen des „Zeitgeistes", vor der

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