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Der Israelit · 1901-06-27 · Heft 50 (27.6.1901) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 50 (27.6.1901)
Date
1901-06-27
Page
– (sequence 26)
Language
German
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1 132 Mitglied des Vorstandes einer christlichen Schule sein könne, nach Lage der damaligen Gesetzgebung ausreichend begründet ist, mag dahingestellt bleiben. Aus den Bestimmungen des inzwischen ergangenen Gesetzes über die Schulaufsicht vorn 11. März 1872, in Verbindung mit dem Bundesgesetz vom 3. Juli 1869, folgt, daß jüdische Mitglieder der Schulgemeinde allein ihres Glaubensbekenntnisses wegen von der Mitgliedschaft im Schulvorstande nicht mehr ausgeschlossen werden können. (Minist.-Reskript v. 19. März 1876.) Oesterr. -Ung. Monarchie. Prag, 23. Juni. Ueber die Anwesenheit des Kaisers in Prag sei noch berichtet, daß Se. Majestät am Samstag Nachmittag beim Besuche der neuerbauten Kadet.enschule in besonders huldvoller Weise die mit dem Schulossiziercorps vor der Front des herrlichen Gebäudes zu seinem Empfange erschienenen drei Geistlichen.' Prof. P. Schuster, Superintendent Molnar und Feldrabbiner Dr. Kisch ansprach. Letzteren, der bekanntlich vom Kaiser loiederholt ausgezeichnet wurde, erkannte dieser sofort und sprach ihn auch in diesem Sinne an. Die Ansprachen wurden, da dieser Besuch rein militärischen Charakter trug und keinerlei Berichterstatter zugclassen waren, in den Tagesblättern nicht veröffentlicht. Es dürfte Sie jedoch interessiren, daß im Schuloftichertorps drei Israeliten waren und daß auch der Platzmajor Töpfer von Willisfeld, der den Kaiser einnibrte, Israelit ist. Heute bat mit Schluß des theoretischen Semester- Unterricht^-, unter Borutz des Schulkommandanten Oberstleutnant R. v. Schönfeld, die kommissionelle j Prüfung aus israelit. Religionslehre stattgefunden, die das selten" Resultat lieferte, daß alle elf Zöglinge vorziiglich bestanden. R u ß l a n d. Odessa. Au» Antrag der Herren Rechtsanwalt Morgnl's, Finkelstein und Barbasch, bat das Stadtoberhanvt von Odeffa, Graf Schuwalow, die Errichtung eines Komitees zur Unterstützung der nothleidenden Juden des Gouvernements Eherson unter der Bedingung gestattet, daß dasselbe über seine Thätigkeit keine Berichte veröffentliche. In Kischinew wurde in einer Sitzung des provisorischen Hilfskomitees für Bessarabien mitgetheilt, daß im Kreise Saroka 983 jüdische Familien mit 6000 Seelen iin vollen Sinne des Wortes Hunger leiden. In den jüdischen Kolonien Dombroweni, Markuleschti und Kapreschti wüthet der Hungertyphus und hat bereits zahlreiche Opfer gefordert. Schlimm sieht es auch im Kreise Orgjejew aus. wo über 300 Familien, am arg-! sten im Kreise Bjelzp, wo allein in der Kreisstadt; Bjelzv 1000 jüdische Familien mit 5000 Seelen, vom j Hunaerlode bedroht sind. Das Komitee läßt in Bjelzy ' bis auf Weiteres monatlich 30 Pfd. Mehl pro Kopf vertheilen und hat dorthin 1800, nach Saroka 2000 Rubel, nach Orgjejew 500 und Attaki 250 Rubel gesendet. Auf der Eisenbahnstation Schmerinka wurde in einem Waggon dritter Klasse unter der Bank die Leiche eines Juden gefunden, an welcher nicht die geringste Spur einer äußeren Verletzung zu entdecken war. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß der Unglückliche eines „natürlichen." Todes durch Verhungern gestorben ist und aus der mitten im Nothstandsgebiete gelegenen Stadt Bendrn stammt, wo er eine vielköpfige Familie hinterlassen hat. Da gegenwärtig in seiner Heimath absolute Arbeitslosigkeit herrscht, so verließ er dieselbe, um in der Fremde Vrod zu suchen. Er hatte während der jüngsten Schneestürme im Gebiete der Südwestbahnen Beschäftigung als Schneeschipper gefunden, war aber nach dem Aufhören dieser Arbeit sofort in bittere Roth gerathen, weil er seinen Verdienst bis auf die letzte Kopeke seiner in der Heimath hungernden Familie geschickt, ohne sich selbst das Allernothwendigste zurückznbehalten. Um anderswo Arbeit suchen zu können, schlich er in einen Eisenbahnwagen und versteckte sich unter der Bank, um so als blinder Passagier weiterznkommen, und dort wurde der Bejammernswert^, der seit mehreren Tagen nichts genossen hatte, vom Tode ereilt. — Trotzdem die „I. K. A." Anfangs März in fämmtlichen russisch-jüdischen Blättern eine nachdrückliche Warnung vor der Auswanderung nach Argentinien erlassen hat. wird sie namentlich aus dem südrussischen Nothstandsgebiet mit dahingehenden Anträ- I gen und Bitten bestürmt. Die Zahl der Gesuche ist so groß, daß der Vertreter der „I. K. A." in Akkermann, Gouvernement Bessarabien, Herr I. Trachtmann, sich 311 der Bekanntmachung veranlaßt sah, daß in Argen- > linien für absehbare Zeit nur sehr wenig Kolonisten aufgenommen iverden können, daß gegenwärtig gar keine Plätze vakant und daß für jede einzelne Stelle die eventuell künftig einmal frei werden sollte, schon jetzt Hunderte von Vormeldungen vorliegen. Alle Vemiifninaen von der „I. K. A." nach Argentinien geschickt zu iverden. seien daher erfolglos, und wer es wagen sollte, ans eigene Faust auszuwandern, dürfe bei seiner Ankunft in Argentinien eine jüdische Kolonie nicht einmal betreten. — Auf Antrag des Verwalters der kaiserlichen Domänen in den Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw, H-'rrn Somow, dein auch die in diesen Gouvernements belegenen jiidischen Kolonien unterstellt und, hat das landwirthschaftliche Ministerium denselben eine Unterstützung von 12,000 Rubel als eine in sechs Jahren amortisirbare Anleihe bewilligt.

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