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Der Israelit · 1901-06-27 · Heft 50 (27.6.1901) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 50 (27.6.1901)
Date
1901-06-27
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1135 schlagen, daß Euch jetzt zum ersten Male die Gelegenheit geboten wird, frei und unerschrocken Eure Gesinnung und Eure Anschauungen nach jeder Richtung hin an den Tag zu legen. „Im Brennpunkt des akademischen Lebens steht aber heuzutage ohne Zweifel die Judenfrage." Mit dieser seid Ihr durch Eure Abstammung organisch verbunden; zu ihr „Stellung zu nehmen" muß die erste ..Pflicht" sein, welche Euch aus der „akademischen Freiheit" erwächst. Und nun treten wir, die „Vereine jüdischer Studenten," als die Vertretung aller derjenigen, welche sich ihres Judenthums nicht schämen, sondern sich „stolz und bewußt" zu ihm bekennen, aller derer, die „nicht nur aus Zufall Juden sind," sondern auch wissen, wofiir sie es sind und ewig bleiben wollen, — nun treten wir an Euch heran und rufen Euch zu: „Tretet ein als Kampfer in unsere Reihen für Freiheit und Judentbum!" Wandicm von Euch wird dieser Mahnruf als ein Angriff auf seine Ideale von „Menschenverbrüderung und Humanität" erscheinen. Wir aber sagen Euch: Diese Ideale werden von uns nicht gestürzt, sondern gestützt. Denn nur wer zunächst seiner „engeren Gemeinschaft" liebend zu helfen weiß, nur der kann die ganze Menschheit umfaßen. Wir vergessen ihrer gewiß nicht, wenn wir unseres Stammes gedenken, des Stammes, in dem die Gedanken weltumfassender Liebe ihren Ursprung gefunden haben. Fragt Ihr uns aber ängstlich, ob wir überhaupt das Recht haben, uns als Juden zusammenzuschließen, werst Ihr uns vor, daß wir dadurch die Kluft zwischen uns und unseren christlichen Mitbürgern nur breiter machen — nun so lernet einsehen, daß „wir uns nicht abgesondert haben, sondern abgesondert worden sind." Sollen wir uns nun etwa in die Gemeinschaft derer, die uns verachten und unsere Brüderschaft verschmähen, einzudrängen suchen? Oder sollen wir uns feige verkriechen und uns ihrer Beachtung nach Möglichkeit zu entziehen suchen, indem wir unser „Judenthum verstecken und vertuschen," wie das unter den jüdischen Mitgliedern der „paritätischen Vereine" und der „Finkenschast," die sich „Freie deutsche Studentenschaft" zu nennen wagt, beinahe zum Prinzip geworden ist? Rein! Dagegen bäumt sich unser Ehrgefübl aus. „Schließt man uns aus, so schließen wir uns zusammen," schließen wir uns zusammen, schließen uns zusan'wen als Vorkämpfer des Judenthums, um defsentwillen man uns zu akademischen Bürgern zweiter Klasse herabzudrücken sucht. — „Jüdische Abiturienten!" Ihr tretet jetzt in das studentische Leben ein. Ihr werdet zu diesen Fragen Stellung nehmen müssen, — wenn anders Ihr nicht aus dem elenden und kläglichen Standpunkt steht, es sei das Veste, ruhig seinen Weg zu gehen, nur seinen Studien nachzuhängen und sich im übrigen um die Kämpfe des akademischen Lebens nicht zu kümmern. Denkt stets, „daß es außer allen wahlberechtigten Jnteresien für den jüdischen Studenten eine Ehrenpflicht giebt, die Pflicht gegen das Judenthum." „Besinnt Euch vorher!" Wenn Ihr mit dem Judenthum nichts zu thun haben wollt, wenn Ihr in ihm nur ein lästiges Anhängsel seht, das Eure Geburt Euch mitgegeben, dann bedauern wir, uns an Euch gewandt zu haben. — „Wollt Ihr aber bewußte Juden sein, spürt Ihr in Euch ein Tröpflein alten vieltausendjährigen Adelsstolzes. wollt Ihr. daß das Judenthum bestehe und sich fortentwickele, dann, jüdische Abiturienten, — dann kommt zu uns!" Rußland. Petersburg. Rach der Entscheidung des Reichsrathes, welche die Sanction des Czars erhalten hat, werden alle Juden, welche in Rußland den akademischen Grad, sei es als Arzt oder Magister, erworben haben, sowie diplomirte jüdische Ingenieure, Techniker und Hörer des Meßinstituts in den Staatsdienst ausgenommen. Die Aerzte sollen auf dem Gebiete des Medicinalwesens. die Magister aus anderen Gebieten, die Ingenieure und Techniker im Resiort des Verkehrsministeriums und die Meßinstituts-Frequentanten im Dienste des Meßdevartements angestellt werden. „Zeitlexikon" nennt sich ein in der Deutschen Berlags- Anstall in Stuttgart erscheinendes publizistisches Unternehmen. das jedenfalls als neu, eigenartig, zeitgemäß und prakilsch zu bezeichnen sein dürfte. Zum erstenmal wird hier der Versuch gemacht, das Tagesleben mit der Fülle seiner Erscheinungen dem i'efer in einer einheitlichen, knappen, übersichtlichen und möglichst vollständigen Darstellung zu vergegenwärtigen. Das Eigenartige des Unternehmens besteht vor allem darin, daß die Darstellung den Ereignissen unmittelbar auf dem Fuße folgt und ste gleichsam im Fluge festzubannen sucht. Das „Z eit lex iko n", von dem daS Januarheft — 159 Lexikon - Oktavseiten stark — unS vorliegt, bietet eine Uebersicht über das. was im Monat Januar auf den Gebieten des politischen, wirthschaftlichen, wissenschaftlichen, künstlerischen, technischen und gesellschaftlichen Lebens vorgegangen ist. Der leichten Orientierung wegen ist die Form der lexikalischen Behandlung gewählt, d. h. der Inhalt des Heftes ist nach alphabetischen Stichworten geordnet, so daß sich jeder den gewünschten Aufschluß sofort und mühelos verschaffen kann Der Kreis der Interessenten des neuen Werkes dürfte sich kaum leicht abgrenzen lassen: der Staats- und Privatbeamte, der Politiker, der große wie der kleine Geschäftsmann, der Gelehrte, der Künstler, der Techniker, der Liebhaber der Künste und Wissenschaften, kurz jeder, der nur irgendwie seinen Blick auf das öffentl. Leben zu richten genötigt ist, wird das „Zeit lex iko n" alö einen bisher oft schmerzlich vermißten Bera er willkommen heißen und den neuen Monatsheften einen Platz unter den ihm unentbehrlichen Büchern feiner Hand- und Hausbtbliothek anweifen. Anzahl und Ansehen der gewonnenen Mitarbeiter bürgen dafür, daß dem Leser größtmögliche Zuverlässigkeit in den einzelnen Angaben und Mittheilungen geboten wird. DaS „Zeitlexikon" erscheint jährlich in 12 Monatsheften & M. 1.—, ein Preis, der die Anschaffung jedem ermöglichen dürfte, der sich für die von ihm ins Auge genommenen Zwecke interessiert. DaS Januarheft ist durch jede Buchhandlung zur Ansicht zu erhalten.

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