Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 48 (20.6.1901)
- Date
- 1901-06-20
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449192--53608-2504282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
*1086 für die Jugend. Durch dieses legt der Lehrer nur den Grund zur gefährlichsten Unwiffenheit in der wichtigsten Wissenschaft und erzieht nur Halbjuden. Unsere Thora, die nicht dem menschlichen Geiste entsprungen ist, kann nicht aus dem Kinde herausentwickelt werden. Durch Empfangen und Ueberliesern haben wir das Gottesgesetz erhalten und durch Ueberliesern und Empfangen müssen wir es aus unsere Kinder vererben. Wir muffen aus der Quelle, aus dem „Brunnen des lebendigen Masters", aus der Bibel selbst schöpfen. Wir dürfen unseren Kindern nur Früchte von dem „Baume des Lebens" reichen. Soll unsere Lehre, die Thoras Chajim, die „Lehre des Lebens," Eigenthum unserer Jugend werden, dann müssen wir alle unbedingt die Quelle derselben aus's Genaueste kennen. „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen." Wohl hat dieser Weg große Schwierigkeiten, aber ohne Krastanstrengung und Mühe können wir nicht Zur rta-p zum Erbtheile Jakobs gelangen. Kehren wir daher immer zu der eigentlichen Religionsquelle zurück und greifen nur dort, wo wegen der großen sprachlichen Schwierigkeiten die Urquelle nicht mit Erfolg benutzt werden kann, zur Uebersetzunq, aber zur besten. (B i b e l l e s e n!) Man weise die Vereinbarkeit des Judenthums mit der Gegenwart nach und gewinne des Schülers Jntereffe siir das Zermonialgesetz, indein man ihn aus den sittlich-m Gedanken und den physischen Nutzen desselben aufmerksam macht. Was von jeher ein kindliches Geuiüth für die Religion gewann, das waren die Feiertage, die Ferien, die ihm die Religion selbst bot. Die Gegenwart hat ihm diese genommen. Das Kind kann sich nicht mehr an den Ehanukta- und chamischo osors- Nachniittagen mit Spiel ergötzen. Selbst am Sabbat muß es die Schule besuchen. Daran läßt sich wohl wenig ändern. Der pflichtgemäße Gehorsam gegen Staat gebietet uns, die nichtjüdischen Sonn-Festtage als Ferien anzuweisen. Aber das Elternhaus könnte dem Kinde diese Freuden- und Feiertage ersetzen. Die Feier der Sabbat-, Fest- und Freudentage im Elternhause djtcx bv l'js bv rax zb rtrn wird das Vaterherz zum Kinde, und das Kind zum. Vater wenden. Man zeige ferner, wie die religiösen Gefühle im Leben nothwendig sind, wie sie unser Sein und Wollen bestimmen müssen. Nicht das Wissen und toter Glaube, sondern Anwendung aus d a s L e b e n i st jüdische Religion. Die Religion muß sich durch ihre Früchte im Leben und Handeln äußern. Wahre Nächsten- und Menschliebe muß der Religion entspringen. Tbeilnahme an dem Wohle anderer, Achtung der Armuth, des Nächsten und Vorgesetzten, Unterordnung der Eigenliebe und Antheil am Schicksale anderer, das sei ihr Bestreben, das stellt sie wahrhaft in den Dienst unserer Zeit. Man wecke das Gefühl der Zusammengehörigkeit und die Dankbarkeit als eine der wichtigsten Herzenseigenschasten. Das macht den Religionsunterricht zu einem wahren Gottesdienst, schasst Seelen, die vor Gott und den Menschen angenehin erscheinen. Die Bibel lehrt uns, daß der Blick der Mutter oft schärfer ist in dein, was ihr Kind betrisst, als der des sonst weiseren und erfahreneren Vaters. Während Jsak über die Tilgend und Fehler seiner Kinder im Unklaren war, hatte Rebekka die Eigenthümlichkeiten derselben genau erlannt und durchschaut. Das führt mich unwillkürlich zu dem Punkt hin, was die Mutter als Bildnerin und Erzieherin vermag. Vater und Lehrer vermögen alles über den Geist des Kindes, aber das Herz desselben vermag niemand so viel als die Mutter. In der That, es gab Zeiten in Israel, wo durch die Frauen die heilige Gottesslamme. die fast erloschen war, angezündet wurde. Mollen wir aber solche Mütter erhalten, dann ist vor allem nöthig, daß auch die Mädchen mit der heiligen Schrift vertrauter gemacht werden, wie dieses bisher geschah. Auch die Mädchen müssen einen eingehenden Bibelunterricht erhalten. Auch ihnen reich? man Frischte von dem „Baum des Lebens" selbst. Man lese auch mit den Mädchen fleißig in der Bibel, »nenn auch nur in der Uebersetzung, und mache sie mit den göttlichen Vorschriften genau bekannt. Denn, wenn sie z. B. die Gesetze von Sabbat nicht kennen, wie können sie ihn beobachten Schlagen wir einmal diesen Weg ein. Mit dem Barak, dem Manne, der den elektrischen Funken der Begeisterung im Herzen trägt, muß immer die wwvb ntrs. die Frau mit der heiligen Flamnie des Enthusiasmus im Herzen, im Bunde stehen, wenn ein Volk aus seinem Rückgänge erlöll werden soll. Daun kann der Spruch wieder zur Wahrheit werden- „Durch das Verdienst der Frauen ist dem Volke Erlösung gekommen." Hochjkitstklkgrklmme Aus Mittelfranken erhalten wir von einem hervorragenden Rabbiner folgende Zuschrift: „Noch immer steht man keinen Erfolg in dem Streben nach Einschränkung der Hochzeitstelegramme. Noch immer fließen Tausende von Mark dem Staate zu, Summen, welche siir arme Mitbrüder beffere Verwendung finden könnten. In aller Kürze möchte ich daher in Folgendem einen Vorschlag machen, der meines Erachtens durchführbar wäre. Es müßten sich die Lehrer dieser Sache annehmen und dürfte es daher am geratensten sein, wenn die Verwaltung des „Bayer, israelitischen Lehrervereins" an die Mitglieder desselben diesbezügliche Anweisungen erließe. Hauptsächlich dürste dies in folgender Weise auszusühren sein: