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Der Israelit · 1901-06-17 · Heft 47 (17.6.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 47 (17.6.1901)
Date
1901-06-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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42. Jahrgang. M 47 Der Israelit. Ein Kentrak-Hrgan für das ortyodore Iudenlyum. Begründet von »r. feftmaim in Mninf. Montag, den 17. Juni 5661 (1961). Leitender Artikel. Gme deutsche Alliance Israeüte. ui. (S ch l U ß.) Mainz, 16. Juni. Nehmen wir einmal an, die tonangebenden Männer in dem Centralausschuß hätten wirklich den guten Willen, allen Ansprüchen zu genügen, von deren Berücksichtigung die Bekenner des orth. Judenthums ihre Mitgliedschaft abhängig machen muffen; werden sie in der Lage sein, diesen Willen wirklich auszusiihren? Wir haben alle Ursache, diese Frage zu verneinen; wir glauben, wenn die Orthodoxen nur z. B. verlangen würden, daß als unabänderliche Fundamentalbestimmung in die Satzungen die Forderung ausgenommen werde, daß alle Schritte, Maßnahmen und Institutionen des Vereins den Anforderungen des jüdischen Religionsgesetzes entsprechen müssen, wie es in Bibel, Talmud und Schulchan Oruch niedergelegt ist, daß im Falle einer Meinungsverschiedenheit die Entscheidung durch drei gesetzestreue Rabbiner erfolgen solle, daß man dann einem derartigen Verlangen die Berücksichtigung versagen werde. Die Herren müßten ja ihre ganze Vergangenheit und Gegenwart verleugnen, wenn sie einem solchen Anspruch sich fügen sollten, während die Orthodoxen sich mit ihren heiligsten Principien in Widerspruch setzen müßten, wenn sie auf diese Garantien verzichten wollten. Wer einer solchen Vereinigung trotzdem das Wort redet, hat sich die Collisionen und Complikationen im Ernstfälle niemals in allen Details vergegenwärtigt, die hier unvermeidlich sind. Unseren vom praktischen Judenthume abgefallenen, dem Reformjudenthum huldigenden Brüder sind die Ansprüche des überlieferten, gesetzestreuen Judenthums so fremd geworden, daß der bloße gute Wille nicht mehr genügt, um Verstöße zu vermeiden. Um ihren guten Willen zu dotumentiren, kann es Vorkommen, daß sie sich katholischer als der Papst geriren, daß sie sich, um die orthodoxe Anschauung nicht zu verletzen, zu Concessionen bekennen, die keine noch so entschiedene Orthodoxie verlangen würde, während in der Praxis der Bruch doch so offen daliegt, daß jeder Ausgleich ausgeschlossen erscheint. Wir wollen das an einem einzigen, klaffischen Beispiel veranschaulichen. Es ist uns aus Berlin von einer Seite, die dem neuen Verein nahesteht und mit seinen Bestrebungen sympatisirt, eine Correspondenz zur Veröffentlichung im „Israelit" zugegangen. Dieselbe beginnt mit den Worten: „In Berlin hat sich am 28. Mai die Gründung eines neuen Vereins vollzogen, der den Namen „Hilfsverein der deutschen Juden" angenommen hat. An sich hat es keine allzu große Tragweite, wenn in Berlin ein neuer jüdischer Verein gegründet wird, die Meisten derselben bleiben trotz ihrer weitgehenden Forderungen auf Berlin beschränkt und interessiren besonders die süddeutschen Juden verhaltnißmäßig wenig. Wir haben auch von unserem gesehestreuen Standpunkte aus nur allzuviel Grund zum Mißtrauen gegenüber den neuen Gründungen in Berlin, und erst vor wenigen Monaten waren wir genöthigt, unsere Stellung gegenüber dem von Berlin aus propagirten „deutschen Judentag" kräftig zu kennzeichnen. Wir waren die ersten, die energisch gegen diesen verderblichen Plan auftraten und unserem Beispiel isi dann die Mehrzahl nachgefolgt, so daß das Projekt eines „deutschen Judentages" jetzt als definitiv gescheitert anzusehen ist." Die Correspondenz versucht nun den Nachweis dafür, daß dieses Mißtrauen bei dem neuen Verein nicht berechtigt ist. Da wir die Gründe, die dieselbe dafür aufführt, in unseren bisherigen Ausführungen bereits widerlegt haben, so können wir diesen Passus hier über-

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