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Der Israelit · 1901-06-13 · Heft 46 (13.6.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 46 (13.6.1901)
Date
1901-06-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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42. Jahrgang. Jfä 46. Der Israelit. «in .Aerrtrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlyum. Begründet von Br. fr^mattn in Haiti}. Donnerstag, den 13. Juni 5661 (1961). Leitender Artikel. Eine deutsche Älliance Jsraelite. II. Mainz, 12. Juni. Wenn gegen die „Alliance Asraelite Universelle" nichts vorläge, als das, was die Gründer des neuen Berliner „Hilfsvereins" Vorbringen, daß sie die französische Eigenart kultivirt und die deutsche nicht berücksichtigt, so wäre dem leicht abzuhelfen. Wir wissen nicht, ob von den Herren je ein diesbezügliches Gesuch an die Leitung der „Alliance Jsraelite" gestellt wurde, aber wir sind sicher, daß es bei der loyalen Gesinnung, die daselbst vorherrscht, gewiß die erforderliche Berücksichtigung gefunden hätte. Wenn es nicht geschehen ist, und so die „Alliance Universelle" nicht auch deutsche Schulen gründete und unterhält, so bedauern wir das keineswegs. So viel Verdienstliches und Anerkennenswerthes die „Alliance" in den vierzig Jahren ihres Bestandes auch für die materielle Besierstellung der Jude n h e i t geleistet hat, alle diese Verdienste wiegen den Schaden und die Gefahr nicht auf, welche die „Alliance" für das I u d e n t h u m bedeutet, eben durch den Hauptzweig ihrer Thätigkeit, durch die Schulen, die sie im Orient gegründet hat. Welche Wohlthat, welche unschätzbare Wohlthat könnten diese Schulen für die Kreise sein, für welche sie errichtet wurden, wenn in ihnen Hand in Hand mit der ächten, jüdischen Wiffenschaft, der Thora, ihre Schüler Gelegenheit hätten, alle anderen, für das praktische Leben erforderliche Disciplinen sich anzueignen! Aber die in Paris ausgebildeten Lehrer der „Alliance" haben fast allenthalben, statt die Thora und ihre Satzungen als erste, höchste, unverbrüchliche Norm des Lebens zu lehren, den Geist des religiösen Abfalles, des Leichtsinnes, die Gleichgiltigkeit und Geringschätzung gegen alles spezifisch Jüdische mit so vollen Händen seit Dezennien in die jugendlichen Geister und Gemüther gestreut, daß die Klagen über diesen von den Schulen der „Alliance" angebahnten religiösen Verfall eine stehende Rubrik bilden. Wir haben seit Jahren im „Israelit" auf diesen himmelschreienden Jammer hingewiesen und müßten viele Spalten unseres Blattes damit füllen, wenn wir die hierhergehörigen Berichte wiedergeben wollten, die uns in jüngster Zeit aus Afrika, und speziell aus dem heiligen Lande zugegangen sind. Wir streifen diesen Punkt heute nur, um unseren Lesern zu veranschaulichen, daß wir vom Gesichtspunkte des orthodoxen Judenthums aus — und einen anderen kennen wir nicht — keine Veranlassung haben, es zu bedauern, wenn der Einfluß der „Alliance" eingeschränkt wird, und daß von Haus aus unsere aufrichtigen Sympatien jedem gehören, der dem verderblichen Wirken, welches die „Alliance Jsraelite" durch ihr Schulwesen entfaltet, mit loyalen Mitteln entgegentritt. Um gerecht zu sein, muß jedoch betont werden, daß die leitenden Kreise der „Alliance Jsraelite" in Paris nur mittelbar für den Jammer verantwortlich sind, welchen ihre Schulen im Orient stiften. Diese Kreise wollen ohne Zweitel das Beste der orientalischen Judenheil, in deren Mitte sie Schulen gründen. Diese Herren haben aber für ihre Person zum großen Theil mit den Satzungen des Judenthums so vollständig im praktischen Leben gebrochen, daß ihnen dieser Bruch als höchster Fortschritt, das treue Festhalten an Thora und Mzwoh als ein längst überwundener Standpunkt, als ein Hemmschuh für die Erreichung der materiellen Güter des Lebens gilt. Was können sie von ihrem Standpunkte aus, wenn sie es wirklich mit ihren Stammesgenosien im Orient gut meinen, besseres thun, als in Paris Lehrer mit derselben laxen Auffassung unseres Religionsgesetzes auszubilden und diese Lehrer dann

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