Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 45 (10.6.1901)
- Date
- 1901-06-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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4L. Jahrgang. M 45. r Zsraelit. Kentrat-Hrgan für das orthodoxe IudentHurn. Begründet von Montag, den 10. Juni 5661 (1001). Leitender Artikel. IlalK Goldschmiöl JH. FranLsuri a. M., 7. Juni. Einer der edelsten und besten Menschen ist dahingegangen, ein Mensch mit einem reinen, goldenen Herren — Fall G o l d s ch m i d t ist gestorben, und an seinem Grabe steht weinend seine Familie, steht die israelitische Religionsgesellschast und trauert um den Verlust eines ihrer treuesten Mitglieder, stehen seine zahlreichen Freunde und Bekannten, stehen die Armen und Bedürftigen Frankfurt's und trauern um ihn, der ihre Dcotti gemildert und ihre Thränen getrocknet — und alle, alle fühlen es, daß es ein ungewöhnlicher Verlust ist, den sie erlitten haben. Sie lövneu's nicht fassen, daß er nicht mehr in ihrer Mitte weilt, daß er heimgegangen ist, bevor er ein Greis geworden, in das Reich des Friedens, er, der so gern-- noch lange gelebt und gekämpft hätte für alles, was gut und recht ist, für seine Ueberzeugung, für die heiligen Interessen seiner theuren Gemeinde, die er geliebt und verehrt mit der ganzen Gluth seines liebevollen Herzens. Aber schließlich werden sie sich doch Alle mit dein trostenoen Gedanken beruhigen müssen, daß es wenige Familien gibt auf Erden, die einen solch' liebevollen Gatten und Vater, wenige Arme und Bedürftige, die einen solch' warmen, bereitwilligen Helfer in der Roth, vor allem aver wenige Gemeinden in der großen jüdischen Welt, die ein solch' treues, uneigennütziges, hingebungsvolles Mitglied verlieren können, wie es Falk Goldschmidt war. Falk G o l d s ch m i d t hatte eine mühevolle Jugendzeit verlebt. Ein frühzeitiger Tod entriß ihm seine braven Eltern. Früh mußte er hinanswandern in die weite Welt, wo er Sorgen und Entbehrungen fand, unter deren Last gar Mancher. kraftlos zusammengebrochen wäre. Andere wären an seiner Stelle in Noth und Elend verkommen. Wie sein Vermögen, so mußte er sich auch sein Judenkhum erkämpfen. Er war nicht so glücklich, wie so viele Andere, die ihr Glück nicht zu schätzen wissen, von jüdischen Eltern erzogen zu werden. D, wi? hätte er so Manche beschämt, jene sog. „jüdische Jünglinge, die, im Schoße einer gesetzestreuen Gemeinde geboren und erzogen, in jüdischen Schulen zu bewußten Juden beranerzogen werden sollen und am Beispiel frommer Ellern sich für Thora und Jirah begeistern könnten und, wenn sie in'S Leben hinanstreten, bei all' ihrer Bildung und Erziehung zu schwach sind, der Verführung zu trotzen — wie hätte er sie beschämt, wen.'i ihm die Erckenntniß der jüdischen Wahrheit rechtzeitig in der ersten Zeit der empfänglichen Jugend gekommen wäre? Denn er besaß ein jüdisches Herz, und die Zukunft sollte es zeigen, wie sein ganzes Wesen im JudenGum wurzelte, dem fein Herz mit seltener Treue zugetban war. unerschütterlich bis zum letzten Augenblick, da es aufhorte zu schlagen. Wer von den Lebensschicksalen dieses merkwürdigen Mannes jemals erfahren, der wird die Größe seiner Kraft und Energie bewundern, die es allein ihm möglich machten, aus den Kämpfen eines solchen Lebens als Sieger hervorzugehen — aber mit bewegtem Herzen wird er auch Gott dafür danken, daß er ihn durch stacht zum Licht, durch Kampf zum Sieg geführt, und im Strome des Lebens ihn dem Judenthum nicht verloren gehen ließ. An dem Tage, da er nach Frankfurt kam, begann Falk Goldschmidt sich als Jude zu fühlen. Hier fand er eine echtjüdische Gemeinde vor, deren Mitglieder in ihrer Begeisterung für die jüdischen Lebenswahrheiten und ihrer opferfreudigen Hingebung an das alte, überlieferte Judenthum mit einander wetteiferten. Wohl befand sie sich damals erst im Anfang ihrer Entwickelung und einem oberflächlichen Beurtheiler hätte sie damals noch nicht in der Weise zu imponiren vermocht, wie sie's heute im Stande ist. Aber Falk Goldschmidt