Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 44 (5.6.1901)
- Date
- 1901-06-05
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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993 Wischt Aerlthm im den höheren Lehranstalten Prenstens. -+ *<r i.pt soeben erschienene „Kunze" (Kalender für das höhere Schulwesen Preußens) für das Schuljahr 1901 ermöglicht es, die Behauptung des preußischen Justizministers Schönstedt, daß die Juden in anderen preußischen Berwaltungen noch weniger angestellt würden, als bei der Justiz, für die Unterrichtsverwaltung genau untersuchen. Es sind an königlichen preußischen höheren Anstalten in der That nickt mehr als acht jüdische Oberlehrer angesiellt (wovon zwei Profefforen mit dem Range der Näthc vierter Klaffe), darunter fünf in der Provinz Posen, die nur staatliche höhere Lehranstalten besitzt, zwei in Mestpreußen und einen in Berlin. An städtischen Anstalten sind augenblicklich 48 jüdische Oberlehrer vorhanden, darunter zehn Profefforen mit dem Range der Räthe vierter Klaffe und ein Professor ohne diesen Rang: von diesen sind in Westpreußen 1, Schlesien 8, Sachsen 1, Hessen-Nassau 4; die übrigen 34 sind in Berlin, wobei 2 zum 1. Avril 1901 angestellte im „Kunze" (der den Bestand vom 1. November 1900 verzeichne!) noch als Hilfslehrer angegebene Herren mitgezahlt sind. Hierzu kommen noch die 18 Oberlehrer (worunter 4 Professoren) an den beiden jüdischen höheren Lehranstalten in Frankfurut a. M. Unter den 1932 Profefforen im Range der Räthe vierter Klaffe, die sich nach dem „Kunze" an den höheren Leheranstalten Preußens befinden, sind 16 Juden, unter den 4174 Oberlehrern 66 (wobei jene Zwei nicht mitgerechnet sind). - Die Zahl der jüdischen Oberlehrer ist gegen frühere Jahre relativ etwas gestiegen, wenn sie auch noch nicht ganz so groß iss, wie dem Berhältniß der jüdischen Bevölkerung zu der christlichen entspricht. Wenn man aber das Berhältniß der jüdischen Schüler an den höheren Lehranstalten zu den christlichen zur Grundlage einer solchen Berechnung macken wollte, so würde natürlich die Zurücksetzung der jüdischen Oberlehrer gegen ihre christlichen Berufsgenossen noch schärfer hervortreten. Diese Zurücksetzung zeigt sich auch in dem hohen Alter, in dem gegenwärtig die jüdischen Oberlehrer definitiv angestellt toerdcn. An den städtischen höheren Lehranstalten wurden von jüdischen Kadidaten definitiv angestellt: 1891—95 8 im durchschnittlichen Alter 82 Jahren 718 Monaten, 1896—1900 21 im durchschnittlichen Alter von 36 Jahren 6 Monaten. Sie wurden anstellungsfäbig im Alter von 26 Jahren 214 Monaten (bezw. 28 Jahren 8 Monaten). An den staatlichen Anstalten wurden von 1891 bis 1900 4 jüdische Oberlehrer angesiellt, die durchschnittlich bei Erlangung der Anstellungsfähigkeit 29 Jahre 7 Monate, bei der definitiven Anstellung aber 40 Jahre 9 Monate alt tvaren. Die 11 im Schuljahre 1900—1901 an städtischen und staatlichen höheren Lehranstalten angestellten jüdischen Oberlehrer waren mit 29 Jahren 3 s/. Monaten anstellungsfähig und wurden mit 37 Jahren 1 Monat angestellt. Das allgemeine Durchschnittsalter der zur Anstellung gelangenden Oberlehrer beträgt aber gegenwärtig höchstens 34 Jahre und wird bei dem großen Lehrermangel, der in den nächsten Jahren noch schlimmer zu werden droht, noch bedeutend sinken. Dieser Lehrermangel wird natürlich auch den jüdischen Lehramtskandidaten zn Gute kommen. So sind von den 19 im „Kunze" aufgeführten jüdischen anstellungsfähigen Kandidaten (Gesammtzahl 683) 2 bereits als Oberlehrer angesiellt, 2 als etatsmäßige Hilfslehrer an königlichen Anstalten in Ostpreußen und Brandenburg (im Alter von 49 bezw. 43 Jahren); außerdem sind 6 vollbeschäftigte, nicht etatsmäßige Hilfslehrer (6 in Berlin. 1 in Frankfurt a. M., alle 6 an städtischen Lehranstalten, im Alter von 34—40 Jahren). 2 jüdische Hilfslehrer in Berlin sind nicht vollbeschäftigt, die übrigen stehen überhaupt in keiner Beziehung zu einer preußischen höheren Lehranstalt. Unter den 174 Probanden befinden sich 3 Juden (2 in Berlin, 1 in Frankfurt a. M.), unter den 211 Seminarmiialiedern 6 Juden (4 in Berlin, 2 in Frankfurt a. M.) Ob es unter diesen Umständen einem Juden anzurathen iss, sich in Preußen dem höheren Lehrfach zu widmen, scheint auch jetzt noch recht fraglich. Günstiger liegen die Verhältnisse in den Reichslanden, wo nach der jetzt zum ersten Male im „Kunze" veröffentlichten Dienssnltersliste von 334 Oberlehrern 9 Juden sind (darunter 3 Profefforen) und zwar an staatlichen Anstalten. (Ztg. d. Judenth.)