Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-06-05 · Heft 44 (5.6.1901) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 44 (5.6.1901)
Date
1901-06-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449188--53495-2504165
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

986 besteht, der sich „Schomreh Schabbos" nennt. Die Christen, welche in London in der Exeter Hall zusamnien gekommen sind, um für den jüdischen Sabbat einzutreten, wußten vermuthlich nicht, daß der genannte Verein, über dessen Existenz sie sich so sehr gefreut haben, ein jüdischer Verein ist, der sich zur Aufgabe gemacbt hat, der immer mehr unter den Juden einreißenden Sabbatentweihung entgegenzutreten. London. (Die Audienz D r. H e r z l 's beim Sultan.) Im zionistischen Lager herrscht über den Empfang des Dr. Herz! beim Sultan heller Jubel, obgleich die über die vor zwei Jahren erfolgte „Audienz beim deutschen Kaiser" von ihnen erlebte schwere Enttäuschung sie von der Wahrheit des Spruches ü'zn:z '.rrczn hu schon längst hätte überzeugen sollen. Freilich gibt es zahlreiche Zionisten, welche auf Bibelsprüche nicht viel geben, aber auch diese hätten aus der Weltgeschichte lernen können, wie wenig ein einzelner Mensch und wäre er selbst Sultan der Türkei, ja sogar Kaiser von Deutschland, das Schicksal g a n z e r V o l k e r zu beeinflussen vermag. Aber die Zionisten sind eben schleckte Politiker und die wenigen guten Politiker unter ihnen suchen das sensationelle Ereigniß (und mehr als ein sensationelles Ereigniß ist der Empfang des Dr. Herzl durch den Sultan keineswegs!) für einseitige Parteizwecke auszubeuten. Das zionistische Sensationsblatt „Die Welt" sucht über die Audienz einen geheimnißvollen Schleier auszubreiten, indem sie berichtet, daß Dr. Herzl nach der ersten Audienz noch zweimal im Palais des Sultan war, ohne jedoch zu verrathen, ob er bei dieser Gelegenheit den Sultan gesprochen oder nur dessen Kammerdiener. Ob bei der eigentlichen Audienz auch die Herren Wolfsohn und Marmorek zugegen waren oder ob sie bei dem wichtigsten Theil des Aktes draußen bleiben mußten, ist noch ebenfalls unaufgeklärt. Ueber den Erfolg der Audienz wird nur im Flüsterton gesprochen, woraus für jeden Kenner der zionistischen Taktik unzweifelhaft hervorgeht. daß die Herren nichts laut zu sagen haben. Was endlich den Gegenstand der Audienz betrifft, so deuten die Zionisten geheimnißvoll an. daß es sich „fast um das Charter" handelte. Allein in dieser Beziehung sind wir doch besser unterrichtet. Wie der Zionistenführer, Dr. Leop. Kahn aus Wien, mittheilt, soll Dr. Herzl es in der Audienz versucht haben, beim Sultan die Erlaudniß zu bekommen, in der Türkei eine Filiale der zukünftigen zionistischen Bank eröffnen zu dürfen. Also um die Conzession zur Errichtung einer Bankfiliale und nicht um ein Charter hat es sich bei der Audienz im L)ildiz Kiosk gehandelt. Es kreiste der Berg und gebar ein Mäuschen. Rußland. Petersburg. (Antisemitische Theaterstück e.) Seit einiger Zeit machen auf den russischen Theatern zwei Dramen Aufsehen, in welchen die Juden verspottet werden. Das eine dieser Dramen heißt: „Die Contrabaudisten oder die Söhne Israels" und das andere: „Die Hochzeit des Rabbiners." Wo eines dieser Dramen ausgeführt wird, drängt sich das Publikum massenhaft in's Theater, das christliche, um das Stück mit seinem Beifall auszuzeichnen, das jüdische, um es anszupseifen. Natürlich gibt es überall heftige Conflicte. Wenn irgendwo eine Schauspielertruppe wegen der Apathie des Publikums vor dem Zusammenbruche steht, so braucht sie nur eines dieser antisemitischen Dramen anzukündigen und sie erzielt sofort volle Häuser. Aber die vielen Ercesse, welche schon aus diesem Anlasse in den verschiedensten russischen Städten statt' gefunden haben, regten bei der Theatercensur die Frage an, ob diese Stücke nicht im Interesse der öffentlichen Ruhe verboten werden sollen. Personalien. Frankfurt n. M., 4. Juni. Ein hervorragendes Mitglied der hiesigen „Israelitischen Religionsgesell schaft, Herr Falk G o l d s ch m i d t, Bruder des vor einigen Jahren dahingeschiedenen Selig Goldschmidt, hat heute das Zeitliche gesegnet. Die beiden Brüder Goldschmidt standen in der Reihe der ersten Frankfurter Philantropen. Wir werden dem theuren Entschlafenen in nächster Nummer einen besonderen Artikel widmen. Asckaffenbrng, 4. Juni. Frau Rabbiner Dr. Bamberger, Wittwe von Rabbi Simchah Bam berger, ist vor einigen Tagen verschieden. Eine Esches chajil in des Wortes edelster Bedeutung, verstand sie es, im Verein mit ihrem großen Gatten, ihre Kinder zu tüchtigen, gesinnungstreuen Jehudim heranzubilden. > Vermischtes. < <&od) a. Niederrhein. Was Einigkeit und zielbewusste, energische Leitung vermag, zeigt uns die kleine israelitische Gemeinde in Ealcar, an deren Spitze Herr Adolf Isaac als Vorsteher wirkt. Nachdem dortselbst unter Mi.Hilfe hilfsbereiter Glaubenöbrüder ein neues, prachtvolles Schul: Haus erstanden, unv die ohnedies schwerbelastete Gemeinde auS eigenen Mitteln das tn würdevoller Weife renovierte, hat nun auch der kleine, aber strebsame Frauen: verein dortselbst, ein prachtvolles ro~iD gestiftet, welches am verflossenen mynttf zu ersten Male den tcnpn piN schmückte. — Die bekannte Buchhandlung B- Grünebaum in Cassel, welche den Vorhang, ein wahres Meisterstück geliefert, erntete dafür einstimmiges Lob. Breslau. Die Unterstützungskasse des Vereins iör. Lehrer in Schlesien und Pose» weist pro 1900 ein Vermögen von Mk. 45 307 auf. Haag, Holland. Das seit vielen Jahren, in gutem Rufe stehende Hotel „Fryda" ging seit dem l. Mai in eine Actien-Gesellschaft über. Es wurte renovirt und wird unter strengster Aufsicht der beiden hiesigen Rabbiner erploitirr. Siehe Inserat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.