Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 43 (3.6.1901)
- Date
- 1901-06-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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42, Jahrgang. M 43. Der Israelit. Ein KenLrat-Hrgan für das orthodoxe Iudentyum. Begründet von Br. in Mfiin}. Montag, den 3. Juni 5661 (1901). Unsere nächste Nummer erscheint ves gesetzlichen Feiertags wegen Mittwoch, den 5. Juni. Leitender Artikel. Kin gchtiilies Mti-SGcht-Plehislit. Mainz, 2. Juni. Tie Entscheidung des Preußischen Oberverwallungsgerichts, welche den Kommunen gestattet, in ihren Schlachthäusern das Schächten zu untersagen, bringt unseren Antisemiten reichliches Wasser auf ihre Mühlen. Haben sie auch den Kampf gegen das Schächten trotz aller Mißerfolge niemals ganz eingestellt, so haben sie ihn neuerdings auf der ganzen Linie mit doppelter Energie ausgenommen. Wie weit dabei ihre Unverfrorenheit geht, mögen unsere Leser aus folgender Mittheilung ersehen, die uns von Zwesten zugeht: „Ein geheimes Anti-Schächt-Plebiscit vlant der Berliner Thierschutzverein, Firma: Behringer, da eine öffentliche offizielle . Volksabstimmung bei uns in Deutschland doch nicht angängig ist. Es ist hierbei offenbar — wie aus Folgendem hervorgeht — auf diejenigen abgesehen, die „nie Alle" werden. Es werden nämlich an Gemeinde-Vorstände und Lehrer — auch jüdische — eine Anzahl geschickt zusammengestellter Flugblätter zur Bekämpfung des Schächtens gesandt — worunter auch eine Erklärung, welche die Adressaten zu unterschreiben aufgefordert werden. Auch eine Posteinzahlungskarte ist beigefügt mit dem Ersuchen um eine Geldunterstützung zu Gunsten dieser Bewegung. Gibts es wohl einen größeren Mangel an Verschämtheit, als Juden aufzufordern, nicht nur gegen sich selbst zu agitiren, sondern auch noch diese Machenschaft finanziell zu fördern. Nun wird ein besonderer Trik angewandt, um das uneingeweihte Publikum zu verwirren; es liegt nämlich 1) eine „Erklärung" dabei, mit einer großen Anzahl Unterschriften hochgestellter Männer, worunter auch kathol. Kirchenfürsten (z. B. Kopp), in welchem sich diese im Allgemeinen mit dem Bestreben der Thierschutzvereine einverstanden erklären (vom „Schächten speziell" steht aber nichts darin); — es sott aber der Schein erweckt werden, als ob diese hochstehenden Männer sich auch gegen das Schächten erklärt hätten. Auch 2) ein rabbinisches theologisches Gutachten des Rabb. Stein—Frankfurt a. M., welcher das Schächten nicht als religionsgesetzlich-bindend erklärt, sowie ein Ausspruch Max Nordau's, aus dessen „Paradoxen. ist beigefügt; und 3) schließlich eine ausführliche An t i -schächt-Proklamation des „A b w e h r - V e r - eins-Mitqliedes Prof. Mittermeyer, sowie ein weitläufiges Gutachten des bekannten Hoffmanns. Nicht unerwähnt will ich auch lassen, daß angebliche jüdische Mitglieder des Berliner Thierschutz-Vereins sich in diesem Sinne ausgesprochen haben sollen. Man spekuliert nun darauf, daß möglich Viele auf diesen Leim gehen, um dann später mit dieser Massenbeitrittserklärung dem Reichstage gegenüber einen starken Trumpf ausspielen zu können.- Dazu besitzen aber die Juden denn doch nicht die nöthige Dosis Dummheit und Charakterlosigkeit, wie der klägliche Erfolg ähnlicher Anzapfungen in früheren Jahren hinlänglich beweist."-- Die ganze unsaubere Agitationsweise der Herren, welche Thiere zu schützen und Juden zu quälen zur Aufgabe ihres Lebens machen, ist in der That nicht mehr neu. Das Flugblatt, welches die Namen katholischer Kirchenfürsten und sonstiger Würdenträger enthält, wurde schon vor acht Jahren auch in der Schweiz verbreitet, um das Volk zu täuschen. Das dortige Israelitische Komitee zur Erhaltung der Schechita hat sich damals telegraphisch an die genannten Herren gewandt und von sämmtlichen Angefragten die positive Versiche-