Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 42 (30.5.1901)
- Date
- 1901-05-30
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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MtthödöxeMüderühum-Ä t'C'M O S £ S v'l s«r. 13. 30. Mai 1901] m&l & mm VAeimgefuriden. Novelle von Vnrbkk—Wien. t Schluß statt Fortsetzung.) -sOCZDSt- Gar Viele warteten noch im Vorzimmer; er wurde sofort vorgelassen. „Bravo, Nico!" redete ihn Aladar an, ihm beide Hände entgeyenstreckend, „das ist schön von Euch, daß Ihr mich ausgesucht. Ich freue mich jedesmal, einen Landsmann zu sehen und von meiner lieben Heimath zu hören!" „Ist leider nicht viel Gutes zu hören, Herr Caplan," sagte Nico, sich auf den ihm dargebotenen Stuhl niederlassend. „Sind schlechte Menschen, die einander das Leben schwer machen!" Er sah, wie eine Wolke des Caplans hohe Stirne trübte, und fuhr fort: „Wahre Nächstenliebe kennen die Leute nicht mehr, verfolgen die Juden, sperren sie ein, sagen, daß sie Christenblut brauchen und morden und-" „Unsinn," unterbrach der Caplan; „ich kenne den Talmud so gut wie Einer! Die Juden brauchen kein Christenblut; nur Unverstand und Wahnwitz kann das behaupten!" „Sag' ich auch," fuhr Nico erregt fort, „aber was der Nico sagt, gilt nichts; Ihr müßt es sagen, Herr Caplan, denn Euch geht es an!" „Wie darf ich mich in fremde Angelegenheiten mischen?," sagte Aladar abwehrend. „Nicht fremde," erwiederte Nico; „es ist Euer eigen Blut, Eure Familie, die leidet; deßhalb ist Nico hier, um Euch —" „Meine Familie?," unterbrach Aladar betroffen aufhorchend; „so redet!" Und Nico erzählte, was er wußte, daß Eli gefangen gehalten wird, daß Aranka ihn nach Rom gesendet, feine Hilfe anzurufen. Aladar ging erregt im Zimmer auf und ab; er war bleich geworden; seine Hände zitterten; Bilder der Vergangenheit zogen an seinem geistigen Auge vorüber. Endlich schien er zu einem Entschluß zu kommen. „Ich danke Euch," sagte er, dem Zigeuner die braune Hand drückend, „daß Ihr mich ausgesucht! Noch heute nehme ich eine Audienz beim Papste. Sein Wort gilt in der ganzen Christenheit; es wird auch bei uns daheim gehört werden! Glaubt mir, Eli's Befreiung ist nur eine Frage der Zeit!" „Wollt Ihr das nicht selbst der armen Frau Aranka schreiben, die vor Gram vergeht"? fragte der Zigeuner. „Guter Nico," antwortete der Caplan, „ja, das werde ich thun, doch nun komm' und stärke Dich! Trinkein Glas guten Tokayer, ich sehe, Du bist erschöpft! Ruhe Dich aus und sei mein Gast!" Er führte ihn in das anstoßende Zimmer, öffnete einen Kasten, aus dem er Wein, Früchte, Braten nahm und Nico zum Esten einlud. „Ich selbst," sagte er, „fahre sofort nach dem Vatican; in einer Stunde bin ich zurück. Erwarte mich hier; Du wirst von mir selbst hören, was der Papst zu thun gedenkt." Die im Vorzimmer Wartenden wurden auf den nächsten Tag zur Audienz beschieden. Caplan Mostarly hatte es verstanden, sich die besondere Gunst des Papstes Gregorius zu erwerben. Er