Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 42 (30.5.1901)
- Date
- 1901-05-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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942 Menschenliebe das Geld aller Kurgäste entgegennahmen, welchem Glauben ste auch angehören mochten. Ich habe niemals gehört, daß ein Hotelbesitzer hier eine Hunderguldennote zurüclgewiesen hätte, wenn nicht vorher der Zahler seine teutonische Abstammung Nachweisen konnte, — und auch das ist mir nicht bekannt geworden, daß jemals ein arischer Menschenbruder irgendwo in Anerkennung seines Geburtsadels auch nur ein einziges Deka Schinken als Zuwage bekommen hätte. Gerade Karlsbad schien gegen das Einsickern einer Gesinnung geschützt, die man so oft als brunnenvergiftend bezeichnen mußte. Und nun ist dennoch der Hader, der anderswo schon ausgeglommen ist, in das Herz der Stadtevertretung getragen worden, ja, man ahmt sogar der Hauptstadt das Vorbild der Obwalttbätig zum Stillstand zu bringen. . . Und was eine struktion nach, um das Uhrwerk der Verwaltung ge- Obstruktion gerade in Karlsbad zu bedeuten hat, braucht selbst dem medizinischen Laien nicht erst indiskret erläutert zu werden. . . . Frankreich. Paris, 26, Mai. Man kann sich in Deutschland kaum eine klare Vorstellung davon machen, in welch peinlicher Lage, vom politischen Standpunkte aus, sich die Juden von Algier befinden. Der Judenhaß wird im Volke von gewissenlosen Hetzern gepflegt, und jeden Augenblick ist das Gut und das Blut der jüdischen Bewohner von Algier in der höchsten Gefahr. Judenkrawalle sind dort eine alltägliche Erscheinung. Wohl gibt es Leute, die danach streben, durch Schrift und Wort die „Seuche des Jahrhundert", wie Kaiser Friedrich den Antisemitismus bezechnet hatte, zu dämpfen. Aber so lobenwerth ihr Streben auch ist, es muß leider gesagt werden, daß sie nur geringe Resultate erzielen. Die große, urtheilslose Menge, die von den Phrasen der Hetzerbande, an deren Spitze Mar Regis steht, bethört und verblendet ist, ist nicht fähig, in politischen und wirthschaftlichen Fragen logisch zu denken. Um so mehr wäre es die Pflicht der gegenwärtigen Regierung, die sich zur Aufgabe die Vertheidigung der republikanischen Grundsätze gestellt hat, mit aller Energie in Algier zu walten, um die schutzlosen jüdischen Einwohner gegen die Wuth der bethörten Volksmenge zu schützen. Leider läßt die Regierung in dieser Beziehung viel zu wünschen übrig. Sie zeigt sogar eine gewisse Nachsicht gegenüber der Bande von Regis, ein Umstand, der sehr verhängnißvolle Folgen haben kann. Wenn auch zugegeben werden muß, daß der Präfekt von Algier. Lutaud, der von Drumont bestgehaßteMann, stets seine volle Pflicht und Schuldigkeit gethan hat, so zeigt die Regierung bei der Besetzung des Gouverneurpostens eine sehr bedauerliche Schwäche, die von Regis und Consorten in der unverschämtesten Weise ausgenutzt wird. Vor einigen Wochen hat der Gouverneur von Algier, Jonnart, aus Gesundheitsrücksichten seine Demission eingereicht. Die ganze Linke forderte, daß man i die vakante Gouverneurstelle Lutaud anvertraut, der! die Verhältnisse ausgezeichnet kennt und der mehrmals davon Zeugniß ablegte, daß er es versteht, die Wuth von Negis zu bändigen und die Ordnung aufrecht zu erhalten. Leider ist die Regierung diesem Wunsche nicht nachgekommen. Ob der neue Gouverneur, Revoil, kraftvoll auszutreten gedenkt, wird er erst beweisen müssen. Uebrigens hat Drumont die große Unverschämtheit besessen, vor einigen Tagen Lutaud, diesen mustergilten Beamten, in der Deputirtenkammer in der gröbsten Weise zu beleidigen. Allgemeine Entrüstung und ein Ordnungsruf waren die Antwort auf diese Niederträchtigkeiten. Pi. Rußland. Petersburg. Die großen deutschen Handelshäuser, die in Rußland Geschäfte machen, haben bei der Regierung des Landes Eingaben gemacht, um durchzusetzen, daß ihre Reisenden frei im Reiche herumreisen dürften. Die Regierung hat dem Verlangen unter folgenden Bedingungen stattgegeben: 1. Die jüdischen Reisenden, welche unbegrenzte Zeit in Rußland bleiben wollen, werden die Rechte der ersien Gilde zu bezahlen haben. 2. Diejenigen, welche sich nur 14 Tage aufhalten wollen, müssen ein Zeugniß der deutschen Regierung vorzeigen, daß sie im Dienste des deutschen Handelshauses stehen und im Interesse ihres Hauses nach Rußland gekommen sind. 2. Wenn die Reisenden dieser letzteren Art istren Aufenthalt verlängern wollen, so müssen sie eine Eingabe an die Lokalverwaltnng machen und die Rechte für die zweite Gilde bezahlen. Letzte Nachrichte». Wien, 29. Mai. lD i e A s f a i r e H i l s n e r.) Wie aus Pisek telegraphirt wird, ist dort bis jetzt von der Entscheidung über das Schicksal des zum Tode verurtheilten Leopold Hilsner offiziell nichts bekannt. Weder Dr. Nodirka in Visek, noch der jetzt in Wien weilende Dc. Zdenko Aurednicek, die beiden Vertheidiger Hilsner's, haben bis jetzt irgend eine Verständigung erhalten. Briefkasten der Redaktion. Lehrer Sp in A. r Wenden Ste sich in einer ausführlich begründeten Eingabe an die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums", Vorsitzender Herr Rabbiner Dr. Breuer, Frankfurt, und wer sind überzeugt, daß Sie zum Bau Ihrer Mikwe einen entsprechenden Beitrag erhalten werden. Auf den übrigen Inhalt Ihres Schreibens kommen wir deinnächsi brieflich zurück. ' " ' fiatihiro, Jlnrlilimis. Neues vornehmes Pensionshaus I. Ranges unter Aufsicht Sr. Ehrwiirdeh Herrn ltabb. Dr. Auerbach, llalberstadt, mit Genehmigung Sr. Rhrw.; : Herrn I,andrabbincr Dr. li ii I f, Kraunsclnveig-. Streng rituelles Etablissement. 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