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Der Israelit · 1901-05-23 · Heft 40-41 (23.5.1901) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 40-41 (23.5.1901)
Date
1901-05-23
Page
– (sequence 25)
Language
German
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WMWWWWiWMiMWMPMVG ***** für düsL^-- Ärthodoxe <MuderrthumÄ ARON^ft l-t/M O S E S \ft zjQfahxXt H 33 Mai 1901] l«r. 13. a w met Zmaböi als Wetdverkeiher. Von Johanne Dretler^ Frankfurt a. M. -S^K—s^tz- Preisgekrönte VvMhluug. ►— <szr ^- Unsere Erzählung führt uns achtzig Jahre zurück in die Geisteswerkstätte eines der bedeutendsten Männer seiner Zeit und aller Zeiten, in das Studirzimmer, oder wie man damals sagte, in die Lernstube des berühmten Rabbiners der Preßburger Gemeinde, Rabbi Moscheh Sofer. Es war am Tage nach dem Simchasthorafeste, einige Stunden nach dem Morgengebet, um die Zeit, in welcher sonst die nach Hunderten zählenden Jünger der Jeschiba an den Lippen des gefeierten Lehrers hingen. Die Vorträge des Winterhalbjahres begannen erst in einigen Tagen mit dem Ersten des nächsten Monats. Der Rabbi saß daher allein in seine Korrespondenz vertieft, die ihm aus allen Ländern Europas zuging. Diese Korrespondenz zu erledigen, hätte allein die volle Arbeitskraft eines weniger vielseitigen Mannes erfordert. Sie hatte die schwierigsten juridischen, rituellen Fragen und Probleme aller Art zum Gegenstände, wie sie im Laufe der Zeit in den Gemeinden Israels auftauchten und der Entscheidung harrten. Bei der unbestrittenen Autorität des Preßburger Rabbiners wollte kein Leiter und Wortführer der großen jüdischen Diaspora eine irgendwie bedeutsame Entscheidung treffen, ohne dessen Urtheil vorher einzuholen. Durch die geniale Meisterschaft, mit welcher die Gelehrsamkeit und der Scharfsinn Rabbi Moscheh Sofers Licht in jedes Dunkel brachte, war er der geistige Berather der ganzen Judenheit geworden. Den tausenden von Schülern, die er während seiner langen, gottgesegneten Lehrwirksamkeit ausgebildet hatte, stand er wie ein liebevoller Vater und Helfer zur Seite und die vereinzelten hochbetagten Greife unter ihnen, die unS aus jener Zeit der Himmel noch erhalten hat, verjüngt noch heute ein Hauch jugendlicher Begeisterung, wenn sie ihres nun bereits mehr als 60 Jahre Heimgegangenen Lehrers gedenken. Zn seiner Gemeinde stand Rabbi Moscheh Sofer wie das Haupt einer großen Familie. Jedes einzelne Glied derselben war seinem edlen Herzen gleich nahe, um in allen Lagen des Lebens Jedem mit Rath und Thai hilfreich zur Seite zu stehen . Daher kam es, daß außer den späten Nacht- und den frühen Morgenstunden Rabbi Moscheh Sofer selten allein war, und auch jetzt hatte er nur wenige Zeilen der vor ihm liegenden Briefe gelesen, als es an die Tbüre klopfte. Das war ein schüchternes Pochen, und der Rabbi glaubte sich ohne viel prophetische Gabe sagen zu dürfen, daß da draußen ein armer Mann um Einlaß bitte, an den jetzt, da die heitere Festzeit vorüber war, die schwere Sorge des Lebens wieder herantrat. Mit seiner ganzen leutseligen Herzensgüte sprang daher der Rabbi von seinem Platze auf, um dem Pochenden selber die Thüre zu öffnen. Er öffnete sie ja nicht nur den Armen, sondern auch der Herrlichkeit Gottes, von welcher das Psalmwort sagt, daß sie zur Rechten eines jeden Armen weile. Wie hatte sich aber der Rabbi so gründlich geirrt! Das war kein armer Mann. Es war der reichste und

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